Vorsicht, Sternschnuppe Cover (© Ylva Verlag)

[Rezension] Vorsicht, Sternschnuppe von Jae

Heute geht es um ein Buch, das für mich persönlich eine große Bedeutung hat: Vorsicht, Sternschnuppe* von Jae. Die meisten Bücher mit homo- oder bisexuellen Hauptcharakteren handeln meiner Empfindung nach immer vom Coming Out bzw. der Entdeckung der gleichgeschlechtlichen Anziehung mindestens einer der beteiligten Personen. Diese Thematik ist wichtig und hat auch ihre Berechtigung, da viele Menschen, wie auch ich selbst, in ihrer Findungsphase verstärkt zu Coming-Out-Büchern greifen. Vorsicht, Sternschnuppe* jedenfalls fällt in eine andere Kategorie: Es ist ein ganz normaler Liebesroman – und im absolut positiven Sinne – in dem die Homosexualität der Protagonistinnen eine eher untergeordnete Rolle spielt. Das Buch ist im November 2014 im Ylva Verlag erschienen, hat 400 Seiten, kostet als Taschenbuch* 14,90 € und als Kindle Edition* 8,99 €.

Kurzbeschreibung Inhalt

Austen beginnt einen neuen Job in einem großen und erfolgreichen Unternehmen als Assistentin der Marketingleitung. Es ist kurz vor Weihnachten, daher schmückt ein großer Weihnachtsbaum die Eingangshalle. Die perfektionistische stellvertretende Geschäftsführerin Dee (alias Attila, der Hunnenkönig) versucht dessen Dekoration neu anzuordnen, wobei ihr der Stern von der Spitze des Baums auf den Kopf fällt. Nichts ahnend, wen sie vor sich hat, eilt ihr Austen zu Hilfe und fährt die widerspenstigen Dee vorsichtshalber ins Krankenhaus. Die beiden Frauen nähern sich an (Überraschung!), doch ganz so einfach ist das leider nicht. Dee ist Austens Vorgesetzte – genauso wie Dees Bruder, der die Marketingabteilung leitet. Dee lebt für das Unternehmen und tut alles, um den Ansprüchen des Geschäftsführers – der nebenbei ihr Onkel ist – gerecht zu werden. Die Beziehung steht unter keinem guten Stern…

Meine Meinung

Vorsicht, Sternschnuppe* ist das erste Buch, das ich von Jae gelesen habe. Ich, die Skeptikerin, hatte davor zwar schon öfter das ein oder andere von Jae und dem Ylva Verlag gehört, bin aber doch vorrangig bei den großen Verlagen geblieben. Die Aufmachung des Buchs stand für mich der der großen Verlage doch noch etwas nach und so ließ sich die Skeptikerin in mir erst deutlich später dazu erweichen, diesem Buch eine Chance zu geben. Und was soll ich sagen? Es hat sich gelohnt. Also nicht das Warten, sondern das Lesen. 😀 Ich konnte es nicht mehr aus der Hand legen. Das passiert mir immer mal wieder, aber doch nicht mehr so oft wie früher, da ich einfach sehr viel lese. Ich würde die Geschichte am liebsten nochmal zum ersten Mal lesen.

Jetzt aber mal von vorn: Ich fand die Ausgangssituation (Arbeitsumfeld, Beziehung zur Vorgesetzten) interessant. Es ist in der Arbeitswelt doch immer irgendwie ein Tabu, eine Beziehung einzugehen, obwohl es doch so häufig vorkommt. In diesem Buch passierte das, zumindest von Austens Seite aus, unabsichtlich. Und nur deshalb konnte sich die Geschichte auch so schön entfalten. 🙂 Die Dialoge sind wahnsinnig witzig geschrieben. Die Erzählperspektiven wechseln von Kapitel zu Kapitel, teilweise aber sogar innerhalb der Kapitel, zwischen Austen und Dee. Das war zwar zunächst gewöhnungsbedürftig, hat aber doch einen gewissen Charme. Jae weiß, wie man die Spannung aufrecht erhält und ins Unermessliche steigert. Gleichzeitig schreibt sie aber auch sehr gefühlvoll, zum Dahinschmelzen. Der Sprachstil ist eher einfach gehalten, was zum einen daherrühren könnte, dass das Original in englischer Sprache geschrieben worden ist, zum anderen das zügige Lesetempo sehr unterstützt. Das ist gut! So wird man nicht zu ungeduldig.

Die Thematik der Sexualität in Bezug auf die Gesellschaft: Beide Frauen sind lesbisch, beide Frauen wissen das von Anfang an; es ist für sie Normalität und Alltag. Sie treffen sich zufällig, sie verlieben sich zufällig. Ja, sowas soll es geben. Im Zentrum des Buches steht die Liebesgeschichte – inklusive Widrigkeiten – und nicht die innere oder äußere Akzeptanz ihrer Homosexualität. Die Gesellschaft wird hier aber auch nicht geschönt. Es gibt natürlich immer Menschen, die ein Problem mit Homosexualität haben und dies auch zeigen.

Was hier nicht zu kurz kommt ist der Kitsch, und das muss man eben mögen. Seit Jae komme ich mit Kitsch besser klar, auch wenn ich mir immer noch manchmal denke: Oh ja, klar, was für ein Zufall. Oh ja, es ist natürlich die Liebe des Lebens. Oh ja, Liebe auf den ersten Blick. Das war’s dann aber auch schon. Es ist süß. Es ist etwas zum Träumen, womit man dem Alltag entfliehen kann. Es ist eben nicht so hundertprozentig realistisch, aber ich glaube, das wollte Jae auch überhaupt nicht erreichen.

