Es ist Sarah Cover (© Frankfurter Verlagsanstalt)

[Rezension] Es ist Sarah von Pauline Delabroy-Allard

Von Es ist Sarah* von Pauline Delabroy-Allard hatte ich eine berauschende Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen erwartet, die mich nur so in sich hineinzieht. Und die habe ich bekommen, nur auf eine ganz andere Art als erwartet. Dass der Roman in Frankreich vieldiskutiert ist, verstehe ich sehr gut, denn Vergleichbares habe ich bisher noch nicht gelesen. Das Buch ist im August 2019 in der Frankfurter Verlagsanstalt erschienen, hat 192 Seiten und kostet 22,00 €.

Kurzbeschreibung Inhalt

Die Ich-Erzählerin, deren Namen wir nie erfahren, junge Mutter, getrennt vom Vater, begegnet auf einer Silvesterfeier bei Freunden Sarah. Sarah fällt ihr auf, sie hat Ausstrahlung, ist Violinistin, redet zu laut, versprüht pures Leben. Die beiden ungleichen Frauen freunden sich an, bis ihnen irgendwann bewusst wird, dass sie sich lieben. Doch es ist eine alles verzehrende Liebe, die gleichsam zu größter Extase und tiefster Zerstörung führt und nicht zuletzt in Sarahs Krebserkrankung gipfelt.

Meine Meinung

Ich brauchte eine Weile, mich mit Delabroy-Allards Schreibstil anzufreunden. Es sind viele kurze Sätze, viele Aneinanderreihungen in unzähligen Halbsätzen, immer wiederkehrende Wiederholungen einzelner Sätze, die dadurch fast wie ein Mantra klingen. Der prägendste dabei ist wohl: »Sie ist lebendig.«. In der ersten Szene beschreibt die Ich-Erzählerin Sarahs ausgemergelten, haarlosen Körper, der von ihrer Krebserkrankung verzehrt wird und so gar nichts mehr mit der lebendigen Erscheinung gemein hat, die Sarah sonst ausmacht, insbesondere bei ihrer ersten Begegnung.

»Eine Frau lieben: ein Sturm.« (S. 32)

Dieser kurze Satz drückt die ganze Heftigkeit aus, die dieser Roman zu erzählen vermag. Ein Sturm ist lebhaft und energetisch, ein Sturm ist wuchtig und zerstörerisch. Und sobald er sich gelegt hat, ist kaum noch etwas übrig. Dieses Buch lesen: ein Sturm. Es reißt einen mit und spuckt einen am Ende wieder aus, wenn das unausweichliche Ende eingetreten ist.

Die erste Hälfte erzählt vom Aufkeimen der Liebe. Kaum etwas anderes als die beiden Frauen spielen eine Rolle; die Tochter der Ich-Erzählerin wird oft als »das Kind« degradiert, scheint kaum noch eine Bedeutung für ihre Mutter zu haben. Alle anderen Charaktere bleiben blass und farblos, der Fokus liegt einzig und allein auf der immer stärker werdende Liebe zwischen den Frauen. Bis der Sturm umschlägt. Streitereien nehmen zu, sowohl an Häufigkeit als auch an Intensität, sodass man sich die Frage stellt: Kann eine so intensive Liebe noch gut sein?

Die zweite Hälfte erzählt vom Umgang mit Krankheit, von Selbstaufgabe, vom Loslassen. Wer ein Happy End sucht, ist bei dieser Geschichte an der falschen Adresse. Das Ende ist ein Schlag in die Magengrube. Man weiß nicht, welchen Gedanken man trauen kann, was Wahrheit ist und was Einbildung. Was tatsächlich passiert ist, bleibt bis zum Schluss ein Geheimnis.

Fazit

Es ist Sarah* ist definitiv keine leichte Lektüre für Zwischendurch. Mit seinen unter 200 Seiten kann man den Roman gut an einem Stück lesen, denn die Sätze sind kurz, prägnant, einfach. Der Schreibstil ist gewöhnungbedürftig, von Wiederholungen geprägt, die sich zu einer Art Mantra entwickeln und von einer Rohheit, die große Faszination in mir ausgelöst hat. Die beschriebene Liebe ist ein Sturm: heftig, extatisch, zerstörerisch. Eine Liebe, die zwar groß ist, aber ist sie auch gut? Als Sarah in der zweiten Hälfte des Buchs an Krebs erkrankt, nimmt die Ich-Erzählerin Reißaus. Um sich selbst zu schützen? Oder Sarah? Es ist ein Roman über eine große Liebe, einen großen Sturm, der kaum etwas zurücklässt und in dem alle weiteren Beteiligten zu einem unbedeutenden Nebel verblassen. Er wühlt auf und lässt einen mit Steinen im Bauch zurück.

Humor: ●○○○○
Anspruch: ●●●●○
Spannung: ●●●○○
Liebe: ●●●●○
Erotik: ●●●○○
Originalität: ●●●●○

Weitere gern gelesene Eindrücke dazu:

Literatwo* • Seitenwandler* • WDR*

Eure Hannah 🙂

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