Ein Lied für meine Tochter Cover (© Bastei Lübbe Verlag)

[Rezension] Ein Lied für meine Tochter von Jodi Picoult

Auch Jodi Picoult hat einen LGBT+-Roman geschrieben, den ich euch hiermit vorstellen möchte: Ein Lied für meine Tochter*. Jodi Picoult kennen wahrscheinlich einige durch ihr Buch Beim Leben meiner Schwester* und dessen gleichnamige Verfilmung* aus dem Jahr 2009. Beides hat mir damals sehr gut gefallen; und als ich mehr oder weniger zufällig auf Ein Lied für meine Tochter* stieß, stand es für mich außer Frage, dieses Buch zu lesen. Dass die Autorin einen LGBT+-Roman geschrieben hat, machte mich sehr neugierig, gerade auch weil ich anfangs immer etwas skeptisch bin, wenn heterosexuelle Autoren sich an ein LGBT+-Thema heranwagen. Und so gab ich Jodi Picoult eine Chance. Auf Englisch ist das Buch erstmals im Jahr 2011 unter dem Titel Sing You Home* erschienen. Die deutsche Taschenbuchausgabe* erschien im Mai 2014 und ist mit seinen 576 Seiten für 9,99 € erhältlich und als Kindle Edition* für 8,49 €.

Kurzbeschreibung Inhalt

Die Story beginnt mit der Musiktherapeutin Zoe und ihrem Mann Max, die seit vielen Jahren erfolglos versuchen, ein Kind zu bekommen. Besser gesagt, sie beginnt mit dem Scheitern der Ehe, da sich Zoe nichts sehnlicher wünscht als ein Kind und Max nach zehn Jahren diese psychische, körperliche und finanzielle Belastung nicht mehr erträgt. Zoe findet Zuflucht in der Musik und lernt durch ihre Arbeit die Psychologin Vanessa kennen, mit der sie sich nach den üblichen inneren Konflikten den Traum vom Familienglück mit Hilfe der übrigen eingefrorenen Embryonen erfüllen möchte. Zoes Mann Max wird nach der Trennung allerdings von einer streng religiösen Gemeinde aufgefangen, die mit ihm in den Kampf gegen Homosexualität und damit um das »Wohlbefinden« seines ungeborenen Kindes zieht.

Meine Meinung

Ich fand Ein Lied für meine Tochter* so spannend und emotional aufwühlend, wie man es von Jodi Picoult nicht anders kennt. Der Roman dreht sich nicht nur um die emotionale Belastung, die das endlose erfolglose Versuchen, ein Kind zu bekommen, das Scheitern einer Ehe und das Coming Out mit sich bringt, sondern beleuchtet auch rechtlich schwierige Grenzbereiche; nicht zuletzt auch aus religiöser Sicht. Zwei Dinge fand ich dabei ganz besonders interessant: Die rechtliche Fragestellung »Ab wann beginnt ein Leben?« und gleichzeitig auch die sehr ausführliche religiöse Argumentation gegen Homosexualität auf Basis der Bibel, und wie wenig Hand und Fuß sie doch hat. Da ich mich selbst bisher nur bedingt mit der christlichen Ablehnung und deren Begründung befasst hatte, war es nicht nur spannend zu lesen, worauf genau diese Argumentation denn nun eigentlich beruht, sondern auch, dass die Bibel dafür als Grundlage eigentlich nicht wirklich funktioniert. Die häufig zitierten Bibelstellen werden da doch meistens aus dem Zusammenhang gerissen und verfehlen damit ihre ursprüngliche Bedeutung. Jodi Picoult hat hierbei ausgezeichnete Recherche-Arbeit geleistet und sorgt dabei trotz der vielen dramatischen Wendungen für eine realistische und glaubwürdige Wirkung. Besonders schön fand ich auch die Welt der Musik an sich und die der Musiktherapie, in die uns die Autorin entführt. Es war spannend zu erfahren, was Musik in Menschen auslösen kann und wie sie dadurch auch zur Heilung beitragen kann. In Kooperation mit Ellen Wilber entstand zu diesem Buch sogar ein eigens komponierter Soundtrack, der auf der Website von Jodi Picoult zum Beispiel beim Lesen oder zwischen den Kapiteln angehört werden kann. Ein kleiner Kritikpunkt zum Schluss – wie es oft der Fall ist, merkt man ein kleines bisschen, dass die Autorin selbst nicht lesbisch ist und sich eben nur in die Rolle hineinversetzt; das fällt meiner Meinung nach aber nur in Details auf.

Fazit

Ein Lied für meine Tochter* behandelt die Themen Selbstfindung, das Bedürfnis, Mutter zu sein und eine Familie zu gründen, die Welt der Musik, religiöse Radikale und den Kampf um sein Glück im Gerichtssaal. Das sind sehr viele Themen gleichzeitig in einem Roman, die mir auch selbst manchmal einen Ticken zu viel wurden; die aber in der Umsetzung sehr gut unter einen Hut gebracht werden und für ordentlich Spannung und Dramatik sorgen. Der Aspekt des inneren Coming Outs nimmt einen vergleichsweise kleinen Teil der Geschichte ein, was mich persönlich sehr angesprochen hat. Es darf in der heutigen Zeit auch einfach mal so sein, dass man sich nicht für krank oder falsch hält, wenn man seine Homosexualität entdeckt.

Humor: ●○○○○
Anspruch: ●●●○○
Spannung: ●●●●○
Liebe: ●●●●○
Erotik: ●●○○○
Originalität: ●●●●○

Eure Hannah 🙂

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