Aus der Rolle gefallen Cover (© Ylva Verlag)

[Rezension] Aus der Rolle gefallen von Lee Winter

Als ich letzten Monat auf der Frankfurter Buchmesse war, habe ich auch die Verlegerin des Ylva Verlags, Astrid Ohletz, wiedergetroffen. Der Ylva Verlag ist einer von nur zwei queeren Verlagen, die auf der Buchmesse zu finden sind – und man fühlt sich dort sofort willkommen. Was dazu führt, dass man ins Plaudern gerät und völlig die Zeit vergisst und gar nicht ohne Lesestoff wieder gehen kann! Aus der Rolle gefallen* wurde mir von der Verlegerin persönlich ans Herz gelegt. Das amerikanische Original scheint bei den LeserInnen unglaublich gut anzukommen und ich glaube, ich verstehe warum. In diesem Beitrag erfahrt ihr mehr darüber, doch was ich jetzt schon verraten kann ist, dass es genau das Richtige für Grey’s-Anatomy-Fans ist. 😀 Das Buch ist im Oktober 2019 erschienen, hat 335 Seiten und kostet 17,90 €.

Kurzbeschreibung Inhalt

Die Britin Elizabeth ist die Hauptdarstellerin schlechthin der erfolgreichen Krankenhausserie »Choosing Hope«, doch gleichzeitig verkörpert sie den meistgehassten Charakter der Show: die bissige und herzlose Chefärztin Hunt. Die TV-Bosse haben eine persönliche Abneigung gegen sie und zu guter Letzt taucht auch noch ihr neuer, tollpatschiger, junger Co-Star Summer auf, Ex-Kinderstar und wandelndes L.A.-Ideal, blond, süß und braungebrannt. Als sie gemeinsam das Set verlassen, stolpert Summer, wird von Elizabeth aufgefangen, ein Paparazzo ist zur Stelle und schon brodelt die Gerüchteküche – sind die beiden ein Paar? Der französische Regisseur Jean-Claude Badour will Elizabeth als Hauptdarstellerin seines neuen Kunstfilmprojekts, was eine willkommene Abwechslung zu ihrer verhassten Bösewichtrolle wäre. Jedoch nur, wenn er vorher Elizabeths neue Freundin Summer kennenlernt, denn echte Liebespaare sind vor der Kamera seiner Meinung nach viel authentischer…

Meine Meinung

Die Ausgangssituation könnte nicht prekärer sein: Um eine neue Richtung in ihrer Karriere einzuschlagen, die sie weiterbringt, muss Elizabeth einen aufstrebenden Kunstfilm-Regisseur von ihrer Liebe zu Summer überzeugen, die sie eigentlich kaum kennt. Noch dazu sind beide Schauspielerinnen in der Filmwelt nicht geoutet, weil es nach wie vor schwierig ist, als offen lesbische Frau weibliche Hauptrollen zu bekommen. Was im Theater vollkommen akzeptiert ist, scheint Hollywood noch Schwierigkeiten zu bereiten.

Das Lustige daran: Beide Frauen wissen nicht voneinander, dass sie sich für Frauen im Allgemeinen und füreinander im Speziellen interessieren. Dazu kommt noch, dass Elizabeth, die ihre Karriere in London als Shakespeare-Theater-Größe begann, seit Jahren zu ihrer Mentorin Grace aufsieht und nie ganz von ihr loskommt. Dass die TV-Produzenten der Krankenhausserie Elizabeth zu einem Hassobjekt des Publikums gemacht haben, weil sie nicht alles mit sich machen ließ, macht die Situation auch nicht gerade einfacher. Drama ist also vorprogrammiert, doch das nicht im schlechten Sinne. Es ist nämlich kein überflüssiges Drama. Es ist nicht unangenehm und vor allem ist es nicht kindisch. Jede Situation wird erwachsen und mit Respekt behandelt, sodass die Geschichte nicht zu einem Teenie-High-School-Drama verkommt.

Es wird ebenso mit Vorurteilen gespielt. Summer scheint das dümmliche, naive Blondchen zu sein, dem man keinen Wunsch abschlagen kann und Elizabeth die britische Eiskönigin, deren Blicke tödlich sind. Dass die beiden völlig anders sind, erfährt man als Leser ziemlich schnell, denn die Geschichte wird abwechselnd aus Summers und Elizabeths Perspektive erzählt. Langsam nähern sie sich an und werden nach und nach eines Besseren belehrt.

Was mir sehr gut gefallen hat, war der Einblick in das Showbusiness. Ich selbst verfolge »Grey’s Anatomy« seit Stunde 0, bin damit aufgewachsen und habe mir noch nie Gedanken darüber gemacht, wie es wohl hinter den Kulissen ablaufen könnte. In Aus der Rolle gefallen* erleben wir genau das. Schauspieler, die zu Freunden werden und die, die sich auf den Tod nicht ausstehen können, Produzenten, die ihre Meinung durchsetzen wollen und vollkommene Offenheit und Verletzlichkeit der Schauspieler auf Knopfdruck erwarten, Zeitdruck, durch den jede Folge durchgejagt wird und scheinbare Werte für Diversität, die dem großen Geld manchmal im Weg stehen. Und trotzdem blieb alles realistisch, denn Menschen streben nun mal nach Erfolg. Auch der Umgang mit der Presse war hochaktuell und ich fand es spannend zu erleben, wie die kleinsten Äußerungen in den Sozialen Medien von den Presseagenten strategisch durchdacht und geplant sind. Es hat mir Spaß gemacht, die beiden ans Set zu begleiten und ich bin gleichzeitig froh, dass das nicht mein Job ist. 😀

