Der Schein Cover (© Arena Verlag)

[Rezension] Der Schein von Ella Blix

Der Schein* von Ella Blix. Da klingelt was? Das Jugendbuch hatte ich euch schon in den Neuerscheinungen für den Januar vorgestellt, und jetzt hatte ich doch tatsächlich das Glück, ein Exemplar davon bei der Lovelybooks-Leserunde zu gewinnen! Falls ihr das Buch gerade lest oder es schon gelesen habt (und natürlich interessiert seid), lohnt sich ein Blick in die Beiträge aus meiner Sicht sehr. Zusätzlich zu den zehn Lesern waren auch die beiden Autorinnen (dazu später mehr) mit dabei und haben sich reichlich an der Diskussion beteiligt. So gewinnt man einen tieferen Einblick in die Arbeitsweise und Gedankenwelten des Autorinnen-Duos, was ich ziemlich spannend fand! Es handelt sich hierbei um kein klassisches LGBT-Buch, aber auf die LGBT-Komponente komme ich später nochmal ausführlich zu sprechen. Vertreten ist sie hier jedenfalls auf ganz besondere Weise. Das Jugendbuch ist am 19. Januar im Arena Verlag erschienen, hat 472 Seiten, kostet als gebundene Ausgabe* 18,00 € und als Kindle Edition* 14,99 €.

Kurzbeschreibung Inhalt

Die 16-jähirge Alina soll für ganze sechs Monate ihr geliebtes Berlin verlassen und solange ausgerechnet auf der hintersten Ostseeinsel das Internat Hoge Zand besuchen, da es ihren Vater für diese Zeit beruflich nach Amerika verschlägt. Ihre Mutter hat sie vor vielen Jahren verloren. Als wäre es nicht schon schlimm genug, dass Handyempfang dort Fehlanzeige ist, darf sie sich noch mit einer grummeligen Mitbewohnerin und der eingefleischten Truppe der »Lonelies« herumschlagen, die einzigen, die außer Alina auch am Wochenende im Internat bleiben. Schon bald beobachtet sie aus ihrem Turmzimmer seltsame Lichtblitze, die in der Nacht über das Naturschutzgebiet zucken, das IN KEINEM FALL betreten werden darf, doch das Geheimnis muss gelöst werden. Wenn man dabei noch einer völlig Fremden begegnet, die sich merkwürdig verhält, in einem aber doch irgendwie das Gefühl einer tiefen Verbundenheit auslöst, macht das die Lösung nicht gerade einfacher. Zusammen mit den »Lonelies« beginnt sie die Spurensuche.

Meine Meinung

Beginnen wir mit dem Autorenduo: Hinter Ella Blix verbergen sich die beiden Autorinnen Antje Wagner und Tania Witte. Wenn man zu Beginn noch versucht, herauszufinden, wer welchen Teil geschrieben hat, so gibt man bald auf – geschrieben ist die Geschichte wie aus einem Guss. Die Autorinnen haben beide schon (Jugend-)Romane mit queeren Charakteren veröffentlicht und haben auch hier nicht damit gespart, allerdings trifft dies auf die Hauptperson in diesem Fall nicht zu.

Die Geschichte fand ich richtig spannend. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, weil ich endlich wissen wollte, was denn nun der Grund für all die merkwürdigen Geschehnisse ist und wie alles zusammenhängt. Besonders schön fand ich, dass man während des Lesens gar nicht drumherum kommt zu spekulieren und sich die wildesten Erklärungen auszudenken – und am Ende doch völlig überrascht wird. Man bekommt Hinweise auf dem Silbertablett serviert und kann sie doch erst zu einem Bild zusammensetzen, wenn die Zeit der Auflösung gekommen ist. Es handelt sich also um einen Young Adult Roman mit Mystery-Elementen, der sich gaaanz leicht in die SciFi-Richtung lehnt.

