Immer noch du (SAMe Love #2) Cover (© Sternensand Verlag)

[Rezension] Immer noch du (SAMe Love #2) von Nadine Roth

Dieser Beitrag ist ein ganz besonderer Beitrag auf queerBUCH, denn es handelt sich nicht nur um den 100sten Beitrag, den ich geschrieben habe, sondern er dreht sich auch noch um den zweiten Teil der SAMe-Love-Reihe* von Nadine Roth, deren ersten Teil ich in meinem allerersten Blogbeitrag vorgestellt habe. Die Reihe hat für mich viele Bedeutungen: Eines der ersten Bücher, die den inneren Coming-Out-Prozess und den Weg zu einem gesunden Selbstbewusstsein authentisch widerspiegelt. Eines der ersten, in dem ganz normale Mädchen fernab von Klischees, wie lesbische Mädchen auszusehen haben, einander verfallen. Eines der ersten queeren Jugendbücher, die gegenseitige Anziehung auf dieselbe natürliche Art darstellt, wie es in ähnlichen heteronormativen Jugendbüchern der Fall ist. Und nicht zuletzt hat diese Reihe dazu geführt, dass der Kontakt zu einer Kindheitsfreundin neu aufflammte, wir unsere ungeahnte Gemeinsamkeit der Leidenschaft für Bücher entdeckten. Die mir von ihrem aktuellen Schreibprojekt einer lesbischen Liebesgeschichte erzählte und ich ihr, dass ich mein Glück in einer Beziehung mit einer Frau gefunden habe. Deshalb danke ich auch dir, Nadine, dass ich dich mit Antworten unterstützen durfte und so ein bisschen zu Sam und Romys Geschichte beitragen konnte! Wenn ihr den ersten Teil noch nicht kennt, springt am besten zu meiner Rezension dazu, sonst drohen euch hier einige Spoiler. Der zweite Teil ist im April 2019 im Sternensand Verlag erschienen, hat 416 Seiten und kostet 12,95 €.

Kurzbeschreibung Inhalt

Nachdem Romy, die Liebe ihres Lebens, sich dazu entschieden hat, Sam hinter sich und außerdem das Land zu verlassen, war das der letzte Funken, der Sam dazu veranlasst, alle Ängste zu überwinden und für ihre Liebe zu kämpfen. Ob ihr Romy verzeihen und noch eine Chance geben wird? Doch damit ist es noch nicht getan, denn der Ozean ist nicht das einzige, das sich dieser jungen Liebe in den Weg stellt. Wie viel können sie ertragen und wie viel braucht es, um nur noch stärker zusammenzuwachsen?

Meine Meinung

Den ersten Teil habe ich bis auf eine größere Sache und ein paar Kleinigkeiten geliebt. Er ist mitreißend, intensiv und hat mich meine Umgebung völlig vergessen lassen. Auch wenn ich nicht jede Entscheidung der Charaktere nachvollziehen konnte und sie mir manchmal durchaus fragwürdig vorkamen, kann ich das Buch besonders wegen der intensiven Gefühle, die es auslöst, empfehlen.

Der zweite Teil knüpft nahtlos an den ersten an und gerade über die ersten hundert Seiten fühlte ich mich auch eineinhalb Jahre später wieder sofort in die Zeit zurückversetzt, in der ich Band 1 gelesen habe. Die Autorin schafft unglaublich liebenswerte Charaktere, die man sich für sein eigenes Leben nur wünschen kann. Wo sich SAMe Love – Nur mit dir noch mit fehlender Akzeptanz homosexueller Liebe in der Gesellschaft beschäftigt, zeigt der zweite Teil Immer noch du*, dass nicht alle Menschen so intolerant und bösartig sind wie Sams Klassenkameraden, ihre Mutter und ihr Exfreund Robin. Damit stellt sie eine Entwicklung dar, die ich selbst ganz ähnlich wahrgenommen habe: dass die Akzeptanz (zumindest bei jungen Menschen) mit dem Alter zunimmt. Dass in der Schule noch niemand auffallen möchte oder darf, und ansonsten sofort zum Außenseiter wird. Und dass diese »Außenseiter« in der Studienzeit plötzlich beliebt werden, weil Individualität und Diversität viel interessanter werden und an Wert gewinnen. So gehen Sams neue Studienfreunde viel gelassener mit ihrer Sexualität um, als sie es sich je hätte vorstellen können.

