Dieses Leben gehört: Alan Cole Cover (© Fischer Sauerländer Verlag)

[Rezension] Dieses Leben gehört: Alan Cole von Eric Bell

Über die Erscheinung von Dieses Leben gehört: Alan Cole* von Eric Bell habe ich mich sehr gefreut. Wie oft wird das Thema (Homo-)Sexualität in Kinderbüchern behandelt? Ich muss zwar zugeben, dass ich über den Kinderbuchmarkt nicht den größten Überblick habe, aber in meinen bisherigen Recherchen ist mir dazu kaum ein Buch untergekommen. Noch wichtiger fand ich, dass Homosexualität hier gar nicht das primäre Thema ist; vielmehr geht es um Gewalt in Familien und den Mut, den man braucht, um aus dem Kreislauf auszubrechen. Mit dieser Tiefgründigkeit hat mich das Buch vollkommen überrascht und mitten ins Herz getroffen. Es erschien im Mai 2018 im Fischer Sauerländer Verlag, hat 304 Seiten und kostet 14,00 €.

Kurzbeschreibung Inhalt

Der künstlerisch begabte Alan Cole ist 12 Jahre alt, geht in die siebte Klasse einer Mittelschule und hat kürzlich festgestellt, dass er wahrscheinlich schwul ist – er hat sich nämlich in seinen Klassenkameraden Connor verknallt. Das hat sein älterer Bruder Nathan nun herausgefunden, was ihn dazu bringt, Alan damit zu erpressen. Nun muss Alan sieben (fast) unmögliche Aufgaben erfüllen, sonst verrät Nathan allen sein Geheimnis. Sie stammen aus einer Familie, die von Gewalt und Unterdrückung geprägt ist, mit einem Vater, der einen seine Enttäuschung nur so spüren lässt. Auch von Nathan muss sich Alan sehr viel gefallen lassen, seelische und körperliche Verletzungen gehören zum Alltag. Freunde hat Alan nicht, aus Angst, Nathan würde ihnen auch weh tun… oder hat er doch welche? Gemeinsam mit ihnen will Alan es Nathan zeigen, dass er es satt hat, immer nur ein Feigling zu sein.

Meine Meinung

Ein Feigling – dafür hält sich Alan seit seiner Geburt. Sein Vater nennt ihn immer nur »Goldfisch«; ein Tier, das man nur aus Gründen der Dekoration hat, das aber sonst nichts kann. Sein Bruder Nathan taucht immer wieder aus dem Nichts auf, zwingt ihn zu allen möglichen Dingen, droht mit Gewalt und wendet diese auch an. Es bereitet ihm großes Vergnügen, Alan zu demütigen. Mich hat dieses Verhältnis der Geschwister und das Verhalten von Nathan sehr schockiert, weil ich einfach nicht mit dieser Thematik gerechnet hatte. Bis zu den ersten Szenen mit dem Vater, der seine Kinder als größtmögliche Enttäuschung betrachtet und dessen Frau einfach nichts zu melden hat, sondern nur ängstlich zurückzuckt, fragte ich mich doch tatsächlich, ob ich in meiner Kindheit da etwas falsch verstanden habe und Jungs so miteinander umgehen (ich habe nur eine Schwester). Diese Alltäglichkeit der Gewalt in Familien hat Eric Bell so selbstverständlich einfließen lassen, dass es mir die Haare zu Berge stehen ließ. Ich hätte Alan die meiste Zeit über am liebsten in den Arm genommen und ihm gesagt, dass es nicht so sein muss, dass das NICHT normal und okay ist, dass er so nicht leben muss. Dass er mehr wert ist.

In diesem Buch geht es um Akzeptanz, um Selbstakzeptanz und Vielseitigkeit. Na klar, denkt ihr euch jetzt bestimmt, es geht ja auch um Homosexualität. Diese Schlagworte treten aber in einem ganz anderen Zusammenhang auf, dass Alan akzeptiert, dass er schwul ist, ist nur der kleinste Teil davon. Madison, ein Junge mit einem Mädchennamen, ist übergewichtig und ein Superhirn – er verhält sich eigentlich wie ein intellektueller Erwachsener. Zack lässt sich leicht ablenken, seine Haare stehen in alle Richtung ab und er wird nicht nur als leicht beschränkt, sondern auch als sehr merkwürdig wahrgenommen. Madison und Zack sind wie Alan Außenseiter, Gemeinsamkeiten haben sie auf den ersten Blick nicht. Die Hauptaussage dieser Geschichte ist eigentlich: Wir sind alle verschieden, aber wir sind auch alle gleich. Und so werden Madison, Zack und Alan nach und nach Freunde.