Die Ausarbeitung der Charaktere finde ich überaus gelungen. Immer wieder wird mit Vorurteilen gespielt, wie jemand zu sein hat, wenn er eine bestimmten Namen hat oder auf eine bestimmte Weise spricht. Ich verspreche euch: Der Schein trügt. 😉 Die Diversität wird hier großgeschrieben. Obwohl es sich um einen »stinknormalen« Hetero-Jugendroman handelt, könnte er nicht vielfältiger sein und die LGBT-Community auf unaufdringlichere und dennoch allgegenwärtige Weise repräsentieren. Ob es nun Vergleiche mit der queeren Serie »Orange Is The New Black« sind, Kerstin Ott als Hintergrundmusik erkennbar wird oder es sich durch einen genderqueeren Modeblogger äußert – hier ist von allem etwas dabei. Auch ein lesbischer Nebencharakter taucht hier auf.

Den Humor, der sich durch den luftigen Schreibstil zieht, möchte ich auch nicht unerwähnt lassen. Im ersten Drittel des Buches bekam ich mein Schmunzeln kaum aus dem Gesicht und es war nicht selten der Fall, dass ich vor mich hin kicherte. Ab der Hälfte wird der Humor nach und nach etwas von der Spannung überdeckt, die aufgebaut wird; bei derartiger Spannung den Humorpegel zu halten, ist wohl aber auch ein Ding der Unmöglichkeit.

Zwei kleine Sachen habe ich an diesem Buch aber auch zu bemängeln. Zum einen hatte ich beim Lesen immer mal wieder das Gefühl, durch den Denkfluss der Protagonistin ausgebremst zu werden. Gedanken wie »Beib doch mal dran, Mädchen! Lass dich nicht so schnell ablenken! Ja, sowas ist tatsächlich möglich!« kamen mir dann doch hin und wieder in den ungeduldigen Sinn. Zum anderen war mir die Auflösung im Vergleich zur Länge und Intesität des Spannungsaufbaus etwas zu kurz – sowohl auf die Zeitenanzahl als auch auf den Inhalt bezogen. Noch ein bisschen mehr Aufklärung wäre einfach schön gewesen, mein Herz schreit nach einem zweiten Teil; auch wenn dieser zur Zeit leider nicht geplant ist. Manchmal ist es vielleicht auch nicht schlecht, wenn einem am Ende des Buchs noch Raum zum eigenen Nachdenken und Erschließen gelassen wird, so staubt der Kopf nicht ein.

Fazit

Der Schein* ist ein spannender Jugendroman mit Mystery-/SciFi-Elementen, den man kaum aus der Hand legen mag. Inhaltlich ist er auf ein jugendliches Publikum abgestimmt, lässt aber gerade Lesern, die sich ab und an mit LGBT+-Themen auseindersetzen oder sich gar viel in der LGBT+-Community bewegen, einige Leckerbissen zukommen. Denn auch wenn oder gerade weil hier kein zentrales LGBT+-Thema dargestellt wird, finde ich diesen Roman so wichtig für die moderne diverse Literatur – er vertritt eine so große Anzahl an Diversitäten, wie es sonst nur selten der Fall ist. Eine klare Leseempfehlung von mir!

Humor: ●●●●●
Anspruch: ●●○○○
Spannung: ●●●●○
Liebe: ●●○○○
Erotik: ●○○○○
Originalität: ●●●○○

Eure Hannah 🙂

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10 Gedanken zu “[Rezension] Der Schein von Ella Blix

  1. Liebe Hannah,

    Eine tolle, ausführliche Rezension. Ich bin ja erst vor kurzem auf euren Blog gestoßen, deswegen habe ich bisher nichts von hier mitbekommen. Auf jeden Fall habe ich jetzt Lust auf dieses Buch 🙂 muss ich mir nochmal genauer ansehen bzw. Auf die Wunschliste setzen.

    Alles Liebe
    Lisa von Lisa-reads.blogspot.de

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Lisa,

      freut mich sehr, dass ich dir das Buch schmackhaft machen konnte! 😀 Schön, dass dir die Rezension gefallen hat. Deinen Blog kannte ich noch gar nicht, der gefällt mir richtig gut! Dieses Blogspot-WordPress-Problem ist ja leider allgegenwärtig, aber zum Glück gibt es Facebook… 🙂

      Liebe Grüße, Hannah

      Gefällt mir

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