Die Protagonistin beschäftigt sich im zweiten Teil auch viel reflektierter mit dem, was sie erlebt hat und ertragen musste. Einige Leser kritisierten im ersten Teil, dass Robins Missbrauch an Sam nie richtig thematisiert wurde. Dass er schöngeredet wurde und dadurch nicht die moralisch richtige Aussage verkörperte: dass Missbrauch niemals in Ordnung ist. Im zweiten Teil geht die Autorin intensiver auf diesen Aspekt ein, auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass Robin stärker zur Rechenschaft gezogen wird.

Der Schreibstil lässt sich sehr flüssig lesen, weshalb man de beiden Bücher nur so verschlingen kann. Allerdings bleibt er auch einfach und manchmal umgangssprachlich, was nicht jeden Geschmack trifft.

Wer den ersten Teil gelesen hat, wird nicht drumherum kommen, auch den zweiten Teil zu lesen – dazu ist der Cliffhanger einfach zu übel. Wer allerdings dieselben intensiven Gefühle erwartet, wird enttäuscht werden. Es passieren schreckliche Dinge, die sowohl Sam als auch Romy ertragen müssen, sie müssen trauern und verarbeiten. Wenn man so will, holt sie der Ernst des Lebens ein, viel früher, als es bei anderen Menschen der Fall ist. Das ändert jedoch nichts an der über allem schwebenden Liebe, die die beiden verbindet. Letztendlich dürfen wir uns in Band 2 auf einigen Kitsch freuen, der sonst eher in heteronormativen Klischee-Liebesgeschichten der Fall ist. Eine Liebe, die alles übersteht. So dürfen wir trotz des ganzen Übels auch ein wenig von der wahren Liebe träumen. 😉

Fazit

Viel zu lange hat Nadine Roth uns auf die Folter gespannt, wie es mit Sam und Romy weitergeht und ob sie nach allem, was passiert ist, noch eine Chance haben. Der zweite SAMe-Love-Teil: Immer noch du ist weniger gefühlsintensiv und beschäftigt sich auf der einen Seite mehr mit den ernsten Dingen des Lebens und zeigt auf der anderen, wie positiv sich plötzlich alles an einem neuen Ort mit neuen Menschen entwickeln kann. Dass Menschen erwachsener werden und dadurch oft auch sehr viel offener für Individualität. Die Geschichte zeigt, dass wir zum einen wachsen, wenn wir uns selbst annehmen und zum anderen, wenn wir hinfallen, tiefstes Leid erfahren, und trotzdem wieder aufstehen. Und dass Liebe stärker werden kann, als man es sich je erträumt hatte, wenn man auch in schlimmsten Zeiten zusammenhält. Der einfache und manchmal umgangssprachliche Schreibstil führt dazu, dass man nur so durch die Seiten fliegt. Besonders wird die Geschichte vermutlich denen Mut machen, die sich selbst noch nicht ganz gefunden und Angst vor der Reaktion ihres Umfeld auf ihre Sexualität haben.

Humor: ●●●○○
Anspruch: ●●○○○
Spannung: ●●●○○
Liebe: ●●●●●
Erotik: ●●●○○
Originalität: ●●○○○

Weitere gern gelesene Eindrücke dazu:

Aus dem Leben einer Büchersüchtigen* • Fuchsias Weltenecho* • Seductive Books*

Eure Hannah 🙂

*DIESE LINKS FÜHREN ZU EXTERNEN SEITEN, AUF DENEN IHR MEHR INFORMATIONEN ZUM JEWEILIGEN SCHLAGWORT FINDET. DAS KÖNNEN Z.B. VERLAGSSEITEN SEIN, NACHRICHTENSEITEN ODER HOMEPAGES DER AUTOREN. DIE VERLINKUNGEN ERFOLGEN FREIWILLIG UND WERDEN NICHT VERGÜTET.

4 Gedanken zu “[Rezension] Immer noch du (SAMe Love #2) von Nadine Roth

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