Kyra Sammelband (Das Volk der Jägerinnen / Der Aufbrauch) Cover (© Taya Gondar)

[Rezension] Kyra Sammelband (Das Volk der Jägerinnen / Der Aufbruch) von Taya Gondar

Lange habe ich kein Buch mehr mit lesbischen Charakteren vorgestellt, doch das hole ich nun mit einer kleinen Hommage an die Frauen nach: Es geht um den Kyra Sammelband* von Taya Gondar, der die beiden Bände Kyra und das Volk der Jägerinnen* und Der Aufbruch* in einer Dilogie vereint. Der zweite Teil, sowie der Sammelband, ist erst vor ein paar Wochen erschienen. Die Autorin, die mit wirklichem Namen Sanne Hipp heißt, fragte mich, ob ich Interesse an diesem Buch hätte und, was soll ich sagen… Eine frühzeitliche lesbische Romantasy zu lesen reizte mich dann schon sehr. Gibt es in dieser Richtung überhaupt noch andere queere Bücher? Ich freue mich immer über Tipps. 😀 Die beiden Teile gibt es auch einzeln zu kaufen (sowohl als Taschenbuch als auch als eBook), da sie jeweils aber recht dünn sind, finde ich den Sammelband eine wunderbare Idee. Dieser Sammelband ist am 15. Juni 2018 erschienen, hat 496 Seiten ist von der Autorin im Selbstverlag über Books on Demand veröffentlicht worden.

Kurzbeschreibung Inhalt

Die junge Priesterin Kyra und ihr Volk der Jägerinnen haben sich geschworen, ein Leben ohne Männer zu führen und der Sonnengöttin zu dienen, die sie vor Generationen in ein fruchtbares und sicheres Land zum Leben geführt hat. Weit entfernt existiert ein weiteres Volk, das nur aus Frauen besteht und es spürt die Bedrohung, die Kyra und ihr Volk umgibt. Sie machen sich auf die lange Reise, um sie zu warnen und in ihr eigenes sicheres Land zu führen. Doch sie davon zu überzeugen, dass sie in ihrem fruchtbaren Land nicht mehr sicher sind und ihnen zu folgen, ist gar nicht so leicht, wenn man nicht dieselbe Sprache spricht… Zum Glück gibt es noch eine andere Sprache, die alles überwiegt: Die Sprache der Liebe. Und die Sonnengöttin, die alles vereint.

Meine Meinung

Bevor ich meine Meinung zu diesem Buch in Worte fasse, muss ich die Kurzbeschreibung noch etwas ausbauen. Die Handlung ist dabei in der Jungsteinzeit, dem sogenannten »Neolithikum« angesiedelt, der Übergangszeit der Jäger und Sammler zum sesshaften Menschen. In diesem Buch sind zwei Bände vereint, die auch gut als »Teil 1« und »Teil 2« eines einzigen Buchs durchgehen würden, wobei jeder Teil seine eigene Spannungskurve besitzt. Im ersten Teil werden wir in das Leben der Jägerinnen und die lange Reise des anderen Volkes eingeführt, das »Naiset« genannt wird, und erleben das Aufeinandertreffen und Kennenlernen der beiden Völker. Kyra verfällt dabei der schönen Feija, eine Frau der Naiset, doch hat sie auch noch ihre Leibdienerin und Freundin Yuna aus Kindheitstagen an ihrer Seite, die einen festen Platz in ihrem Herzen hat. Nachdem die Bedrohung, die die Jägerinnen erwartet, immer präsenter wird, muss Kyra eine Entscheidung treffen: Folgt sie der schönen Fremden in ihr Land, wird ihr Volk das überstehen? Das Gefühlsdreieck aus Feija, Kyra und Yuna macht die Sache nicht leichter…

