Call Me by Your Name Cover (© dtv Verlagsgesellschaft)

[Rezension] Call Me by Your Name (Ruf mich bei deinem Namen) von André Aciman

Call Me by Your Name* oder auch Ruf mich bei deinem Namen von André Aciman hatte ich mir als Urlaubslektüre zugelegt und an den wunderbaren Stränden von Sardinien verschlungen. Ich hätte mir kein passenderes Buch dafür aussuchen können, denn die Haupthandlung der Geschichte findet im Sommer irgendwo in Italien mitunter an Stränden statt; nicht zu vergessen die unerträgliche Anziehung zwischen beiden Protagonisten, die sich immer weiterspinnt… Im März ist die Verfilmung dazu in den deutschen Kinos angelaufen (den Trailer könnt ihr euch unten am Ende des Beitrags anschauen), die ich leider noch nicht gesehen habe. Was ich bisher dazu gehört habe, klingt allerdings wahnsinnig mitreißend und das gleiche Gefühl löst auch der Trailer in mir aus… Habt ihr den Film schon gesehen, wie hat er euch gefallen? Auf dem Bild seht ihr die Filmausgabe des Buchs, das erstmals 2007 veröffentlicht wurde, nun aber im Februar 2018 zum Filmstart von der dtv Verlagsgesellschaft neu aufgelegt worden ist. Es hat 288 Seiten und kostet 10,90 €.

Kurzbeschreibung Inhalt

Der 17-jährige Elio verbringt mit seinen Eltern jeden Sommer in ihrem Haus an der italienischen Riviera. Wie jeden Sommer wohnt über sechs Wochen ein junger Gelehrter bei ihnen, um Elios Vater bei der Korrespondenz zu unterstützen und sich seinen eigenen Projekten zu widmen. Dieses Jahr ist es der 24-jährige Dozent und Harvard-Absolvent Oliver, der nicht nur Elio den Kopf verdreht. Oliver ist intelligent und einschüchternd schön… und verhält sich Elio gegenüber sehr widersprüchlich. Fühlt Oliver auch so wie Elio? Die unausgesprochene Anziehung, ja fast Vergötterung, wächst, bis sie irgendwann nicht mehr anders können, als ihr nachzugeben.

Meine Meinung

Dieses Buch hat mich umgehauen. Sprachlich, literarisch, emotional an Intensität kaum zu übertreffen. Als weibliches Gegenstück dazu könnte man wohl Die Schönheit der Nacht von Nina George sehen, das ich kürzlich gelesen und zu einem meiner Jahreshighlights erklärt habe, wobei mich Call Me by Your Name* fast noch mehr in den Tiefenrausch gezogen hat. Es ist wuchtiger, erotischer, wenn auch wenig explizit beschrieben, sondern poetisch in erinnerten Gefühlen dargestellt wird. Das ist, ohne das Buch selbst gelesen zu haben, vermutlich schwer nachvollziehbar. Vielleicht wird es so klarer:

Die Worte sind sorgfältig ausgewählt und wirken, obwohl Elio aus einer Akademiker-Familie stammt, zu intellektuell für einen 17-Jährigen; so mein erster Eindruck. Erst mit der Zeit, fast gegen Ende, wird klar, dass diese Worte nicht von einem 17-Jährigen stammen, sondern von einem Erwachsenen Mann, der über diese Jugendliebe sinniert und sich zurückerinnert. Der Großteil der Handlung ist in den 80er Jahren angesiedelt und sie endet 20 Jahre später, wenn beide Protagonisten längst ihrer Wege gegangen sind. Dadurch sind wir nie wirklich inmitten der Geschehnisse, da wir genau spüren, dass es sich um eine Erinnerung handelt. Und trotzdem erleben wir Elios Gefühle so intensiv, als würden sie niemals nachlassen.

Woher diese Intensität der Anziehung kommt, habe ich mich auch gefragt. Wäre nicht in einem Nebensatz gefallen, dass es sich nicht um die heutige Zeit, sondern eine Zeit vor gut 30 Jahren handelt, wäre mir vermutlich nicht klar gewesen, worin die heftige Abneigung sich selbst gegenüber als Antwort auf gelebtes Verlangen liegt. Doch Elio und Oliver lieben sowohl Frauen als auch Männer, und Worte wie Homo- oder Bisexualität sucht man in der Geschichte vergebens. Sie sind nicht bekannt, wenn nicht sogar verpönt, doch das interessiert auch gar nicht, denn hier geht es nur um die wachsende Anziehung zwischen den beiden. Trotzdem haben beide mit dieser Art des Verlangens zu kämpfen. Elio und Oliver werden Eins, sie rufen sich gegenseitig bei ihrem eigenen Namen, alles verschwimmt und sämtliche Barrieren werden aufgehoben, die einen, egal wie nah man sich steht, normalerweise vom Anderen trennt.

Im nächsten Abschnitt folgen SPOILER zum Ausgang der Geschichte.

