Wie wir begehren (© Fischer Taschenbuchverlag)

[Rezension] Wie wir begehren von Carolin Emcke

Als nächstes möchte ich euch Wie wir begehren* von Carolin Emcke vorstellen. Eine Kategorisierung dazu vorzunehmen, finde ich gar nicht so einfach. Für mich ist das Buch so eine Art biografisch-philosophisches Sachbuch. Wobei es irgendwie auch einen Erzählcharakter hat. Es ist auf jeden Fall sehr besonders, nicht nur deshalb, weil Carolin Emcke uns einen sehr persönlichen und gleichzeitig soziologisch distanzierten Einblick in ihre eigene Entwicklung und ihr Leben gibt. Carolin Emcke wurde hauptsächlich durch ihre Tätigkeit als Kriegsreporterin bekannt, nachdem sie durch ein Stipendium Philosophie, Politik und Geschichte in Frankfurt, London und Harvard studiert hatte. Das Buch erschien erstmals 2012 als gebundene Ausgabe. Im Mai 2013 erschien das Taschenbuch* mit 256 Seiten im FISCHER Taschenbuchverlag, das wie die Kindle Edition* 9,99 € kostet.

Kurzbeschreibung Inhalt

Ja, ein Sachbuch. Aber irgendwie auch wieder nicht. Wie wir begehren* ist eine Sammlung von Erzählungen aus dem Leben von Carolin Emcke. Sie nimmt uns mit in ihre Vergangenheit, zu Stationen ihrer Kindheit, Jugend und ihres Erwachsenenlebens. Dabei handelt es ich aber nicht um reine Schilderungen der Geschehnisse, sondern sie arbeitet ihre Erlebnisse philosophisch auf und versucht sie auch soziologisch zu deuten. Hauptsächlich beleuchtet sie dabei die Entdeckung ihrer Homosexualität, oder die des »Begehrens« an sich; nicht nur in Bezug auf sich selbst, sondern auch auf die Menschen in ihrer Umgebung. Sie berichtet dabei nicht nur über ihre Schulzeit, sondern auch über Erfahrungen, die sie in ihrer Zeit als Kriegsreporterin in Bezug auf ihre Sexualität gemacht hat.

Meine Meinung

Carolin Emckes Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen. Er hat mich ein bisschen an Zsuzsa Bánks Die hellen Tage* erinnert. Die Sätze erstrecken sich über mehrere Zeilen und die Verwendung vieler Einschübe oder Halbsätze vermittelt beim Lesen eine Art traumartiges Gefühl. Dadurch entsteht meiner Meinung nach auch dieses sehr nahe und persönliche Gefühl, da man beim Lesen glaubt, direkt in den Kopf der Autorin blicken zu können und ihren ungefilterten Gedanken zu ihren Erlebnissen zu folgen. Es gibt keine Kapitel, allerdings werden Themen- bzw. Zeitwechsel durch Absätze getrennt. Die verschiedenen Absätze sind nicht chronologisch sortiert, sondern springen zeitlich hin und her, wodurch sich oft ein Gefühl des »Gedankensprungs« einstellt. Aus meiner Sicht verstärken ebendiese Gedankensprünge noch mehr die gefühlte Nähe zu Carolin Emcke, da sie einen dabei direkt teilhaben lässt. In einem alternativen Titel könnte man den Inhalt auch als »Gedanken zum Begehren. Gedanken zu meinem Leben.« beschreiben.

Nun also zu meinen Gedanken – mich hat Wie wir begehren* sehr beeindruckt. Ich fand es schön, Einblick in diese Gedanken zu bekommen. Neue Ansätze zur soziologischen Sicht der Sexualität haben mich fasziniert, ebenso wie die Einblicke in Emckes persönliche Erfahrungen. Womit ich mich ein kleines bisschen schwer getan habe, sind die fehlenden Kapitel. Wie ihr vielleicht schon mitbekommen habt, bin ich ein Fan von Struktur und Ordnung. 😀 Man hat auf den 256 Seiten permanent das Gefühl, einem außerordentlich langen Gedankengang zu folgen, ungefiltert und ohne Kategorisierung; ein bisschen wie ein Tagebuch ohne Tagesangaben. Ich würde das jetzt nicht als schlecht bezeichnen, eher als Stilrichtung, die es mir schwer gemacht hat, viel am Stück zu lesen, obwohl ich das normalerweise sehr gern tue. Vielleicht wollte sie das damit aber auch bezwecken – dass man sich Zeit nimmt, ihre Gedanken selbst weiterzudenken und nicht ihr Input einfach Input sein zu lassen.

Fazit

Wie wir begehren* ist ein schwer zu definierendes und kategorisierendes Buch. Es gibt Einblick in sehr persönliche und auch politische Erfahrungen von Carolin Emcke. Der Schreibstil ist zwar gewöhnungsbedürftig, aber angenehm, wenn man sich darauf einlässt, und vermittelt noch zusätzliche Intimität und Nähe. Wer immer schon einmal mehr über die soziologische Sicht auf die Entwicklung der Sexualität wissen wollte oder einen persönlichen Einblick in ihr Lebens sucht, dem wird dieses Buch sicher gefallen.

Weil es sich um ein Sachbuch handelt,
gibt es an dieser Stelle keine Punkteverteilung.

Eure Hannah 🙂

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