Ein Buch, in dem fast nur Frauen als Charaktere vorkommen, in dem die Anzahl an lesbischen Beziehungen und Liebschaften vergleichsweise hoch ist, ist etwas, das ich bisher noch nicht kannte und ziemlich erfrischend fand. Die Frau als solches wird hier gehuldigt und sowohl geistig als auch kämpferisch den Männern als häufig überlegen dargestellt. Das hat mir sehr gut gefallen, denn da Männer vermutlich in der früheren Zeit vermehrt ihrem (tierischen und kämpferischen) Instinkt gefolgt sind und sich dabei weniger überlegt und vorausschauend verhalten haben, war es schön mitzuerleben, wie sich ein reines Frauenvolk in dieser Zeit entwickeln und durchsetzen kann, trotz ihrer durchschnittlichen körperlichen Unterlegenheit. Auf der anderen Seite fand ich die männliche Darstellung teilweise etwas hart, da die meisten als hochgradig machtgierig, rücksichtslos und herablassend im Umgang mit Frauen beschrieben wurden, weshalb sich die Jägerinnen auch dem Dienste der Sonnengöttin verschrieben haben, die die Existenz der Männer eher als Fehler betrachtet.

Der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen und auch die Ausarbeitung der (Haupt-)Charaktere finde ich sehr gelungen. Die Sprache passt zu einer früheren Zeit, sie ist anmutig und über manche Formulierung musste ich schmunzeln, da Menschen vor so langer Zeit wohl noch nicht so viele Wörter kannten wie heute, um sich auszudrücken. Kyra, aus deren Sicht wir das Geschehen miterleben, ist eine sehr starke Persönlichkeit, eine junge Anführerin, die selbst im Kampf an vorderster Front steht. Manchmal ist sie etwas blind für Dinge, die direkt vor ihren Augen geschehen und ihre Leidenschaft wird erst von der fremden Feija geweckt, die dann kaum noch zu zügeln ist. Feija ist groß, schön und so zärtlich und herzlich, sodass man nicht anders kann, als sie in sein Herz zu schließen. Sie ist die gute Seele, die für ihre Überzeugungen einsteht und dabei stets das Wohl der anderen im Kopf hat. Auch Yunas Charakter ist so vereinnahmend, dass man, obwohl der Großteil des Buchs aus Kyras Sicht geschildert wird, nicht anders kann, als mit ihr zu fühlen. Mein Lieblingscharakter war allerdings die Medizinfrau Awen, die sich nicht darum schert, was andere über sie denken und dadurch der in meinen Augen bunteste Charakter ist, der mich beim Lesen immer wieder zum Schmunzeln und laut Loslachen gebracht hat. Awen ist der Knaller!

Was mir beim Lesen allerdings oft gefehlt hat und worin auch mein Hauptkritikpunkt liegt, ist die Spannung und die Heftigkeit der Handlung. Immer wieder werden Bedrohungen angekündigt, leise Vorahnungen, schreckliche Bilder, die wohl die Zukunft voraussagen. Wenn es dann soweit ist, ziehen sie aber so schnell vorüber, dass man nur eine Ahnung von Spannung erfährt. Fängt dieses mitreißende Gefühl an, ist die Situation auch schon wieder überstanden und vergleichsweise glimpflich verlaufen. Über den gesamten Handlungsverlauf sind (fast) keine Verluste zu verzeichnen, und so sehr wir darunter leiden, wenn uns geliebte Charaktere unter dramatischen Umständen verlassen, so sehr bleibt das Buch doch in Erinnerung. Nach dem Tod eines geliebten Charakters verfalle ich oft selbst in tiefe Trauer, doch genau so eine Heftigkeit an Gefühlen wie Angst, Wut und Stärke ist das, was für mich eine spannende Geschichte ausmacht. Wer allerdings in eine wunderbar beschriebene, schöne Welt eintauchen möchte, dem sei dieses Buch hier ans Herz gelegt.

Taya Gondar schafft es, vor den Augen des Lesers eine schillernde Welt zu erschaffen, in der man sich selbst heimisch fühlen kann. Diese Welt wirkt so traumartig schön, dass man sich nur wünschen kann, als Frau dieses Land und diese Gemeinschaft zu erleben. Obwohl die Handlung in eine so frühe Zeit gelegt wurde, spricht die Autorin gesellschaftlich später wichtige Themen wie Rücksicht und Wert des Alters, Umgang mit körperlichen Beeinträchtigungen, ja sogar Polyamorie an und verleiht den beiden Frauenvölkern eine Haltung und Akzeptanz, die ihrer Zeit weit voraus ist.

