Obwohl es dir das Herz zerreißt Cover (© cbt Verlag)

[Rezension] Obwohl es dir das Herz zerreißt von Jenny Downham

Eine ganze Weile habe ich auf die Erscheinung von Obwohl es dir das Herz zerreißt* von Jenny Downham hingefiebert. Die broschierte Version, die ihr oben im Bild seht, ist seit dem 3. April 2017 vom cbt Verlag erhältlich. Anfang 2016 hatte der C. Bertelsmann Verlag den Jugendroman schon unter dem Titel Die Ungehörigkeit des Glücks* als gebundene Version verlegt. Die Zeit davor hatte ich immer wieder mit dem englischen Original Unbecoming* geliebäugelt, weil ich Taschenbücher generell lieber mag und sie dazu auch noch deutlich günstiger sind als gebundene Bücher.

Jenny Downham kannte ich schon durch ihren Jugendroman Bevor ich sterbe*, in der sie die letzten Monate vor dem Tod eines krebskranken Mädchens auf beeindruckend authentische Weise schildert. Darum habe ich mich auch hier wahnsinnig gefreut, als ich entdeckt habe, dass uns eine lesbische Protagonistin durch Obwohl es dir das Herz zerreißt* führt. Das Buch hat 480 Seiten und kostet als broschierte Ausgabe* 14,99 €, die gebundene Variante* ist für 19,99 € erhältlich und die Kindle Edition* für 11,99 €.

Kurzbeschreibung Inhalt

Obwohl es dir das Herz zerreißt* handelt von drei Frauen aus drei Generationen und einer Familie. Es geht um die 17-jährige Katie, ihre Mutter Caroline und ihre Großmutter Mary. Die Geschichte beginnt damit, dass Katie das erste Mal auf ihre demenzkranke Großmutter Mary trifft, als ihre Mutter Caroline nach jahrelanger Funkstille wegen Mary ins Krankenhaus gerufen wird. Da es sonst niemanden mehr gibt, der sich um Mary kümmern könnte, wird sie kurzerhand mit Caroline nach Hause geschickt, bis eine zukünftige Bleibe für Mary gefunden wird. Nun müssen sich die Drei arrangieren: Mary, die ihre Tochter nicht erkennt und nur noch manchmal etwas von den Geschehnissen in der Vergangenheit weiß, die alleinerziehende Caroline, die sich neben der ihr inzwischen fremden demenzkranken Frau auch noch um ihren geistig beeinträchtigten Sohn kümmern muss und Katie, die zusätzlich zum Familienchaos noch mit der Entdeckung ihrer Sexualität, der ersten Liebe und dem Coming Out zu kämpfen hat. Die Geschichte wird abwechselnd aus Marys und Katies Sicht erzählt, wobei sich nach und nach die Geschehnisse aus der Vergangenheit entwirren und die Familie so eine zweite Chance bekommt.

Meine Meinung

Zu aller Erst: Ich finde das Cover wahnsinnig schön. Wie so oft ist das der Fall, wenn englische Cover auf den deutschen Titel übertragen werden. Auch den neuen Titel Obwohl es dir das Herz zerreißt* finde ich passend gewählt. Ich frage mich, ob sich die gebundene Version unter dem alten Titel Die Ungehörigkeit des Glücks* nicht gut genug verkauft hat, oder warum eine komplette Umgestaltung, ein Titel- und Verlagswechsel erfolgt sind. Ich muss auch sagen, dass mich die alte Version nicht angesprochen hat. Also nun, ein hübsches Buch – das allein reicht aber logischerweise nicht aus. 😉 Ich muss gestehen, dass ich nach dem Lesen des Klappentextes etwas anderes erwartet hatte. Dieses Buch beschäftigt sich nämlich tatsächlich vordergründig mit Marys Demenz und der Beziehung zwischen ihr und ihrer Tochter Caroline, bzw. mit der Entstehung dieses schlechten Verhältnisses. Es geht auf jeden Fall auch in die Richtung Familiensaga – viele Geheimnisse und Missverständnisse, die die Bindung zwischen Mutter und Tochter einst zerstört haben. Ein sehr großer Teil des Young Adult Romans von Jenny Downham beschäftigt sich mit den Erinnerungen und deren Aufarbeitung von Mary, wobei Katie sie unterstützt. Diese Aufarbeitung droht zwar zunächst, das Verhältnis zwischen den drei Frauen weiter zu verschlechtern, sorgt aber letztendlich auch für mehr gegenseitiges Verständnis zwischen Caroline und Katie. Dieser Familienteil ist wirklich rührend und hat mich tief bewegt.

Jetzt zur LGBT-Thematik: Ich hatte beim Lesen dieser Passagen oft das Gefühl, dass die Erscheinung dieses Romans schon einige Jahre zurückliegt. Tatsächlich aber wurde die erste englische Ausgabe im Jahr 2015 verlegt. Dieses Gefühl entstand hauptsächlich daraus: Zu Beginn verliebt sich Katie in ihre einzige Freundin, und nachdem es zu einem Kuss zwischen den beiden kam, wird sie sowohl von ihr als auch von allen anderen Schülern gemieden. Kein einziger steht hinter ihr, kein Lehrer macht sich für sie stark. Von allen Seiten hagelt es dumme Sprüche. Ich persönlich halte es in der heutigen Zeit nicht nur für unrealistisch, dass in so einem Fall gar nichts unternommen wird und sich wirklich alle Schüler abwertend über Homosexualität äußern, sondern auch für pädagogisch fragwürdig, ein solches Bild der Gesellschaft in einem Jugendroman zu vermitteln. Sicher haben wir heutzutage immer noch überall mit Homophobie zu kämpfen, gleichzeitig gibt es aber immer mehr Menschen, die sich für Akzeptanz stark machen. Ein zweiter Kritikpunkt: Die »andere Lesbe der Stadt«, mit der Katie im Laufe der Geschichte in Kontakt kommt, wird als Inbegriff der Klischeelesbe beschrieben – kurze Haare, gepierct, (tätowiert?), unrasierte Achseln, eher maskuline Haltung. Was soll denn das? Nicht, dass nicht jeder genauso sein darf, wie er möchte, aber da keimt in mir wieder die Frage auf, inwieweit das pädagogisch wertvoll sein soll. In meinen Augen grenzt diese Beschreibung des Erscheinungsbildes homosexuelle Menschen von den heteronormalen ab, indem das eindeutige Bild von »wir sind anders als die anderen Frauen, wir müssen auch anders aussehen« vermittelt wird. Letztendlich ist zwar die Botschaft der Geschichte, dass wir nichts auf die Meinung anderer geben sollten und es nur wichtig ist, dass wir mit uns glücklich sind, aber das rettet das grundsätzliche Verständnis von Homosexualität aus meiner Sicht auch nicht mehr.

Fazit

Ich fand das SO schade. Die ganze Geschichte um die Familie Mary, Caroline und Katie, die Aufarbeitung von verdrängten Erinnerungen und die ausführliche Beleuchtung der Demenzkrankheit hat mich wirklich angesprochen und ist toll ausgearbeitet. Leider empfinde ich den LGBT+-Part als sehr rückständig beschrieben und wenig aufbauend für Leser, die sich vielleicht gerade in einer ähnlichen Situation befinden. Trotzdem halte ich Obwohl es dir das Herz zerreißt* allein wegen der Familien- und Demenzthematik für durchaus lesenswert.

Humor: ●●○○○
Anspruch: ●●●○○
Spannung: ●●●○○
Liebe: ●●●○○
Erotik: ●○○○○
Originalität: ●●●○○

Eure Hannah 🙂

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