Der Zauber der verlorenen Dinge Cover (© cbj Verlag)

[Rezension] Der Zauber der verlorenen Dinge von Moïra Fowley-Doyle

Nicht nur der Name der Autorin klingt irgendwie besonders und verheißungsvoll, sondern auch der Titel ihres neuen Jugendromans Der Zauber der verlorenen Dinge* machte mich neugierig. Dinge, die verschwinden, Zauber, die gesprochen werden, mehrere weibliche queere und auch in sonstiger Hinsicht diverse Hauptcharaktere – das musste ich einfach lesen. Die Geschichte war ein wenig anders als erwartet und für mich völlig überraschend grandios – sie ist etwas Besonderes, das wahrscheinlich nicht jeden Geschmack treffen wird. Und gerade das sind die Bücher, die für mich besonders reizvoll sind.

Das Buch ist im September 2019 im cbj Verlag erschienen, hat 368 Seiten und kostet 17,00 €.

Kurzbeschreibung Inhalt

In der Nacht des Festes, in der die Jugendlichen der Stadt sich auf einem abgeschiedenen Feld abseits der Erwachsenen mit Alkohol vergnügen, geht jedem etwas verloren. Olive verliert einen Schuh, eine Haarspange, ihre Freundin Rose und ihre Erinnerungen. Tagebücher gehen verloren und tauchen in den falschen Händen wieder auf. Hazel und Rowan verloren ihre Eltern und werden durch ein Zauberbuch mit Olive und Rose zusammengeführt. Kann es wirklich möglich sein, ihre verlorenen Dinge durch einen Zauber zurückzuerhalten? Doch was müssen sie dafür opfern? Sollen manche Dinge überhaupt wiedergefunden werden und wie hängt alles zusammen?

Meine Meinung

Der Zauber der verlorenen Dinge* war nach langer Zeit mal wieder ein Jugendbuch, das mich überrascht, auf leise Weise gefesselt und verzaubert hat. Für mich ein besonderes Lesehighlight – denn ich bin immer auf der Suche nach ungewöhnlichen Geschichten, nach etwas Neuem, das ich noch nicht kannte. Genau das ist dieses Buch für mich. Ich bin mir sicher, dass es nicht jedem gefallen wird. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass es einige frühzeitig abbrechen. Ich hoffe, euch im Folgenden ein Gefühl für dieses Buch zu vermitteln, sodass ihr danach wisst, ob es etwas für euch ist oder ihr lieber direkt zu einem anderen Buch übergeht.

Eine Geschichte mit Fantasy-Elementen

Geschichten über Zauberei sind nicht selten. Hier sollte man sich darüber bewusst sein, dass es nicht im herkömmlichen Sinne um Zauberei geht. Es gibt keine Hexen oder übernatürliche Gestalten; man kann das Buch kaum dem Fantasy-Genre zuordnen. Die Geschichte finde ich insofern spannend, dass man am Anfang genau das erwartet, denn die Charaktere finden immerhin ein Zauberbuch. Tatsächlich verbirgt sich der Zauber hier im Alltäglichen. Bis zum Schluss fragt man sich, ob der Zauber wirklich echt ist, oder ob alles nur eine skurrile Ansammlung von Zufällen und Einbildung war. Die Geschichte beginnt sehr langsam, sodass alles vor sich hinplätschert, und ehe man sich versieht, hat man schon über die Hälfte des Buchs gelesen, ohne zu wissen, wo die Reise eigentlich hingeht. Es gibt drei Erzählstränge: Olives und Hazels Sichtweisen, die sich irgendwann durch ein Zusammentreffen verbinden, und parallel dazu Laurels Sichtweise in Form von Tagebucheinträgen, in denen sie über die Auswirkungen des Zaubers schreibt, den sie mit ihren Freundinnen in der Nacht des Stadtfestes gewirkt hat. Wie diese Erzählstränge miteinander verbunden sind, erfährt man erst fast zum Schluss, was dafür sorgt, dass man alles nochmal in Frage stellt. Durch diese Raffinesse gehört Der Zauber der verlorenen Dinge* zu den Büchern, das man nach Beenden nochmal direkt von vorne lesen möchte, um all die versteckten Hinweise zu erkennen. Die Geschichte braucht sehr lange, um in Fahrt zu kommen. Gelangweilt habe ich mich allerdings zu keiner Zeit.

Ein magischer Schreibstil

Eine Sache, in die ich mich sofort verliebt habe, ist Moïra Fowley-Doyles Schreibstil. Denn der ist einfach magisch – aber eben im Alltäglichen. Die Geschichte spielt in unserer Welt in der aktuellen Zeit. Und doch hat man die ganze Zeit das Gefühl, in einer Art Weissagung zu stecken. In einer Legende, die man sich noch in Jahrzehnten erzählen wird. Es fällt mir tatsächlich schwer, hier die richtigen Worte zu finden. Die Autorin schreibt sowohl poetisch als auch direkt, mystisch und gleichzeitig realitätsnah, traumartig und doch im Hier und Jetzt verankert. Dadurch bilden sich auch einige längere Sätze, die ich persönlich sehr schätze, für Jugendbücher jedoch eher ungewöhnlich sind. Lest am besten Mal in die Leseprobe (PDF)* hinein, der Schreibstil zieht sich so durch die Geschichte.