Fazit

Die Geschichte um Kyra* und die Frauenvölker hat mich in ihre schöne Welt gezogen, in der man sich als frauenliebende Frau nur zu gut aufgehoben fühlt. Durch die Einbindung einiger Fantasy-Elemente hat die Autorin eine Welt geschaffen, in die man beim Lesen gerne versinkt. Auch die Liebesgeschichte und das Gefühlschaos um Kyra, Feija und Yuna hat mich überzeugt. Durch die für mich etwas schwache Spannungskurve ist es keine Geschichte, über die ich noch lange philosophieren werde. Ich habe mich beim Lesen aber gut unterhalten gefühlt und kann sie jedem/r empfehlen, der/die sowieso lieber ruhigere Bücher liest, auf große Verluste verzichten kann und einfach für einige Zeit in eine wunderbare Welt abtauchen möchte.

Humor: ●●●○○
Anspruch: ●●●○○
Spannung: ●●○○○
Liebe: ●●●●○
Erotik: ●●●○○
Originalität: ●●●○○

Weitere gern gelesene Eindrücke dazu:

Susis Leseecke • Kennt ihr noch weitere Rezensionen dazu? Gerne in den Kommentaren verlinken!

Eure Hannah 🙂

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3 Gedanken zu “[Rezension] Kyra Sammelband (Das Volk der Jägerinnen / Der Aufbruch) von Taya Gondar

  1. Hallo Hannah,
    ich muss gestehen, dass sich bei mir über die ersten zehn mal zehn Seiten viel verändert hat. Zunächst einmal habe ich beim Kauf nicht ordentlich aufgepasst und irgendwie verpasst, dass es sich um ein prähistorisches Setting handelt. Sofort sind dann leider meine Vorurteile angesprungen, dass es hierbei sicher überhaupt keine Fantasyelemente gibt, sondern alles mit heutigem Wissen erklärt werden kann. So fühlte ich mich zunächst (und das ohne Grund) um meinen Fantasyanteil betrogen. Zum Glück hat nichts davon gestimmt. Bereits wenig später habe ich gemerkt, dass ich am liebsten mehrere Bände davon gelesen hätte wie die Völker sich einfach nur austauschen, voneinander lernen und natürlich sich näher kommen. Zugegeben, das hätte zu noch weniger Spannung geführt, aber wie du schon schreibst, die erstaunlich heile Welt war etwas auf das man sich in dieser Geschichte verlassen konnte und das ich zur Abwechslung auch mal sehr entspannend fand.
    Und auch wenn mir nach so vielen anderen Schlachten, die ich gelesen habe, die Kämpfe hier etwas kurz vor kamen, hatte ich das Gefühl, dass genau das der Plan bei diesem Buch war. Da Männer den Krieg bringen, dies aber ein Buch über Frauen ist, wird dem Kampf eben auch in der Erzählung wenig Platz eingeräumt. Die Begründung kann zwar nicht auf alle Szenen übertragen werden, aber ich fand sie hübsch und kann damit leben 🙂
    Mir hat es jedenfalls Spaß gemacht den Hauptcharakteren zuzusehen wie sie ihr Glück finden.
    Liebe Grüße
    Becca

    Gefällt 2 Personen

    • Liebe Becca,

      ach wie schön, dass du zu diesem Buch gegriffen hast und es dir trotz Startschwierigkeiten ein paar schöne Stunden bescheren konnte! Ich freu mich immer sehr über deine Kommentare, das ist fast so, als würde ich nochmal einen kleinen Ausflug zurück in die Buchwelt machen. 🙂 Deine Erklärung mit den Kampfszenen finde ich plausibel, vielleicht hat sich die Autorin das wirklich so gedacht.

      Liebe Grüße,
      Hannah 🙂

      Gefällt 1 Person

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