Unter Schnee Cover (© Fischer Verlag)

[Rezension] Unter Schnee von Antje Rávic Strubel

Der Winter, der eigentlich kein richtiger war, liegt nun schon hinter uns. Ich habe dieses Jahr kein einziges Mal Schnee gesehen. Vermutlich sollte ich mir darüber Sorgen machen, aber was mache ich stattdessen? Ich lese mich in den Winter hinein. Ja, wir Büchermenschen können wunderbar der Realität entfliehen. 🙂 So bin ich jedenfalls auf diesen Roman gestoßen, der das erste Mal im Jahr 2001 veröffentlicht und nun mit (wie ich finde) schönerem Cover 2016 bei Fischer neu aufgelegt wurde. Das Buch hat 160 Seiten und kostet 9,99 €.

Kurzbeschreibung Inhalt

Ein Episodenroman mit 13 Geschichten, 13 Perspektiven, in deren Zentrum das Frauenpaar Vera und Evy steht. In der Nachwendezeit verbringen die beiden eine Woche zum Skifahren im tschechischen Gebirge. Ein Sturm zieht auf und droht die junge Beziehung zu entzweien.

Meine Meinung

Kurz und knackig: Das Buch ist eine Stimmungskanone. Nicht, wie ihr euch jetzt vielleicht vorstellt, sondern eher still – im Auge des Wirbelsturms. In vielen Geschichten steckt eine Kernaussage, die die meisten Leser irgendwie herauslesen oder unerkannt verinnerlichen. Hier scheint der einzige Sinn und Zweck das Interesse und die feine Beobachtung von Beziehungskonstellationen zu sein, die die Autorin behutsam vor uns auffächert.

Man spürt, dass einiges im Argen liegt bei Vera und Evy, die sich einst im Skigebiet kennengelernt haben. Durch die verschiedenen Perspektiven der einzelnen Kapitel lernen wir das Paar aus vielerlei Sichtweisen kennen, die alle etwas anderes in den Frauen zu sehen scheinen und uns doch ein weitsichtigeres Bild ihrer Beziehung vermitteln. Die Szenen sind ruhig erzählt und doch wühlt das Buch auf, da jede Szene nur ein kleines Bild des großen Ganzen ausmacht und auch am Schluss kein vollständig verständliches Bild vermitteln mag. Letztendlich müssen wir und unseren Teil selbst denken.

Warum könntest du das Buch mögen? Es ist besonders, detailliert, ohne ausführlich zu sein, pointiert und voll bedrohlicher Vorahnung über das mögliche Ende einer Beziehung. Es lässt dich den Schnee, die Kälte und den aufkommenden Sturm förmlich spüren. Du bekommst nicht nur Einblick in die Beziehungswelt von Vera und Evy, sondern auch in die komplizierte Gedankenwelt anderer Urlauber, demotivierter Mitarbeiter und Einheimischer. Wenn du feine Details unterschiedlicher Persönlichkeiten gerne beobachtest, könnte das dein Buch sein.

Fazit

Unter Schnee* ist ein Roman über das Warten und Aufbruchstimmung und zeigt aus vierschiedenen Perspektiven die Unterschiede menschlicher Wahrnehmung, ohne dabei darüber zu urteilen. Wir werden hineingezogen in die Nachwendezeit im Schnee und Eis, atmosphärisch beobachten wir die junge Beziehung zwischen den beiden unterschiedlichen Frauen Vera und Evy, die sich für den Moment nichts mehr zu sagen zu haben scheinen. Ein bisschen melancholisch, vor allem detailreich und dadurch auf unkonvontionelle Weise spannungsgeladen. Empfehlenswert für alle, die eine besondere Beobachtungsgabe zu schätzen wissen.

Humor: ●○○○○
Anspruch: ●●●●○
Spannung: ●●●○○
Liebe: ●●○○○
Erotik: ●●○○○
Originalität: ●●●●○

Weitere gern gelesene Eindrücke dazu:

Perlentaucher* • Literaturkritik: Charlotte Brombach*

Eure Hannah 🙂

*DIESE LINKS FÜHREN ZU EXTERNEN SEITEN, AUF DENEN IHR MEHR INFORMATIONEN ZUM JEWEILIGEN SCHLAGWORT FINDET. DAS KÖNNEN Z.B. VERLAGSSEITEN SEIN, NACHRICHTENSEITEN ODER HOMEPAGES DER AUTOREN. DIE VERLINKUNGEN ERFOLGEN FREIWILLIG UND WERDEN NICHT VERGÜTET.

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