Was so in mir steckt Cover (© cbj Verlag)

[Rezension] Was so in mir steckt von Barry Jonsberg

Für Was so in mir steckt* von Barry Jonsberg habe ich mich eigentlich anfangs deshalb entschieden, um noch ein bisschen mehr Diversität in mein Leseverhalten zu bringen. »Aber dein ganzer Blog basiert doch auf (Jugend-)Büchern mit LGBTQ+-Charakteren!«, werdet ihr jetzt zurecht denken. Trotzdem habe auch ich meine Lieblingsthemen und da ich persönlich in meiner näheren Umgebung kaum mit dem Thema Transgender in Verbindung stehe, ist das T in LGBTQ+ nicht meine erste Präferenz. So, nun also wollte ich mit diesem Jugendbuch meine Komfortzone zumindest ein bisschen verlassen, und wurde letztendlich vollkommen aus den Socken gepustet. Es ist mit Abstand eine der witzigsten und liebenswertesten Geschichten, die ich bisher lesen durfte und sie hat sich genauso in mein Herz geschlichen wie Love, Simon (aka »Nur drei Worte«), wenn nicht sogar noch mehr. Liebe Bücherfreunde, es war mir ein Fest!

Das Buch ist im September 2019 erschienen, hat 352 Seiten und kostet 18,00 €.

Kurzbeschreibung Inhalt

Rob ist 13 Jahre alt und hat sich unsterblich in die neue Schülerin Destry verliebt. Mit Pop, seinem Großvater und Andrew, seinem besten Freund heckt er Pläne aus, wie er trotz Schüchternheit und Panikattacken Destrys Aufmerksamkeit gewinnt. Doch irgendwann schaltet sich ein geheimer Mitspieler ein, der Rob per SMS Aufgaben erteilt, wie er sein Selbstbewusstsein stärken und somit erst einmal sich selbst lieben kann…

Meine Meinung

Was so in mir steckt* hat mich wahnsinnig überrascht. Wer nicht gezielt auf der Suche nach queerer Literatur ist, wird bei diesem Buch vorher keinen Hinweis darauf finden, dass Rob trans ist und in einem Mädchenkörper geboren wurde. Rob ist einfach ein Junge, der zwar unsicher ist und mit vielen, für andere selbstverständlichen, Dingen Schwierigkeiten hat, aber sehr begabt, unglaublich witzig und vor allem liebenswert ist und sich zum ersten Mal verliebt hat. Wir lernen ihn kennen, während er beginnt, die Liebe zu erforschen: bei seinen Eltern, seinem Großvater, und sonst auch bei jedem, den er trifft. Während er nebenbei versucht, die zauberhafte Destry auf sich aufmerksam zu machen, wird er der Umwelt zuliebe zum Vegetarier, versucht sich als Sportler, Schriftsteller und Schauspieler und bekommt die Nachwirkungen eines Krieges zu spüren. Bei jedem Schritt, den er geht, wächst er über sich hinaus, um am Ende eine Ahnung davon zu haben, was es heißt sich selbst zu lieben.

Diese Geschichte ist eine der lustigsten und liebenswertesten, die ich seit Langem gelesen habe und hat mich gerade deshalb häufig an mein Lesegefühl bei Love, Simon (aka »Nur drei Worte«) erinnert. Der Protagonist ist supercharmant, naiv-liebenswert, verliert nie seinen Mut und hat dabei einen unschlagbar ironischen Humor. Dieser Humor zieht sich durch die gesamte Geschichte und sorgt für Leichtigkeit vor einem eigentlich ernsten Hintergrund. Ob es um den WWM aka »wildgewordener Wischmop« aka der kleine Hund Trixie geht oder die Superhelden-Lehrerin, die zufällig immer im richtigen Moment auftaucht, wo man sie nicht erwarten würde, mit Robs Beschreibungen werden die Worte zu Bildern, die sich in der Erinnerung festsetzen. Dass man beim Lesen ständig vor sich hinkichert, sorgt dafür, dass man die Lesestimmung nicht so schnell vergisst und fast schon enttäuscht ist, wenn man am Ende angekommen ist.

