Auf eine wie dich habe ich lange gewartet Cover (© cbt Verlag)

[Rezension] Auf eine wie dich habe ich lange gewartet von Patrycja Spychalski

Hin und wieder schaffe auch ich es, nach einem Buch meines SuBs (= Stapel ungelesener Bücher) zu greifen; in diesem Fall eines, das schon seit Jahren ungelesen im Regal stand. Im Mittelpunkt steht ein (vielleicht) bisexuelles Mädchen, dem sowohl ein weiblicher als auch männlicher Love Interest über den Weg läuft. Da ich immer noch finde, dass es sehr wenige Bücher über Protagonisten gibt, die nicht eindeutig homosexuell sind, fand ich das eine spannende Ausgangslage und da konnte ich fast darüber hinwegsehen, dass es sich um eine Dreiecksgeschichte handelt, in der es nicht anders sein kann, als dass einer den Kürzeren zieht.

Das Buch ist im Juli 2015 im cbt Verlag erschienen und hat 320 Seiten. Es wird aktuell nicht mehr gedruckt und ist noch gebraucht, als Mängelexemplar und als digitale Version verfügbar.

Kurzbeschreibung Inhalt

Von der Großstadt ausgerechnet auf’s Land zu ziehen, ist das Letzte, was Laura kurz vor ihrem Schulabschluss will. Doch durch den neuen Job ihres Vaters bleibt ihr nichts anderes übrig. Dort angekommen lernt sie Enzo kennen, bei dem sie sich irgendwie wohlfühlt, doch auch ihre neue Mitschülerin Irina verdreht Laura den Kopf. Ist sie nun lesbisch? Und wie kann man zwei Menschen gleichzeitig gut finden? Nach und nach merkt Laura, dass das Dorfleben vielleicht doch nicht so schlimm ist, wie sie sich das vorgestellt hat…

Meine Meinung

Auf eine wie dich habe ich lange gewartet* ist eine süße Geschichte. Allerdings auch eine, bei der man etwas anderes erwarten könnte, weshalb ich etwas zwiegespalten bin. Es geht viel darum, wie sich für Laura das Leben auf dem Land anfühlt, nachdem sie ihr bisherges Leben in der Großstadt verbracht hat. Sie vermisst die Möglichkeiten, ihre Freunde und die Anonymität – gleichzeitig lernt sie genau diejenigen Dinge, die sie zuvor abgelehnt hat, zu schätzen. Dass der Bäcker deine Bestellung schon vorausahnt, die Warmherzigkeit einer Großfamilie, die alle im selben Ort leben, gleichzeitig auch den Mut zur Individualität, den es braucht, um sich gegen die Blicke zu Andersartigkeit zu behaupten. Allerdings fand ich das Leben »Stadt vs. Dorf« sehr eindimensional und klischeemäßig schwarzweiß dargestellt. Ich selbst kenne beide Seiten, bin auf dem Land groß geworden und habe seitdem in verschiedenen (Groß-)Städten gelebt. Beispielsweise unrealistisch finde ich bei mehreren Tausend Einwohnern eines Dorfes, dass wirklich alle sich gegenseitig kennen. Hilfreich könnte das Buch jedoch für diejenigen sein, die Ähnliches durchmachen und Schwierigkeiten haben, sich mit dem Landleben zu identifizieren.

Laura fühlt sich im Laufe der Geschichte zu Irina und Enzo hingezogen. Beide sind Außenseiter in ihrer neuen Klasse und gehören dadurch nicht zum »beliebten Rest«. Die Geschichte selbst ist durchzogen von Humor und Unterhaltung. Es macht Spaß, darin zu versinken und den Sommer auf dem Land mitzuerleben. Lauras Mutter verkörpert wohl genau das, was wir uns alle in einer Mutter gewünscht hätten: Offenheit, Freiheit, Humor und Unterstützung. Der Schreibstil ist flüssig, einfach und realistisch jungendlich.

Die Tatsache, dass ein Mädchen in dieser Geschichte sich selbstverständlich zu einem anderen Jungen als auch zu einem anderen Mädchen hingezogen fühlt, fand ich erfrischend, weil Bisexualität einfach so selten in Jugendbüchern behandelt wird. Nur verzichtet Patrycja Spychalski beinahe komplett auf Schubladen. Ihr Umgang mit der Entdeckung der eigenen Sexualität suggeriert Offenheit und gleichzeitig die Unsinnigkeit, sich festlegen zu müssen. Auf der anderen Seite ist es mir sauer aufgestoßen, dass Laura sich nur fragt, ob sie lesbisch ist, dass die Worte Bi- oder Pansexualität aber nicht ein eiziges Mal fallen. Ebenso empfand ich einen Kommentar von Enzo als sehr kritisch, denn er findet es heiß bzw. sexy, dass Laura einem Mädchen nähergekommen ist. Dieser Satz wird so stehengelassen und als positiv bewertet, insofern dass Enzo sie deshalb nicht abstoßend findet. Das kann dem Erscheinungsdatem des Buches im Jahr 2015 geschuldet sein, jedoch ist das in meinen Augen die völlig verkehrte Herangehensweise, Jugendlichen zu sagen, dass sie richtig sind, so wie sie sind.

