Find me, Finde mich von André Aciman

[Rezension] Find me, Finde mich von André Aciman

Erst durch die Verfilmung im Jahre 2017 wurde ich auf Call Me by Your Name aufmerksam – ein Buch, das mich in Poesie und Sinnlichkeit wahnsinnig beeindruckt hat. Über zehn Jahre später meldet sich Aciman mit einer sogenannten Fortschreibung der Geschichte um Elio und Oliver zurück. Allerdings ist Find me, finde mich* nicht unbedingt das, was man von einer Weitererzählung der Geschichte erwarten würde. Elio und Oliver kommen nämlich verhältnismäßig wenig zu Wort. Das Buch ist im Juli 2020 im dtv Verlag erschienen, hat 296 Seiten und kostet 22,00 €.

Kurzbeschreibung Inhalt

Erste Geschichte: Ein Mann begegnet einer deutlich jüngeren Frau im Zug auf dem Weg nach Rom, wo er seinen Sohn treffen soll. Der Mann und die Frau gehen ihren Weg vorerst gemeinsam und fragen sich, ob dieser Weg für sie bestimmt war.

Zweite Geschichte: Ein junger Mann lernt einen deutlich älteren während eines Konzerts kennen. Auch ihre Wege laufen für einige Zeit parallel.

Dritte Geschichte: Ein Mann denkt immer wieder an seine Jugendliebe, während er von seinem derzeitigen Wohnort Abschied nimmt. Auf seiner Party nimmt er all diejenigen Verbindungen zu Personen wahr, die er nun nicht mehr fortführen kann.

Letzte Geschichte: Elio und Oliver treffen aufeinander.

Meine Meinung

Wahrscheinlich haben alle, die Call Me by Your Name lieben, auf eine intensive Fortsetzung ihrer Liebe gehofft. Das ist jedoch nicht das, was uns Find me, finde mich* zu bieten hat.

Die erste und längste Geschichte handelt von Elios Vater, der sich nach seiner Scheidung auf eine neue Frau einlässt. Die Unsicherheit, wie das Gegenüber empfindet, ob eine Verbindung trotz des großen Altersunterschieds überhaupt denkbar wäre, macht den Großteil dieser Momentaufnahme aus. Bruchstücke aus Elios Leben finden ihren Weg hinein: Er ist inzwischen Konzertpianist und Dozent für Musik. In der zweiten Geschichte wird dies nun viel deutlicher: Wir begleiten Elio dabei, wie er nach langer Zeit alleine wieder eine Verbindung zu einem deutlich älteren Mann eingeht. Auch hier spielt die Unsicherheit, ob der so viel jüngere oder so viel ältere Partner überhaupt Interesse hat, ob diese Verbindung überhaupt sein sollte, eine übergeordnete Rolle. Und so sehr Elio diese Verbindung genießt, ist eines stets klar: Nichts wird je auch nur ansatzweise an das herankommen, was er einst mit Oliver geteilt hat. Auch Oliver denkt stets an Elio zurück. Er spricht sogar zu ihm, obwohl er ihn nicht hören kann. Und schließlich finden sie sich, doch erst auf den allerletzten Seiten.

Für mich ist klar, dass viele vom Buch enttäuscht sein könnten, die mehr von Elio und Oliver wollten. Letztendlich ist das aber nur der Kern der Geschichte, das Innerste, worauf sie hinausläuft und worauf sie aufbaut. Vielmehr beschreibt sie verschiedenste Verbindungen zwischen Menschen, die außerhalb der gesellschaftlichen Erwartungen liegen. Die zeigen, dass es für die Liebe nie zu spät ist und dass sie überall gefunden werden kann. Wer das Buch nicht als Fortsetzung sieht, sondern als Erweiterung betrachtet, wird jedoch voller Freuden wieder abtauchen in die Welt um Elio und Oliver, wird in Acimans Schreibstil versinken und sich geborgen und aufgehoben fühlen.

Fazit

Bei Find me, finde mich* ist vor allem die Erwartungshaltung entscheidend, mit der man an die Geschichte herantritt. Wer eine Fortsetzung der leidenschaftlichen Liebe zwischen Elio und Oliver sucht, wird enttäuscht werden – denn die beiden finden sich erst ganz zum Schluss und bilden damit den Kern dieses Werkes. Die längste Geschichte zeigt eine Momentaufnahme aus dem Leben von Elios Vater, der seiner neuen Liebe begegnet. Bruchstückhaft erfahren wir immer mehr darüber, was Elio und Oliver in den Jahren danach erlebt haben – gertrennt voneinander. Doch begleitet haben sie sich gegenseitig immer. Ein Schwerpunkt in allen vier Geschichten liegt auf dem Thema Altersunterschied und ob eine Liebe so überhaupt Bestand haben kann, fernab von gesellschatlichen Erwartugen. Doch vor allem zeigt sie uns, dass wir stets auf unser Herz hören sollten. Ich habe mich wieder vollkommen in Acimans Schreibstil verloren.

Humor: ●●○○○
Anspruch: ●●●●○
Spannung: ●●○○○
Liebe: ●●●●○
Erotik: ●●○○○
Originalität: ●●●○○

Weitere gern gelesene Eindrücke dazu:

Buchstabenträumerei* • Pfeil und Bogen* • Sophias Bookplanet*

Eure Hannah 🙂

*DIESE LINKS FÜHREN ZU EXTERNEN SEITEN, AUF DENEN IHR MEHR INFORMATIONEN ZUM JEWEILIGEN SCHLAGWORT FINDET. DAS KÖNNEN Z.B. VERLAGSSEITEN SEIN, NACHRICHTENSEITEN ODER HOMEPAGES DER AUTOREN. DIE VERLINKUNGEN ERFOLGEN FREIWILLIG UND WERDEN NICHT VERGÜTET.

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