Viele diverse Charaktere

Die Charaktere könnten für einige der Knackpunkt sein; sowohl in die eine, als auch in die andere Richtung. Es gibt sehr viele. Olives Erzählstrang über sich und Rose, Hazels über sich, Rowan und Ivy und Laurels über sich, Holly und Ash. Und ja, alle Protagonisten haben Namen von Pflanzen, was eine nicht unwichtige Rolle spielt. Es dauert einige Zeit, bis man mit der Fülle an Charakteren zurechtkommt und sie auseinanderhalten kann. Aber: Es lohnt sich. Denn alles hängt zusammen und jeder Charakter ist für sich einzigartig. Auch die Repräsentation von Diversität kommt nicht zu kurz: Olive und Rose sind bisexuell (und NICHT zusammen), Hazel lesbisch. Olive ist auf einem Ohr taub, Rose teils indischer Abstammung. All diese Eigenschaften fügen sich völlig natürlich ins Gesamtbild ein, ohne aufgesetzt zu wirken.

Was ich auch nicht unerwähnt lassen möchte ist, dass die Geschichte in Irland spielt. Irland hatte für mich schon immer die Bedeutung wunderschöner Landschaften und mystischer Tendenzen, die hier unglaublich gut ins Bild passen.

Fazit

Der Zauber der verlorenen Dinge* ist für mich ein überraschend besonderes Buch, in dessen Geschichte und diverse Charaktere (zwei bisexuelle, ein lesbisches Mädchen, eines auf einem Ohr taub, eines halb-indischer Abstammung) ich mich nur verlieben konnte. Es strahlt eine Magie des Alltäglichen aus und ist nicht mit einer Welt voll Hexen und Zauberer zu verwechseln. Die Geschichte beginnt langsam und gipfelt in einem Plottwist, der einen das Buch direkt nochmal von vorne lesen wollen lässt. Bis zum Schluss stellt man sich die Frage, was echt ist vom Zauber und was nur eine Ansammlung von Zufällen und Einbildung. Das Buch wird nicht jedem gefallen, einige könnten es sogar vorzeitig abbrechen, weil sich der Sinn der Geschichte erst so spät erschließt und es am Anfang herausfordernd ist, bei der Vielzahl an Charakteren den Überblick zu behalten. Für mich ist es ein wahres Highlight, in dessen magischem Schreibstil ich mich nur so verloren habe.

Humor: ●○○○○
Anspruch: ●●●○○
Spannung: ●●●○○
Liebe: ●●●○○
Erotik: ●●○○○
Originalität: ●●●●○

Weitere gern gelesene Eindrücke dazu:

Booknerds by Kerstin*Chilly’s Buchwelt*Nenis Welt*

Eure Hannah 🙂

*DIESE LINKS FÜHREN ZU EXTERNEN SEITEN, AUF DENEN IHR MEHR INFORMATIONEN ZUM JEWEILIGEN SCHLAGWORT FINDET. DAS KÖNNEN Z.B. VERLAGSSEITEN SEIN, NACHRICHTENSEITEN ODER HOMEPAGES DER AUTOREN. DIE VERLINKUNGEN ERFOLGEN FREIWILLIG UND WERDEN NICHT VERGÜTET.

7 Gedanken zu “[Rezension] Der Zauber der verlorenen Dinge von Moïra Fowley-Doyle

  1. Wow das klingt ja echt spannend!
    Aber so wie ich mich kenne ist das wahrscheinlich eher nichts für mich.
    Ich wäre ja gern ein Fan von originellen, einzigartigen Büchern aber irgendwie klappt das nie.
    Die Leseprobe werd ich auf jeden Fall mal lesen. Und vielleicht finde ich das Buch ja mal gebraucht, dann hab ich nicht ganz so viel Geld ausgegeben falls es mir doch nicht gefallen sollte.
    Deine Rezension klingt auf jeden Fall schon mal sehr interessant, na mal schauen 😀

    LG Betty

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Betty,
      ich verstehe gut, dass du bei der Geschichte zögerlich bist. Ich fände es auch schade, wenn ich viel Geld für ein Buch ausgeben würde, bei dem ich schon vorher wüsste, dass es vielleicht nicht unbedingt meins ist. Ich hoffe, dass ich durch meine Rezension genau solche Fehlkäufe verringern kann und das Buch eher in die Hände findet, die genau auf so ein Buch gewartet haben. 😀 falls du es je lesen solltest, bin ich sehr gespannt darauf, wie es dir gefallen hat!
      Liebe Grüße, Hannah 😊

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    • Hallo Ronja,

      das freut mich, dass ich deine Neugierde mit meiner Rezension wecken konnte! Es wird für mich sicher nicht das letzte Mal gewesen sein, dass ich dieses Buch gelesen habe. Ich hoffe, dass es dir auch gefällt! 🙂

      Liebe Grüße, Hannah

      Gefällt 1 Person

  2. […] Der Zauber der verlorenen Dinge von Moïra Fowley-Doyle vereint Mystik mit Alltäglichkeit – und zusätzlich haufenweise starker, queerer, weiblicher Protagonisten. Dieses Buch ist auf leise weise einzigartig und für mich eine besondere Überraschung gewesen. Bei dem Titel erwartet man Zauberei, vielleicht auch Drama oder Action. Tatsächlich halten sich die Fantasyelemente in Grenzen und es gibt keine Zauberer, Hexen, Werwölfe oder Vampire. Vielmehr geht es um den Zauber, der in den alltäglichen Dingen steckt, in jeder Hoffnung, jedem Wunsch, in uns allen. Ob ein wahrer Zauber dahintersteckt – das gilt es für den Leser selbst zu entscheiden. Die Stimmung ist mystisch, manchmal schwermütig angehaucht und wird getragen von Freundschaft und neuen Verbindungen, die entdeckt werden, bis hin zu einer neuen Liebe. Sehr zu empfehlen für alle, die ruhige Geschichten lieben, die sich nur langsam entfalten, dafür aber lange haften bleiben. […]

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