Ich mochte die Geschichte sehr gerne. Sie ist bittersüß – grausam und schön zugleich. Ein bisschen musste ich bei Alan an den Alan von Two and a Half Men denken, der von seinem Bruder Charlie als Kind (sowie als Erwachsener) malträtiert wurde. Wer weiß, was aus diesem Alan geworden wäre, wenn er den Mut gefasst hätte, sich gegen seinen Bruder aufzulehnen?

Das Buch wird vom Verlag für Kinder zwischen 8 und 12 Jahren empfohlen. Ich hatte ja schon erwähnt, dass ich es großartig finde, dass die LGBT+-Thematik nun auch mehr im Kinderbuchbereich auftaucht. Ich erinnere mich noch daran, wie ich in der ersten Klasse vehement verkündet habe, dass es doch total doof ist, einen Jungen heiraten zu müssen und ob ich nicht auch meine Freundin heiraten könne. Damals begriff ich natürlich nicht nicht, dass das als »gesellschaftlich verwerflich« angesehen wurde. Hätte ich solche Bücher schon damals gelesen, hätte ich es vielleicht früher kapiert (und auch meine Eltern!). Ein weiteres LGBT+-Kinderbuch für diese Altersgruppe ist George, in dem es um das Transmädchen George geht.

Ein wenig gestört hat mich die Schwarzweiß-Darstellung des Vaters. Es wird zwar irgendwann erklärt, aufgrund welchen Traumas er sich so verhält, ich fand allerdings die Darstellung etwas sehr vereinfacht… Nun gut, für Kinder muss man das wohl etwas weniger ausführlich erklären. Den englischen Titel Alan Cole Is Not a Coward* (Alan Cole ist KEIN Feigling) finde ich zwar wie immer passender gewählt, aber das ist ebenso Klagen auf hohem Niveau. Was mich sehr gefreut hat, ist, dass im Oktober die Fortsetzung Alan Cole Doesn’t Dance* auf Englisch erscheint. 🙂 Denn das Ende von dieser Geschichte ist nur ein Anfang, es geht weiter!

Fazit

Dieses Leben gehört: Alan Cole* hat mich wahnsinnig überrascht. Es ist ein ganz wichtiges Buch über Mut und darüber, dass du dir nicht alles gefallen lassen musst. Dass nicht alles deine Schuld ist. Dass du toll bist. Das Thema Homosexualität wird alltäglich dargestellt und eher weniger als Problem gesehen, als Gewalt in Familien. Es zeigt uns, dass wir viel erreichen können und Menschen zum Umdenken bewegen können, von denen wir das niemals erwartet hätten. Wenn wir nur zu uns selbst stehen und den Mut aufbringen uns als das zu sehen, was wir alle sind – großartig. Für das Buch gibt es von mir eine uneingeschränkte Leseempfehlung von mir!

Humor: ●●●○○
Anspruch: ●●○○○
Spannung: ●●●○○
Liebe: ●●●○○
Erotik: ●○○○○
Originalität: ●●●●○

Weitere gern gelesene Eindrücke dazu:

Fantasie & Träumerei • Kasimira • Rainbookworld

Eure Hannah 🙂

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2 Gedanken zu “[Rezension] Dieses Leben gehört: Alan Cole von Eric Bell

  1. […] Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber bei diesem Titel schmilzt mir das Herz. Er erinnert mich direkt an den Spruch »Bitte nicht schubsen, ich habe einen Joghurt im Rucksack«; da will ich Alan einfach nur knuddeln! Dieses Leben gehört: Alan Cole (Bitte nicht knicken)* von Eric Bell handelt, wie der Name schon sagt, von Alan Cole. Alan ist 12 Jahre alt und in seinen Schulkameraden Connor verliebt. Als das sein älterer Bruder Nathan erfährt, erpresst er Alan damit – wenn er nicht jede seiner gemeinen Aufgaben erfüllt, erzählt Nathan der ganzen Schule von Alans Schwärmerei. Aber wenn Alan eins ist, dann mutig. Gemeinsam mit seinen zwei besten Freunden stellt sich Alan dieser Herausforderung. Hach, ich glaube, dieses Buch ist wirklich süß. Es erscheint am 25. April im Fischer Sauerländer Verlag, hat 304 Seiten und kostet 14,00 €. (Inzwischen gelesen und rezensiert!) […]

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