Was mir am Ende schwerfällt zu sagen ist, was die Autorin wohl mit iherer Geschichte ausdrücken wollte. Pro Offenheit und Selbstverständlichkeit verschiedener Sexualitäten? Nimm deine Situation an, du wirst dich schon darin zurechtfinden? Sprich mit deinen Eltern über deine Probleme, sie verstehen mehr als du denkst? Ich bin zwiegespalten, weil Patrycja Spychalski das nur zum Teil geglückt ist.

Fazit

Auf eine wie dich habe ich lange gewartet* ist eine süße Sommergeschichte über die erste Liebe und das Finden eines neuen Zuhauses. Auch wenn die Darstellung des Land- vs. das Stadtleben in meinen Augen recht eindimensional und schwarzweiß ausfällt, ist es ein Buch, das auf humorvolle und warmherzige Weise unterhält. Die Autorin hat vermutlich die besten Absichten, mit ihrer Geschichte Schubladen aufzubrechen und Sexualität als etwas zu sehen, das nicht in Kategorien passt, scheitert daran in meinen Augen jedoch teilweise durch unbedachte Aussagen und die Einbeziehung zu weniger Möglichkeiten. Obwohl Laura sich zu zwei Menschen unterschiedlichen Geschlechts hingezogen fühlt, fallen Worte wie Bi- oder Pansexualität kein einziges Mal; zur Option steht nur die Bezeichnung lesbisch. Daher fand ich die Geschichte auf der einen Seite sehr schön, lustig und gut für Zwischendurch, ein kleines Magenkneifen bleibt allerdings zurück.

Humor: ●●●●○
Anspruch: ●●○○○
Spannung: ●●○○○
Liebe: ●●●●○
Erotik: ●●○○○
Originalität: ●●●○○

Weitere gern gelesene Eindrücke dazu:

SL Leselust*Sophias Bookplanet*Wortmalerei*

Eure Hannah 🙂

*DIESE LINKS FÜHREN ZU EXTERNEN SEITEN, AUF DENEN IHR MEHR INFORMATIONEN ZUM JEWEILIGEN SCHLAGWORT FINDET. DAS KÖNNEN Z.B. VERLAGSSEITEN SEIN, NACHRICHTENSEITEN ODER HOMEPAGES DER AUTOREN. DIE VERLINKUNGEN ERFOLGEN FREIWILLIG UND WERDEN NICHT VERGÜTET.

5 Gedanken zu “[Rezension] Auf eine wie dich habe ich lange gewartet von Patrycja Spychalski

  1. Ich hab das Buch schon 2015 gesehen… Damals ist es mir aufgefallen weil ich selbst „so komische Gefühle für eine Frau hatte“. Aber irgendwie hab ich es aus den Augen verloren. Hab es dann im Sommer 2018 wieder entdeckt als ich auch endlich meine Sexualität akzeptiert habe. Damals hat es mir sehr geholfen aber jetzt nochmal deine Rezension zu lesen lässt mich grübeln. Dies war eins der ersten LGBT-Bücher das ich je gelesen habe, ich hab mich selbst noch nicht ausgekannt. Dafür fand ich es gut. Aber rereaden werde ich es auf Grund deiner Rezension vermutlich nie. Ich will mein Vergangenheits-Ich nicht enttäuschen 😀
    LG Betty

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Betty, ich freue mich sehr, dass dir das Buch damals so sehr helfen konnte. Ich habe damals glaube ich als erstes die Bücher von Mirjam Müntefering gelesen und auch die finde ich heute nicht mehr so gut, wie sie mir damals geholfen haben. Ich schätze, das haben diese ersten Bücher über die Selbstverständlichkeit unserer Sexualität so an sich. 😅 Ich bin mir sicher, dass es 2015 nicht diesen Beigeschmack hatte und sich unsere Gesellschaft einfach so rasant wandelt, dass 2015 schon in einem anderen Leben zu liegen scheint. Du hast Recht, behalte dir lieber dein Gefühl von damals, das ist viel wert. 😊
      Liebe Grüße, Hannah

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  2. Hey! Ich bin gerade auf deinen Blog gestoßen und finde ihn sehr schön, super übersichtlich und schön gestaltet. Deine Rezensionen gefallen mir auch sehr gut, da bleibe ich doch gerne als Abonnentin da :). Das Buch klingt auf jeden Fall spannend, ich werde nächstes Mal in der Buchhandlung mal eine Auge danach offenhalten. Danke für den Tipp!
    Liebe Grüße,
    Svenja

    P.S. Schau doch gerne auch mal auf meinem Blog vorbei. Ich bespreche Romane, Thriller, Kinder- und Jugendbücher und Comics. Vielleicht ist hier auch einmal was für dich dabei :): https://pantaubooks.wordpress.com/

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Svenja,

      das kann ich so nur zurückgeben! Schön, dass ich deinen Blog jetzt auch kenne. 🙂
      Das Buch wird nur leider nicht mehr gedruckt, daher wird es dir in einer Buchhandlung vermutlich nicht begegnen. Vielleicht dann ja als eBook. 🙂

      Liebe Grüße, Hannah

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