Wie sehr ich mir in Büchern oft wünsche, die Protagonisten mögen auf ewig glücklich und zufrieden zusammenbleiben, so sehr gewinnt die Geschichte an Wucht und Nachhall, wenn das nicht der Fall ist. Eine Beziehung, die auf unbändigem Verlangen aufbaut und plötzlich und heftig ausgelebt wird, mit dem Wissen, dass nur noch Tage bleiben, bis die unausweichliche Trennung eintritt, ist nicht für die Ewigkeit geschaffen, denn das würde ihr die Intensität nehmen. Doch ihre Intensität mit dem Verlauf zu mildern, um sie weiterzuspinnen, hätte ich ertragen. Auf den letzten Seiten erlebt man 20 Jahre im Schnelldurchlauf, wie die Leben der beiden getrennt voneinander weitergehen und sie doch nie ganz voneinander loskommen. Die zeigen, wie besonders ihre Begegnung in jenem Sommer war. Und das hat mir das Herz zerrissen. Es hätte ein gemeinsames Leben geben können, irgendwie, doch es wurden andere Leben daraus, Parallel-Leben, die weniger wuchtig und trotzdem lebenswert sind. Doch seitdem ich den letzten Satz gelesen habe, komme ich nicht umhin mir vorzustellen, was gewesen wäre, wenn. Wenn die Welt in den 80ern schon offener und toleranter gewesen wäre. Wenn sie sich gegen die Sicherheit und für das Wagnis entschieden hätten. Für das große Ganze. Mein Herz bleibt blutend zurück.

Fazit

Call Me by Your Name* (Ruf mich bei deinem Namen) ist ein in jeder Hinsicht herausragender Roman, sowohl sprachlich als auch emotional. Er hat mich umgehauen und in seine Tiefen gezogen. Eine solche Intensität habe ich beim Lesen selten empfunden. Es versprüht eine derartig heftige Nähe und Intimität, dass es gar nicht anders kommen kann, als irgendwann zu enden. Es ist eine Geschichte, die noch lange im Kopf und in jeder Faser des Körpers bleibt.

Humor: ●○○○○
Anspruch: ●●●●○
Spannung: ●●●○○
Liebe: ●●●●○
Erotik: ●●●●○
Originalität: ●●●●○

Weitere gern gelesene Eindrücke dazu:

Buchszene • Frau Hemingway • Letterheart

Trailer

Eure Hannah 🙂

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16 Gedanken zu “[Rezension] Call Me by Your Name (Ruf mich bei deinem Namen) von André Aciman

  1. […] Am 1. März kommt die Call Me by Your Name in Deutschland in die Kinos. Den Trailer könnt ihr euch weiter unten ansehen. Das Buch gibt’s zwar schon länger, ich glaube seit 2007, ist aber jetzt in dieser wunderschönen Filmcoverversion neu aufgelegt worden. (Hinweis: Meistens mag ich keine Filmausgaben. In diesem Fall passt sie aber wie ich finde sehr gut, auch mit dem Hintergrund, dass ich die alte Ausgabe* leider nicht besonders hübsch finde.) Es geht um eine ganz besondere und eigentlich unmögliche Liebe zwischen dem jüngeren Elio und dem älteren, weltgewandten Oliver. Der Harvard-Absolvent Oliver besucht für einige Wochen Elios Familie an der italienischen Riviera. Kriegen sie sich, und wenn ja, wann?, ist hier wohl die zentrale Frage. Die Stimmung macht auf mich einen sehr prickelnden und intensiven Eindruck. Der Film ist schon jetzt für unzählige Preise nominiert – nicht zuletzt gibt es gleich 4 Oscar-Nominierungen. Wir dürfen gespannt sein! Die Filmausgabe* hat 288 Seiten, erscheint zum 8. Februar im dtv Verlag und kostet 10,99 €. (Inzwischen gelesen und rezensiert!) […]

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  2. […] Call Me by Your Name von André Aciman ist zwar schon vor 10 Jahren erschienen, durch die Verfilmung Anfang 2018 aber in einer hübscheren Taschenbuchausgabe aufgelegt worden. Ich habe das Buch in Italien am Strand gelesen und ich hätte mir keine bessere Urlaubslektüre aussuchen können. Die Geschichte ist an der italienischen Riviera angesiedelt und handelt von Elio, der sich in den jungen Gelehrten Oliver verliebt und damit eine Liebe lostritt, die kaum vereinnahmender sein könnte und kein zweites Mal existiert. Es ist ein Buch, das den Hype definitiv verdient hat und durch seine poetische Sprache und vielen Anspielungen auf Geschichte und Literatur etwas anspruchsvoller ist. […]

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  3. eine ganz wunderbare Rezension und auf dem Punkt gebracht, was ich auch alles mir nach dem gelesen gedacht habe (nur das du es schöner formuliert hast:D)
    Das Ende hat mich auch absolut umgehauen und hat kleine Tränen in meine Augen gejagt. Ich habe es letztes Jahr gelesen und immer noch habe ich es intensiv in Erinnerung.

    Alles Liebe

    Nadine

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Nadine, bitte entschuldige, dass ich jetzt erst antworte – ich war im Urlaub und habe es dann vergessen. Mir geht es ganz genau so, das Buch bleibt einem intensiv in Erinnerung! Schön, dass es dir auch so ging 🙂
      Liebe Grüße, Hannah

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