Dass Rob trans ist, erfährt der Leser erst ganz am Schluss und plötzlich machen alle kleinen Hinweise Sinn. Diese Vorgehensweise sorgt gerade bei nicht betroffenen Menschen dafür, dass sie Rob als Jungen kennenlernen und am Ende gar nicht anders können, als ihn bedingungslos als diesen Jungen zu akzeptieren. Am Ende wird dem Thema auch die nötige Sensibilität und Aufmerksamkeit geschenkt, um dem Leser ein Verständnis dafür zu vermitteln, was es für junge Menschen bedeutet, trans zu sein. Dass nicht unbedingt jeder in der Umgebung sofort eine Akzeptanz dafür entwickelt und es ebenso ein harter Kampf sein kann, von seiner Familie als der Mensch wahrgenommen zu werden, den man selbst in sich sieht. Barry Jonsberg löst das mit viel Fingerspitzengefühl und überrascht den Leser am Ende in doppelter Hinsicht: mit der Offenlegung Robs Geburtsgeschlechts und der Auflösung der Geschichte selbst.

Fazit

Was so in mir steckt* ist eine Geschichte, die sehr viel mehr zu bieten hat, als es auf den ersten Blick scheint. Sie ist unglaublich witzig und liebenswert, sodass sie sich mindestens so sehr in mein Herz geschlichen hat wie Love, Simon (aka »Nur drei Worte«), wenn nicht sogar noch mehr. Rob muss man einfach lieben und begleitet ihn nur zu gern bei seinem Versuch, das Ziel seiner ersten Verliebtheit auf sich aufmerksam zu machen, aber viel wichtiger noch, auf dem Weg sich selbst lieben zu lernen. Das Ende überrascht den unwissenden Leser nicht nur mit der Offenbarung von Robs Geburtsgeschlecht, sondern auch mit der Auflösung der kompletten Rahmenhandlung, wodurch das Buch lange nachhallt. Mit viel Fingerspitzengefühl beschreibt Barry Jonsberg, was es für junge Menschen heißt, trans zu sein und lässt dabei auch die Schwierigkeiten nicht außer Acht, die die direkte Umgebung manchmal damit hat. Darüber hinaus ist es mit Abstand eine der witzigsten und liebenswertesten Geschichten, die ich bisher lesen durfte und ich kann es nur jedem ans Herz legen, egal ob queer-Leser oder nicht!

Humor: ●●●●●
Anspruch: ●●●○○
Spannung: ●●●○○
Liebe: ●●○○○
Erotik: ●○○○○
Originalität: ●●●●○

Weitere gern gelesene Eindrücke dazu:

CorniHolmes*Lesemomente*NDR*

Eure Hannah 🙂

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2 Gedanken zu “[Rezension] Was so in mir steckt von Barry Jonsberg

  1. […] Was so in mir steckt* ist eine Geschichte mit dem Thema Transgender von Barry Jonsberg, aus dessen Feder auch Das Blubbern von Glück* stammt. Es geht um den 13-jährigen Rob, der sich Hals über Kopf in Destry verliebt hat. Während er alles versucht, um seine Angebetete mit Tipps seines Großvaters oder seines besten Freunds Andrew zu überzeugen, hat er nebenbei mit der Akzeptanz seiner Familie zu kämpfen. Denn Rob wurde als Roberta geboren und seine Familie tut sich schwer mit seiner Entscheidung, als Junge zu leben. Doch Rob wäre nicht Rob, wenn er nicht über sich hinauswachsen und überall das Gute sehen würde. Ich habe gelesen, dass im englischen Original (fast) vollständig auf Pronomen verzichtet wurde, die Rob beschreiben würden – ich bin gespannt, wie das in der Übersetzung gelöst wird. 🙂 Das Buch erscheint am 9. September, hat 352 Seiten und kostet 18,00 €. (Inzwischen gelesen und rezensiert!) […]

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  2. […] Was so in mir steckt von Barry Jonsberg hat mich vollkommen überrascht und aus den Socken gepustet. Ich habe mich wahnsinnig in den Humor des Protagonisten Rob verliebt und ständig vor mich hingekichert. Der Autor erschafft eine so herzliche und gleichzeitig lustige Welt, dass man gar nicht anders kann, als jede Seite zu lieben. Es ist eine nette Geschichte, bis die Auflösung kommt. Dass Rob trans ist, kann man als sensibler Leser relativ früh erahnen, und das ist auch nicht die Auflösung, von der ich rede. Nein – in der Auflösung beschäftigt sich Barry Jonsberg auf authentische Weise mit dem Thema Transgender, ohne dabei belehrend zu wirken oder zu dick aufzutragen. Es lässt einen die gesamte Geschichte nochmal in neuem Licht betrachten und schafft es damit, dem Leser das Thema auf sensible Weise näherzubringen, sodass man gar nicht anders kann, als tiefes Verständnis zu zeigen und den kleinen Rob als den lustigen Jungen in sein Herz zu schließen, der er ist. […]

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