Nur in der Dunkelheit leuchten die Sterne Cover (© Fischer Verlag)

[Rezension] Nur in der Dunkelheit leuchten die Sterne von Marieke Nijkamp

Auf Nur in der Dunkelheit leuchten die Sterne* bin ich nur gestoßen, weil ich von Marieke Nijkamp schon 54 Minuten gelesen und geliebt habe. Ein Glück! Die Autorin wirbt nicht mit ihren queeren Figuren, doch Diversität spielt in ihren Jugendromanen eine große Rolle. Die Sexualität an sich wird dabei nur nebenbei thematisiert, doch wahrnehmbar bleibt sie in jedem Fall. In diesem Roman, den ich fast in die Kategorie Mysterythriller einordnen würde, ist die Protagonistin asexuell und ihre beste Freundin hat für sich den Begriff »pansexuell« als passend befunden. Das Buch ist im Oktober 2018 im Fischer Verlag erschienen, hat 348 Seiten und kostet 14,99 €.
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Kurzbeschreibung Inhalt

Corey und ihre beste Freundin Kyra sind zusammen in Lost Creek aufgewachsen, ein kleiner Ort im tiefsten Alaska, wo die Sonne im Winter kaum 4 Stunden scheint. Vor 7 Monaten verließ Coreys Familie Lost Creek, und jetzt ist Kyra tot. Zur Beerdigung reist Corey zurück in ihre alte Heimat, um festzustellen, dass sich alle Bewohner äußerst merkwürdig verhalten und sie wie eine Außenseiterin behandeln, obwohl sie fast ihr ganzes Leben dort verbracht hat. Kyra hatte eine bipolare Störung und wurde deshalb von der Gemeinde, die gegen alles Abweichende ist, verachtet. Doch jetzt sprechen alle in den höchsten Tönen von ihr und sagen, es sei vorherbestimmt gewesen. Corey würde es eines Tages verstehen. Was ist mit ihrer besten Freundin passiert und warum fühlt es sich so an, als sei sie noch hier? Corey will den mysteriösen Umständen von Kyras Tod auf den Grund gehen…

Meine Meinung

Dieses Buch hat mich seit Langem mal wieder völlig in die Irre geführt und mit seiner starken ersten Hälfte super unterhalten. Viele Jugendbücher verlaufen nach Schema F und können mich kaum noch überraschen, während Nur in der Dunkelheit leuchten die Sterne* mich ständig hat hinterfragen lassen, was ich eigentlich vor mir habe. Ein Drama über Verlust und Tod? Einen Krimi über einen Mord? Einen Horrorthriller über eine verrückt gewordene Meute? Wahrscheinlich ist die einzige Antwort: Ein bisschen was von allem. Und das macht das Buch in meinen Augen so lesenswert.

Das Drama beschäftigt sich mit Coreys Verzweiflung, ihre beste Freundin verloren zu haben und damit, nicht genug für sie da gewesen zu sein. Kyra hatte schwer mit ihrer bipolaren Störung zu kämpfen, die Behandlung schlug nicht an. Niemand im Dorf wollte damit etwas zu tun haben, und als Corey ging, blieb Kyra allein zurück. Sie wollte mehr von Corey, doch Corey würde wohl nie von jemandem etwas wollen. Trotzdem liebte sie Kyra. Hat Kyra sich wirklich selbst getötet? Anscheinend ertrank sie mitten im Winter im See, der allerdings von einer dicken Eisschicht überzogen war. Wollte sie jemand vielleicht endgültig loswerden? Immer wieder hat Corey das Gefühl, als wäre Kyra in der Nähe und hinterließe ihr Botschaften. Ist sie wirklich tot? Warum machen alle im Dorf so ein Geheimnis darum, huldigen sie wie ein Orakel und sind zufrieden mit ihrem Tod?

Die Geschichte wirft so viele Fragen auf, dass ich noch nicht mal an Ende sagen kann, was wirklich passiert ist. Die Wahrheit ist eben immer nur eine Sichtweise und kann nie in ihrer Ganzheit begriffen werden. Oft hat mich die Geschichte an »Der Besuch der alten Dame« von Dürrenmatt erinnert, in der die Bürger einen Wandel vollziehen, der spürbar zunimmt, doch von niemandem zugegeben wird. Trotzdem verbreitet sich eine bedrohliche Stimmung, die mit dem Tod Ills endet und eine gewisse Zufriedenheit bei den Bürgern hinterlässt.

Das Ende war für mich eine kleine Enttäuschung, denn es fühlte sich an, als sei es einfach verpufft. Als hätte die Geschichte keine Spuren hinterlassen und niemand würde zur Rechenschaft gezogen werden. Doch auch das ist nur eine Wahrnehmung. Denn bei mir hat die Geschichte definitiv Spuren hinterlassen.

Marieke Nijkamp baut in ihre Geschichten viele queere Charaktere ein – so ist nicht nur Corey asexuell und Kyra pansexuell, sondern bildet sich auch ein schwules Nebencharakter-Pärchen, das einen Lichtblick in die Entwicklung Lost Creeks zu einer offeneren Gemeinde wirft.

Fazit

Nur in der Dunkelheit leuchten die Sterne* ist ein Buch, das verwirrt, unterhält, einen alles in Frage stellen lässt und nicht mehr loslässt. Es lässt einen das Gute im Menschen hinterfragen und hebt die Gefahr kollektiven Handelns hervor, welches manchmal grauenhafte Dinge hervorbringt. Auch wenn für mich durch das unbefriedigende Ende die Aussage der Geschichte etwas an Vehemenz verloren hat, hallt sie bei mir trotzdem lange nach. Es wird definitiv nicht mein letztes Buch von Marieke Nijkamp gewesen sein, die in ihre Geschichten stets queere Figuren einbaut, ohne sich auf deren Sexualität zu fokussieren. Eine klare Empfehlung, wenn ihr Diversität fernab der klassischen Coming-Out-Romane und queeren Sidekicks sucht!

Humor: ●○○○○
Anspruch: ●●○○○
Spannung: ●●●●○
Liebe: ●●●○○
Erotik: ●○○○○
Originalität: ●●●●○

Weitere gern gelesene Eindrücke dazu:

CorniHolmes • Kasimira • privatkino Literatur&Filmblog

Eure Hannah 🙂

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5 Gedanken zu “[Rezension] Nur in der Dunkelheit leuchten die Sterne von Marieke Nijkamp

  1. […] Den englischsprachigen Rezensionen nach zu urteilen, bindet Marieke Nijkamp in Nur in der Dunkelheit leuchten die Sterne* mehrere queere Charaktere ein. Schon in ihrem Jugendthriller 54 Minuten führten zwei der Hauptcharaktere eine gleichgeschlechtliche Beziehung. In ihrem neuen Buch geht es um Corey, die sich als asexuell definiert und ihre beste Freundin Kyra, die pansexuell ist (das habe ich in einem Buch so noch nie gelesen!). Dass Corey wegzieht, ist für beide nicht leicht. Als sie in den Weihnachtsferien zurückkehrt, ist Kyra tot und hinter Coreys Rücken wird über sie getuschelt. Sie weiß, dass irgendetwas nicht stimmt und versucht der Sache auf den Grund zu gehen… Ich liebe es, dass die Autorin einfach Jugendbücher schreibt, in der manche Charaktere eben queer sind. Das Buch erscheint am 24. Oktober im Fischer Verlag, hat 352 Seiten und kostet 14,99 €. (Inzwischen gelesen und rezensiert!) […]

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