Bedeutung der Autorin

Jae heißt eigentlich Sandra Gerth und wohnt in Süddeutschland. In einem Interview sagte sie mal, sie habe ihren Künstlernamen zu Ehren zweier Schriftstellerinnen gewählt, die ihr mit ihren Romanen »den Weg geebnet haben«. Die Protagonistin in einem der Bücher hieß Jae. Jae schreibt ihre Romane auf Englisch und übersetzt sie anschließend ins Deutsche. Sehr gut gefallen hat mir, dass die Romane alle in einer Welt spielen und ihre Charaktere auch oft in anderen Büchern vorkommen. Das erinnert ein klein wenig an Stephen King, den ich übrigens auch sehr gern lese. 🙂 Ich bin der Meinung, dass Jae ein wichtiger Meilenstein in der lesbischen Literatur ist. Sie macht das Lesbischsein in ihren Romanen zur Normalität, zum Alltag. Wie viele Leser greifen gern zu Nicholas Sparks, zu Cecilia Ahern oder Nora Roberts, um einfach nur mit einer schnulzigen Liebesgeschichte aus dem Alltag zu entfliehen? Wie oft habe ich mir dabei schon gedacht: »Warum gibt es sowas nicht in lesbisch?« Tadaa, Jae macht’s möglich. Wobei ich dazusagen muss, dass in Jaes Büchern immer ein besonderer Faktor dabei ist, wodurch die Geschichten weniger gewöhnlich werden. Und genau darin liegt das Besondere, das für mich und ich glaube auch für die lesende lesbische Gesellschaft Wichtige an Jaes Geschichten. Es gibt Happy Ends, es gibt emotionale Achterbahnfahrten, es gibt Leidenschaft, immer mit einem kleinen Zusatz, der jedes ihrer Bücher außergewöhnlich macht.

Fazit

Wie man vielleicht merkt, hat mich Vorsicht, Sternschnuppe* besonders bewegt und mitgerissen. Ich greife immer wieder gern zu einem von Jaes Romanen, wenn ich Balsam für die Seele brauche. Aufgrund des Suchtfaktors sollte man allerdings aufpassen, wann man mit dem Lesen beginnt; kann man sich die nächsten zwei, drei Tage ungestört verkriechen – perfekt! Steht ein wichtiger Termin an – lieber bis danach warten. 😉 Und bevor ich’s vergesse: Eignet sich super für die Weihnachtszeit!

Humor: ●●●●○
Anspruch: ●●●○○
Spannung: ●●●●○
Liebe: ●●●●○
Erotik: ●●●○○
Originalität: ●●●○○

Eure Hannah 🙂

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4 Gedanken zu “[Rezension] Vorsicht, Sternschnuppe von Jae

  1. […] Vorsicht, Sternschnuppe ist eines von Jaes Büchern, die ich immer wieder gern lese. Es hinterlässt ein pures Wohlgefühl und hat definitiv Suchtpotenzial. Also überlegt euch gut, wann ihr anfangt es zu lesen, die nächsten Stunden werdet ihr nämlich nichts anderes machen wollen! Es ist für mich das lesbische Pendant zu allen klassischen Hetero-Weihnachts-Liebesgeschichten, ungeheuer lustig und voller Liebe, die immer ihren Weg findet. Wer es noch nicht kennt – dringende Leseempfehlung! 🙂 Wer es kennt und liebt – kennt ihr Vergleichbares? 🙂 Es ist 2014 im Ylva Verlag erschienen, hat 400 Seiten und kostet 14,90 €. […]

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  2. Hallo Hannah,

    mir wurde zwar schon vor ein paar Monaten „Vorsicht, Sternschnuppe“ an anderer Stelle empfohlen, aber nachdem ich bei Dir gesehen habe, dass es verstärkt in der Weihnachtszeit spielt, habe ich es mir bis jetzt aufgehoben. Und ich denke das war auch die richtige Entscheidung.

    Ich habe inzwischen schon ein paar Romane von Jae gelesen, womit mir auch die zu erwartende Stimmung klar war, aber bei diesem Buch war ich doch überrascht, wie bereits nach den ersten zwei Kapiteln Fahrt aufgenommen wurde. Und was soll ich sagen? Ich fand es super 🙂

    Lustigerweise, so kitschig manches auch sein mag, hat der Roman erstaunlich viele Situationen beinhaltet, die genau meine aktuelle Situation widerspiegeln. Was dazu geführt hat, dass es für mich ein sehr viel tiefsinnigeres Buch war, als es vielleicht geplant war.

    Unterstreichen will ich noch deine Sucht Warnung. Vor den längeren Reihen aus Jaes Feder habe ich mich bisher gedrückt, da ich sicher bin, gleich die ganze Reihe im binge-reading zu konsumieren. 🙂

    Liebe Grüße und frohe Weihnachten
    Becca

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Becca,

      ich hoffe, du hattest schöne Weihnachten! Bei mir war die letzten Tage ganz schön viel los, deshalb komme ich jetzt dazu, dir zu antworten. Ich freue mich richtig, dass dir „Vorsicht, Sternschnuppe“ so gut gefallen hat! Ich fand dieses Buch bisher auch am besten von denen, die ich bisher gelesen habe, dachte aber, das liegt daran, dass es mein erstes Buch von Jae war. Vielleicht ist es aber auch ein ganz besonders zauberhaftes. 😊 Ich habe noch die Hollywood-Reihe im Regal stehen, die ich irgendwann mal lesen möchte, wenn ich ganz viel Zeit habe und nicht unterbrochen werde – aus bekannten Gründen. 😃

      Liebe Grüße und einen guten Rutsch!
      Hannah

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