So beschissen schön ist nur das Leben Cover (© Arena Verlag)

[Rezension] So beschissen schön ist nur das Leben von Shaun David Hutchinson

Erkennt ihr das Cover? Genau, in den Neuerscheinungen für den Februar habt ihr es schon mal gesehen. Dieses wunderschöne Cover hat mich so sehr angelacht, dass ich So beschissen schön ist nur das Leben* direkt lesen musste. Shaun David Hutchinson hat schon einige Jugendbücher im englischsprachigen Raum veröffentlicht, aber jetzt wurde endlich nach Die perfektesten 1440 Minuten meines Lebens* sein erster Young Adult Roman mit LGBT+-Thematik übersetzt. Doch auch hier ist es nur ein Nebenthema, das Vielseitigkeit in die Literatur einfließen lässt.

Das Buch hat 360 Seiten, ist im Arena Verlag am 2. Februar erschienen und kostet 16,00 €.

Kurzbeschreibung Inhalt

Drew ist 17 und lebt im Krankenhaus. Er hat sich einen Schlafplatz in einem unbenutzten, halbrenovierten Bereich eingerichtet und erzählt jedem eine andere Geschichte, warum er eigentlich da ist. Dass er dort wohnt, muss er verstecken, denn seit seine Familie nach einem Unfall in diesem Krankenhaus gestorben ist, versteckt sich Drew vor dem »da draußen«. Als eines Tages ein Junge, Rusty, mit großflächigen Verbrennungen eingeliefert wird, wird Drew unaufhaltsam von ihm angezogen. Man erzählt sich im Krankenhaus, er sei von Schulkameraden angezündet worden, weil er schwul ist. Drew beginnt, Rusty zu besuchen und ihm zu zeigen, dass er nicht allein ist. Doch er muss aufpassen, denn keiner darf ja merken, dass er nie nach Hause geht…

Meine Meinung

Ich finde es wirklich schwer, meine Gefühle zu diesem Buch zu ordnen und in Worte zu fassen. Wie auch zum Beispiel Carrie Macs 100 schlimme Dinge, die mir bestimmt passieren, ist die Geschichte über Andrew Brawley ein ruhiges Buch, es gibt keine große Spannungskurve, außer kurz gegen Ende, es plätschert so vor sich hin. Dabei ist es aber keineswegs langweilig. Bei dem Thema Gewaltverbrechen aus Homophobie dachte ich mir schon, dass mich Tiefgang erwartet und dass ich möglicherweise emotional mitgenommen zurückbleiben würde. So in etwa ist das auch gewesen, aber ganz still und heimlich.

Die Geschichte lebt von seinen Nebencharakteren. Andrew ist als Hauptperson nicht unsympathisch, handelt aber doch häufig egoistisch und unlogisch. Das hat auch durchaus seinen Sinn. Der Originaltitel The Five Stages of Andrew Brawley* ist in meinen Augen sehr viel treffender gewählt und gibt zudem noch viel mehr Aufschluss über das, was dieses Buch eigentlich behandelt. Es ist nicht die Homophobie, Gewaltverbrechen oder irgendeine Art von Coming Out. Hier geht es um Traumaverarbeitung. Um Verlust, um Schuld, um Selbstvergebung und um Loslassen. Drew hat Furchtbares erleben müssen und wir erleben mit ihm die 5 Phasen der Trauer, ohne das explizit vor die Nase gesetzt zu bekommen. Wer sich aber schon mal zumindest oberflächlich mit dieser Thematik auseinandergesetzt hat, der wird schnell feststellen, dass das teilweise irreale und unverständliche Verhalten von Drew genau daher rührt, dass er etwas verarbeiten muss, aber davor davonläuft. Um seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen, zeichnet er immer wieder an seiner Graphic Novel über »Patient F«, der durch die Zeit reist und versucht seine Familie zu beschützen, gleichzeitig aber gegen Widersacher kämpfen muss, die sich gegen ihn wenden. Diese Zeichnungen fließen immer wieder nach einzelnen Kapiteln in das Buch mit ein, wenn man genau hinsieht, kann man dadurch auch das Puzzle über Drews Psyche immer ein Stückchen weiter zusammensetzen. Das sieht dann zum Beispiel so aus:

So beschissen schön ist nur das Leben (© Arena Verlag)

So beschissen schön ist nur das Leben (© Arena Verlag)

Die oben erwähnten Nebencharaktere sind der Wahnsinn. Ob die drei Pfleger und Krankenschwestern, die Drew zu seiner Familie auserkoren hat, seine zwei an Krebs leidenden Freunde, die ihn nie ungeschoren davonkommen lassen, wenn er sie ein paar Tage nicht besucht hat, der Kantinenchef der ihn schwarz bezahlt oder sogar ein Pfarrer; sie alle lassen die Geschichte so lebendig werden, dass man jedes Wort genießt. Sie sorgen für ein derartiges Wohlbefinden, dass man fast, aber nur fast, vergisst, dass das Krankenhaus eigentlich vom Tod umgeben ist und dem jederzeit ein Ende setzen kann.

Und das passiert. Logischerweise. Ich hatte die meiste Zeit über das Gefühl, ja, das ist eine schlimme Geschichte, die toll verpackt ist. Aber wann kommt der Knall? Wann reißt sie mich in die Tiefe? Geschehnisse verstricken sich, sorgen für Glücksgefühle und verwirren einen doch immer weiter und dann kommt er, der Knall. Zahlreiche andere Geschichten haben es vorgelebt, man hätte es eigentlich wissen können. Ich habe es zwar erahnt, aber als es dann tatsächlich passierte, brach auch bei mir endlich der Damm und ich weinte und weinte und weinte.

Doch damit ist es nicht zu Ende. Drew ist und bleibt die Hauptperson und ist nicht mal eben so von seinem Erlebnis geheilt, nur weil das Buch zu Ende ist. Rusty und Drew haben zwar völlig verschiedene Dinge erlebt, haben aber beide die größte Angst davor, wieder ins Leben »da draußen« zu treten. Ob das Krankenhausleben realistisch dargestellt wird, kann ich nicht beurteilen. Aber die Gedanken, die Gefühle, die wir mit Drew durchleben, fühlen sich verdammt echt an. Die beiden können sich vielleicht nicht gegenseitig retten, denn sein Glück in die Hände eines anderen zu legen, wäre auch im wahren Leben der völlig falsche Ansatz. Aber sie können sich Verständnis geben. Und Mut, und Vertrauen.

Die Leseempfehlung hat der Verlag auf 12 bis 15 Jahre gesetzt. Ich würde hier eher bei frühestens 15 Jahren ansetzen. Ich glaube, dass das Erleben dieser Trauerphasen so verwirrend sein kann, dass die Geschichte sonst einfach nicht verstanden wird und eher durcheinander bringt, als Erkenntnis erzeugt. Auch wenn das Ende Mut macht, hätte es mein 14-jähriges Ich mit einem großen Fragezeichen und sehr aufgewühlt zurückgelassen.

Fazit

So beschissen schön ist nur das Leben* ist ein ruhiges Buch mit einer sehr nahbaren Darstellung der Trauerphasen und Schuldgefühle, wenn man als Einziger überlebt. Es ist lustig, zugleich aufwühlend und gnadenlos, auch wenn manche Geschehnisse etwas vorhersehbar sind. Trotzdem hat es mich sehr mitgerissen. Die LGBT+-Thematik wird ganz nebenbei eingewoben, ohne aufdringlich zu wirken. Besonders hervorzuheben ist die Einbindung der Graphic Novel, die Drews Gefühlswelt auf auflockernde Weise mehr Tiefe verleiht.

Humor: ●●●○○
Anspruch: ●●○○○
Spannung: ●●●○○
Liebe: ●●●●○
Erotik: ●○○○○
Originalität: ●●●●○

Weitere gern gelesene Eindrücke dazu:

privatkino Literatur&Filmblog

Eure Hannah 🙂

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3 Gedanken zu “[Rezension] So beschissen schön ist nur das Leben von Shaun David Hutchinson

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