Winterhof Cover (© Zeilengold Verlag)

[Rezension] Winterhof von Sameena Jehanzeb

Auf Winterhof* von Sameena Jehanzeb habe ich mich schon lange gefreut, denn ich fand ihren Erstling Brïn, eine Art LGBT-Fantasy-SciFi-Thriller, schon sehr besonders. Das neue Buch aus ihrer Feder ist jedoch etwas ganz anderes: eine (queere) Märchenadaption der »Schneekönigin«. Ein kleines bisschen neugierig war ich auch durch die Tatsache, dass Elsa aus dem Disneyfilm »Frozen« oder auf Deutsch: »Die Eiskönigin« in der LGBT+-Community durch #GiveElsaAGirlfriend hohen Anklang fand – nicht zuletzt lässt sich der Titelsong Let It Go auch als Coming Out verstehen. Winterhof* jedoch hat bis auf die queere Komponente kaum etwas mit »Frozen« gemein und ist vor allem um einiges düsterer. Das Buch ist im Oktober 2018 im Zeilengold Verlag erschienen, hat 160 Seiten und kostet 10,90 €.

Kurzbeschreibung Inhalt

Kora träumt von klein auf vom Schnee, von einem Winterhain, den sie über alles liebt und dem sie frei von lebt von allen Sorgen um ihr zu kleines, krankes Herz, das sie nicht so lange am Leben erhalten wird wie die der anderen Menschen. Inzwischen lebt sie glücklich mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern zusammen, sodass ihr schwaches Herz häufig in Vergessenheit gerät. Dieses Jahr ist der Winter spät dran und merkwürdige Naturkatastrophen häufen sich. Irgendetwas zieht Kora nach Snjórley, zum kleinen Ort ihrer Kindheit, in dem immer Winter zu sein scheint. Kora und ihre Familie kommen gerade rechtzeitig zum Schneefestival an, bei dem eine verkleidete Schneekönigin auf einem Schlitten durch das Dorf fahren würde. Doch bald beginnen die seltsamen Träume, die viel realer und grausamer erscheinen als üblich… Ist Kora nur zufällig zurück in Snjórley oder war es vorherbestimmt?

Meine Meinung

Winterhof* habe ich absolut genossen. Es passt am besten in die kalte Jahreszeit; ein paar Stunden auf dem Sofa oder im Bett, in denen man den Alltag vollkommen ausblendet. Märchen haben für mich immer etwas Besinnliches an sich und der Schreibstil lädt ein, zur Ruhe zu kommen. Tatsächlich habe ich die ganze Geschichte zusammen mit meiner Freundin durchlebt, indem ich sie ihr vorgelesen habe.

Wären nicht ab und zu Erwähnungen der heutigen Zeit wie Smartphones oder Tablets aufgetaucht, hätte dieses Märchen auch schon vor Urzeiten geschrieben sein können. Jedes Wort scheint seinen Platz zu haben und genau dort hinzugehören. Die Autorin hat lange an der Geschichte gearbeitet und ich finde, das merkt man deutlich an der Qualität des Textes.

Die Aufmachung des Buchs in einmalig – denn sowohl die Covergestaltung als auch die detailreichen Illustrationen auf jeder Seite sind aus der Feder der Autorin selbst geflossen. Hübscher könnte ein einfarbiges Märchenbuch kaum sein!

Illustrationen aus »Winterhof« © Sameena Jehanzeb. Quelle: sameena-jehanzeb.de

In dieser Geschichte findet man kein gemütliches Märchen; es ist schrecklich und unausweichlich. Eine gewisse Grausamkeit wird für das Fortbestehen unserer Welt immer eingefordert. Trotzdem finde ich, dass sich dieses Buch gerade auch für ältere Kinder eignet, die von »langweiligen Märchen« die Nase voll haben. Und für alle erwachsenen Märchen-Liebhaber sowieso.

Und für alle, die auf die queere Komponente gewartet haben: Die amtierende Schneekönigin, die eine entscheidende Rolle spielt, hat eine Geliebte. Das ließ mein kleines »Frozen«-Fangirl-Herz trotz der düsteren Grundstimmung dann doch etwas höher schlagen. 🙂

Fazit

Winterhof* ist kein angenehmes Wohlfühlmärchen, doch besinnt einen in der kalten Jahreszeit trotzdem zur Ruhe. Besonders die detailreichen Illustrationen haben mir es angetan, die auf jeder Seite zu finden sind. Man merkt, wie viel Herzblut die Autorin in ihr Werk gesteckt hat, denn der Schreibstil wirkt wie aus einem Guss und so, als würden die Worte schon seit Urzeiten bestehen. Durch die selbstverständlich queere Schneekönigin gewinnt die Geschichte an Diversität und lässt »Frozen«-Fangirl-Herzen höher schlagen. Bestens geeignet für kleine und große Märchen-Liebhaber, die Geschichten abseits der rosa Zuckerwatte suchen.

Humor: ●○○○○
Anspruch: ●●●○○
Spannung: ●●●○○
Liebe: ●●●○○
Erotik: ●○○○○
Originalität: ●●●●○

Weitere gern gelesene Eindrücke dazu:

Awkward Dangos • Frau Trallafitti • Weltenwanderer

Eure Hannah 🙂

*DIESE LINKS FÜHREN ZU DEN JEWEILIGEN VERLAGEN, FALLS IHR MEHR INFORMATIONEN ÜBER DAS BUCH SUCHT. DIESE VERLINKUNG ERFOLGT FREIWILLIG UND WIRD NICHT VERGÜTET.
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6 Gedanken zu “[Rezension] Winterhof von Sameena Jehanzeb

  1. Hallo Hannah,

    ich habe Winterhof damals vorbestellt und gleich am ersten Tag gelesen, da ich von Brin auch so begeistert war.
    Die Grausamkeit fand ich durchaus passend und gut beschrieben. Gerade die Träume, die Hinweise, dass es schon immer so war, und so sein müsse, fand ich gut. Was auch wieder auf deine Anmerkung mit den Handys und Tablets anspielt.

    Das Einzige im Bezug auf die zugrundeliegende Mythologie, was ich etwas seltsam fand, war die Begründung der Wahl Koras. Für mich war das alles ein Naturgesetz, eine Konstante im Lauf des Lebens. Und daher ohne jede Begründung valide. Eben… wie der Tod. In dem Bezug kam mir eine eher wissenschaftliche Begründung fehl am Platz vor.
    Aber das waren ja nur ein paar Sätze am Ende, und tat meinem Vergnügen beim Lesen des ansonsten tollen Buchs keinen Abbruch.

    Mir hat es gefallen, auch wenn ich es von der Jahreszeit her etwas zu früh gelesen habe 🙂
    Liebe Grüße
    Becca

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Becca,

      hmm, so hatte ich das noch gar nicht betrachtet. Es stimmt, ich hätte die Vorherbestimmung auch ohne wissenschaftliche Begründung hingenommen, wobei ich es generell gut finde, wenn solche Gegebenheiten im Bereich Fantasy/SciFi erklärt werden. Diese Begründung war für mich allerdings auch das ist einzig Verwirrende, weil im Winterhof ja noch mehr Menschen leben, die dort hingehören und die Erklärung auf diese ja nicht zutrifft… Ich hoffe, ich konnte das verständlich ausdrücken ohne zu spoilern. 😅

      Liebe Grüße,
      Hannah

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