Nicht zu kurz kommt natürlich die Liebesgeschichte. Die finde ich wahnsinnig mitreißend und gleichzeitig authentisch beschrieben. Es ist nicht die große Liebe auf den ersten Blick. Und doch ist irgendeine Anziehung da, die sich hier und da in Nuancen bemerkbar macht und nur langsam ans Licht kommt. Liebesgeschichte bedeutet in diesem Fall auch Happy End und ist damit besonders zu empfehlen, wenn man ein paar Streicheleinheiten für die Seele braucht.

Fazit

Aus der Rolle gefallen* ist eine Liebesgeschichte zweier Frauen, die kaum unterschiedlicher sein könnten, die eine jung, die andere etwas älter, aus Amerika und Großbritannien, warmherzig und zurückgezogen. Besonders das Hollywood-Setting hat es mir angetan und mein »Grey’s Anatomy«-Fanherz höher schlagen lassen. Es war spannend, mehr darüber zu erfahren, wie es hinter den Kulissen einer erfolgreichen Krankenhausserie ablaufen kann und was von Schauspielern alles erwartet wird. Der Umgang mit Social Media ist hochaktuell, was die Geschichte für mich noch glaubhafter macht. Von der Liebesgeschichte, die sich langsam entwickelt, wurde ich total vereinnahmt. Definitiv zu empfehlen als Seelenpflege für Zwischendurch!

Humor: ●●●●○
Anspruch: ●●●○○
Spannung: ●●●○○
Liebe: ●●●●●
Erotik: ●●●○○
Originalität: ●●●○○

Weitere gern gelesene Eindrücke dazu:

Deutschsprachige Rezensionen habe ich bisher nur auf Amazon* gefunden. • Englisch: The Lesbian Review*

Eure Hannah 🙂

*DIESE LINKS FÜHREN ZU EXTERNEN SEITEN, AUF DENEN IHR MEHR INFORMATIONEN ZUM JEWEILIGEN SCHLAGWORT FINDET. DAS KÖNNEN Z.B. VERLAGSSEITEN SEIN, NACHRICHTENSEITEN ODER HOMEPAGES DER AUTOREN. DIE VERLINKUNGEN ERFOLGEN FREIWILLIG UND WERDEN NICHT VERGÜTET.

8 Gedanken zu “[Rezension] Aus der Rolle gefallen von Lee Winter

  1. Hallo Hannah,

    es hat den ganzen ersten Absatz deiner Rezension gedauert bis mir eingefallen ist woher ich Lee Winter kenne. Aber dann, habe ich sofort aufgehört weiter zu lesen, habe das Buch auf meine Prioritäten Liste gesetzt und angefangen diesen Kommentar zu schreiben 🙂

    Es war Lee Winters „Requiem mit tödlicher Partitur“, das als erstes Buch aus dem Ylva Verlag seinen Weg in meinen Schrank fand. Ich bin gespannt auf diesen Roman, denn was könnte eine bessere Werbung sein, als ein gelungenes, früheres Werk der Autorin.

    Liebe Grüße
    Becca

    PS.: Sobald ich damit durch bin werde ich auch deine Rezension weiter lesen, versprochen 🙂

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Becca, schön, von dir zu lesen! 🙂 Und ja das verstehe ich gut, wenn eine Rezension einen anspricht und man sich dann doch denkt, dass man das Buch lieber sofort selbst lesen möchte. 😀 Vor allem, wenn man den Autor kennt und weiß, dass einem das Buch gefallen wird. Dann doch lieber überraschen lassen! Ich hoffe, du kommst bald dazu es zu lesen und wünsche dir dabei viel Spaß! 🙂
      Liebe Grüße, Hannah

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      • Hallo Hannah,

        endlich bin ich dazu gekommen „Aus der Rolle gefallen“ zu lesen. Und es war höchste Zeit, denn ich habe die Geschichte geliebt. Nach dem ersten Buch von Lee Winter war ich ja schon neugierig auf ihr nächstes Werk, spätestens jetzt hat sie in mir ein neues Fan-Girl 🙂 Den Humor und die fantastisch recherchierten Details haben mir besonders gefallen.
        „Nichts als die ungeschminkte Wahrheit“ werde ich wohl als nächstes von ihr lesen.

        Liebe Grüße
        Becca

        Gefällt 1 Person

      • Hallo Becca,

        ach wie schön, dass es dir so gut gefallen hat! Ich bin auch schon sehr gespannt auf ihr neues Buch „Nichts als die ungeschminkte Wahrheit“, das werde ich auch bald lesen und hoffe darauf, dass sie uns beide damit wieder genauso gut unterhält. 😊

        Liebe Grüße, Hannah

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  2. Liebe Hannah,
    das ist ja mal eine tolle Entdeckung! Ich hatte das Buch vorher gar nicht auf dem Schirm, also vielen Dank für die tolle Rezension, da bin ich aber mal gespannt 🙂
    Viele Grüße
    Yvonne

    Gefällt 1 Person

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