Schwarzer Leopard, roter Wolf Cover (© Heyne Hardcore)

[Rezension] Schwarzer Leopard, roter Wolf von Marlon James

Als vor einiger Zeit die Erscheinung von Schwarzer Leopard, roter Wolf* bekannt gegeben wurde, war ich ziemlich freudig gespannt. Nicht nur war gerade erst die amerikanische Originalversion erschienen, die hochgelobt wurde, sondern bildet der dicke Schinken auch den Auftakt einer queeren High-Fantasy-Own-Voices-Trilogie über afrikanische Mythologie. Wie krass ist diese Zusammensetzung bitte? 😉 Darüber hinaus wird die Geschichte mit Game of Thrones verglichen, bzw. als afrikanische Version dessen bezeichnet. Das Buch ist im Oktober 2019 bei Heyne Hardcore erschienen, hat 832 Seiten und kostet 28,00 €.

Kurzbeschreibung Inhalt

Im ersten Teil der Trilogie geht es um Sucher, der einen Jungen finden soll. Man sagt, Sucher habe eine »Nase«, also dass er Gerüche besonders gut aufnehmen, wahrnehmen und nachverfolgen kann. In jüngeren Jahren lernt er Leopard kennen, der die Gestalt zwischen Mensch und Tier nach Belieben wechseln kann. Gemeinsam mit Leopard und anderen fähigen Personen beginnt die Suche nach dem besonderen Jungen.

Meine Meinung

Schwarzer Leopard, roter Wolf* sollte besonders sein, von afrikanischen Mythen durchzogen, etwas für Fans von Game of Thrones und vor allem harte Kost. Da ich immer wieder gerne meine Lese-Komfortzone verlasse, habe ich mich gespannt an diese Geschichte gewagt – und musste leider nach 260 Seiten aufgeben. Es handelt sich hierbei also um eine Abbruch-Rezension.

3 Gründe, die für mich zum Abbruch führten

  1. In 260 Seiten wurden hauptsächlich rückblickende Geschichten erzählt, die erklären, warum etwas wie gekommen ist. Die tatsächliche Handlung der Gegenwart nimmt davon nur einen sehr kleinen Teil ein.
  2. Der Schreibstil war für mich, die kaum High Fantasy liest, sehr gewöhnungsbedürftig und unpersönlich. Es fiel mir schwer, zum Protagonisten oder sonst irgendwem eine Beziehung aufzubauen.
  3. Die beiden ersten Gründe führen für mich normalerweise nicht zum Abbruch eines Buchs. Der ausschlaggebende Grund war die bildhafte Brutalität, die ich unterschätzt hatte. Über vieles habe ich hinweggesehen – ich habe gehört, dass die Brutalität in diesem Buch für viele einen faszinierenden und gleichzeitig ekelerregenden Sog entwickelt – doch zuletzt wurden Szenen beschrieben, die mir so sehr auf den Magen geschlagen haben, dass ich einfach nicht mehr weiterlesen konnte.

Das Buch ist gewaltig in jeder Hinsicht. Marlon James schafft eine Welt, die grauenvoll ist und rüttelt damit dem Leser wach. Themen wie Homo- und Transfeindlichkeit, sexuelle Übergriffe, Frauenfeindichkeit, Kindesmissbrauch und weitere Gewalttaten fügen sich nahtlos in das Geschehen ein.

Ich habe das Buch zwar abgebrochen, jedoch kann ich nicht im geringsten behaupten, es sei ein schlechtes Buch; denn das ist es in keinem Fall. Die afrikanischen Mythen, die die Geschichte durchziehen, sind faszinierend. Ich hatte bisher noch keinerlei Berührung damit und konnte der Ausgestaltung nur gebannt folgen. Den Sog, den Marlons Welt ausübt, habe auch ich gespürt. Er hat für mich nur nicht ausgereicht, um die brutalen Beschreibungen zu ertragen.

Fazit

Marlon James‘ Auftakt zur »Dark-Stars«-Trilogie alles ist, was es verspricht: Afrikanische Mythologie, queere Own Voices High Fantasy, geeignet für Fans von Game of Thrones, durchzogen von einer Brutalität, die kaum in Worte zu fassen ist. Ich lese immer wieder gern außerhalb meiner Komfortzone, jedoch war Schwarzer Leopard, roter Wolf* so weit davon entfernt, dass ich das Buch leider nach einem knappen Drittel abbrechen musste. Die harte Kost, die das Buch versprach, war für mich dann doch eine Spur zu hart. Wer Brutalität in Geschichten gewöhnt ist und sich von Queer- und Frauenfeindlichkeit, Verstümmelung, Kindesmissbrauch, Mord und Totschlag nicht abschrecken lässt, für den ist die Geschichte um Sucher mit der Nase jedoch genau das Richtige.

Humor: ●○○○○
Anspruch: ●●●●○
Spannung: ●●○○○
Liebe: ●○○○○
Erotik: ●●●○○
Originalität: ●●●●○

Weitere gern gelesene Eindrücke dazu:

books are gay as fuck* • Letterheart* • Spiegel*

Eure Hannah 🙂

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4 Gedanken zu “[Rezension] Schwarzer Leopard, roter Wolf von Marlon James

  1. Huhu Hannah 🙂

    Puh, jetzt hat mich gerade kurz die Angst gepackt, als ich gesehen habe, dass es sich um eine Abbruchsrezension handelt. Ich habe das Buch nämlich gerade bei uns in der Bücherei vorgemerkt und freue mich schon sehr drauf. Aber dann habe ich gelesen, dass du es nicht als schlechtes Buch per se beschreibst und welche anderen Gründe zu deinem Abbruch geführt haben. Die kann ich auch alle total nachvollziehen, aber sie schrecken mich nicht ab, dem Buch selbst eine Chance einzuräumen 🙂
    Danke für die Rezension und ein schönes Wochenende!

    Liebe Grüße
    Ivy

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Ivy!

      Ich bin froh, dass meine Rezension nicht vom Lesen abschreckt. Denn ich wollte das Buch trotzdem vorstellen, auch wenn es für mich nicht das richtige war – das heißt ja nicht automatisch, dass es für alle so ist und es ist einfach was Besonderes. 🙃 Ich bin sehr gespannt, was du dazu sagst, wünsche dir viel Spaß beim Lesen und ebenfalls ein schönes Wochenende!

      Liebe Grüße,
      Hannah 😊

      Gefällt 1 Person

  2. Das Buch wartet auch hier seit Weihnachten darauf, gelesen zu werden. Ich habe jetzt schon öfters gelesen, dass das Buch aufgrund der Brutalität abgebrochen wurde, was ich gut nachvollziehen kann. Mir macht das normalerweise nichts aus, von daher bin ich sehr gespannt auf „Schwarzer Leopard, roter Wolf“.
    Liebe Grüße
    Alex

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Alex, hach, dann wünsche ich dir einfach ganz viel Spaß Neil Lesen! Wenn man mit Brutalität besser zurecht kommt, kann das Buch glaube ich ganz großartig werden. Sag gern Bescheid, wie du es fandest!
      Liebe Grüße,
      Hannah

      Gefällt 1 Person

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