Ich gebe dir die Sonne Cover (© cbt Verlag)

[Rezension] Ich gebe dir die Sonne von Jandy Nelson

Weiter geht’s mit einem Jugendbuch, das erst im November 2016 erschienen ist: Ich gebe dir die Sonne* von Jandy Nelson. Vielleicht seid ihr schon mal über den englischen Titel I’ll Give You the Sun* gestolpert, der schon im April 2015 veröffentlicht wurde. Und ja – auf Englisch klingt das viel besser! Das hab ich auch gedacht. Dass der Titel wortwörtlich auf Deutsch übersetzt wurde, ergab für mich auch erst Sinn, nachdem ich das Buch gelesen hatte. Herausgegeben wurde der 480 Seiten lange Roman vom cbt Verlag und ist bisher (leider) nur als Hardcover* für 17,99 € und als Kindle Edition* für 13,99 € erhältlich.

Auf dem Bild seht ihr ein broschiertes Leseexemplar, weil ich letztes Jahr bei einer Testleseaktion meiner Buchhandlung mitgemacht habe. Da mir Jandy Nelson durch ihren ersten Roman Über mir der Himmel* schon ein Begriff war, habe ich mich sehr gefreut, ihre Neuerscheinung lesen zu dürfen und mich umso mehr gefreut, dass es auch noch ein LGBT+-Thema behandelt.

Kurzbeschreibung Inhalt

Im Allgemeinen geht es in Ich gebe dir die Sonne* um das Zwillingspaar Noah und Jude, das zu Beginn so unzertrennlich ist, dass sie gemeinsam nur NoahundJude genannt werden. Beide sind künstlerisch sehr begabt, könnten sich aber in ihrem Wesen kaum mehr voneinander unterscheiden. So selbstbewusst und draufgängerisch Jude durch die Welt geht, so ruhig und zurückgezogen erscheint Noah. Die Geschichte beginnt mit den 13-jährigen Geschwistern und setzt nach einer kurzen Einführung wieder drei Jahre später an, als die beiden 16 Jahre alt sind. Plötzlich gehen sie sich aus dem Weg und verspüren so gar nicht mehr die Nähe, die sie einst zu jeder Zeit begleitet hat. In den drei Jahren ist etwas passiert, ein Schicksalsschlag, Geheimnisse und Missverständnisse, die sie an diesen Punkt gebracht haben. Wir folgen abwechselnd Jude und Noah durch ihren Alltag, in dem es Jude auf die hochangesehene Kunstschule geschafft hat und Noah nicht. In dem beide einen Jungen kennen und lieben lernen. Durch Rückblicke erfährt man nach und nach, was sich in der Vergangenheit abgespielt hat und wie es zur heutigen Situation kommen konnte. Und wir erleben die Versuche der beiden, wieder zueinanderzufinden.

Meine Meinung

Zwillingsgeschichten finde ich grundsätzlich immer spannend, weil das ja eine ganz besondere Beziehung sein muss und ich mich schon oft gefragt habe, wie es wohl wäre, selbst einen Zwilling zu haben. Die Geschichte hat mich aufgewühlt und
zugleich mit einem warmen Gefühl in der Bauchgegend zurückgelassen. Jandy Nelson überzeugt nicht nur durch einen flüssigen, mitreißenden Schreibstil, durch den man das Buch kaum aus der Hand legen mag – sie führt uns auch ein in eine Welt voll schillernder Charaktere, die wie zur eigenen Familie werden. Trotz der teilweise etwas harten Kost, die sich durch das Buch zieht, setzt sie auf das richtige Maß Humor und verleitet einen zum Schmunzeln. Auch der Einblick in die Welt der Kunst und wie die verschiedensten Gefühle darin Ausdruck finden können, hat mich überwältigt. Besonders toll fand ich dabei, dass die Tatsache, dass Noah schwul ist, beinahe zur Nebensache wird. Es spielt zwar eine nicht unbedeutende Rolle, aber Gedanken wie »oh je, ich bin anders« oder »ich bin falsch gepolt« fehlen hier fast gänzlich. Man stößt lediglich auf ein »was könnten die anderen sagen«.

Wenn dieses Jugendbuch eins ist, dann bunt. Es leuchtet nicht nur auf dem Cover in allen möglichen Farben, sondern deckt auch inhaltlich das Farbspektrum mit all seinen hellen und dunklen Farben ab. Hieraus entsteht auch mein einziger Kritikpunkt: Für meinen Geschmack spielen sich in der Handlung etwas zu viele Dinge parallel ab. So viele Handlungsstränge, die doch irgendwie miteinander zusammenhängen, man aber danach nicht so leicht sagen kann, worum es in dem Buch eigentlich ging. Vielleicht ist aber genau das auch das Spannende und Künstlerische an dieser Geschichte. Sie ist schillernd und chaotisch, weist aber trotz des ganzen Chaos eine Art von Struktur auf. Das schiebe ich jetzt mal auf meinen Geschmack.

Fazit

Ich gebe dir die Sonne* hat mich ganz in seinen Bann gezogen und mich dabei mit NoahundJude zweifeln, lieben, hassen, lachen, trauern, glücklich sein, trennen und wieder zueinanderfinden lassen. Besonders gut gefallen haben mir die künstlerischen Aspekte und dass es kein klassisches LGBT+-Buch zum Thema »Wie stehe ich zu mir selbst?« ist, sondern die Thematik fast nebenbei miteinfließen lässt. Der Roman vereint die Themen Schicksal, Familie, Selbstfindung, Liebe, Groll und Versöhnung zu einer in allen Farben leuchtenden Substanz, die ich jedem nur wärmstens ans Herz legen kann.

Humor: ●●●○○
Anspruch: ●●●○○
Spannung: ●●●○○
Liebe: ●●●○○
Erotik: ●○○○○
Originalität: ●●●●○

Eure Hannah 🙂

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2 Gedanken zu “[Rezension] Ich gebe dir die Sonne von Jandy Nelson

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