Darius der Große fühlt sich klein von Adib Khorram

[Rezension] Darius der Große fühlt sich klein von Adib Khorram

Es gibt inzwischen wirklich viele Jugendbücher mit queeren Charakteren, doch die meisten befassen sich vorrangig mit dem Coming-out und/oder erzählen eine Liebesgeschichte. So sehr ich mich darüber freue, dass sich der Deutsche Buchmarkt nach und nach queeren Charakteren als Selbstverständlichkeit öffnet, so sehr fehlt mir doch hin und wieder die Vielfalt. Oft sind es die kleinen Verlage, die mutig genug sind, etwas abseits des Mainstreams zu veröffentlichen. Und so war es auch mit Darius der Große fühlt sich klein* von Adib Khorram, worin vor allem Freundschaft und die Persische Kultur eine Rolle spielen. Das Buch ist im November 2020 im Lago Verlag erschienen, hat 336 Seiten und kostet 12,99 €.

Kurzbeschreibung Inhalt

Darius liebt Tee. Das ist allerdings auch fast seine einzige Verbindung zur Persischen Kultur, obwohl seine Mutter Iranerin ist. Seine Großeltern kennt er nur als zweidimensionale Gestalten, die regelmäßig mit der Familie über Skype in Verbindung stehen. In der Schule erfährt Darius leider größtenteils Mobbing. Er hat genau wie sein Vater Depressionen und durch die Medikamente ein paar Pfunde mehr auf den Rippen. Und ständig begleitet ihn das Gefühl, zu versagen und nicht gut genug zu sein. Als es seinem Großvater plötzlich schlechter geht, reist die ganze Familie in den Iran. Darius lernt seine Wurzeln kennen und erfährt das erste Mal, was Freundschaft bedeutet.

Meine Meinung

Darius der Große fühlt sich klein* ist ein echtes Wohlfühlbuch. Darius wird als Außenseiter beschrieben und man fühlt sofort mit ihm. Man spürt die Ohnmacht, die Darius durch das stetige Mobbing ausgesetzt ist, das sich nicht nur durch die Schule zieht, sondern ihn sogar bis an den Teeladen verfolgt, in dem er jobbt. Darius‘ Vater wiederum gibt ihm unmissverständlich zu verstehen, dass er es selbst in der Hand hat, ob er das Mobbing zulässt, was Darius nur noch kleiner fühlen lässt. Die Ausgangssituation hat mit Wohlfühlen also nicht viel zu tun – warum fühlt es sich trotzdem so versöhnlich an?

Im Iran bekommt Darius eine neue Chance. Er lernt seine persische Familie zum ersten Mal persönlich kennen und wird so herzlich aufgenommen, dass er diese selbstverständliche Liebe und Wertschätzung kaum annehmen kann. Er fühlt sich das erste Mal irgendwie aufgehoben und zugehörig, wenn das für ihn persönlich eine große Herausforderung darstellt: sich zugehörig fühlen und sich durch seine dunklen Gedanken nicht selbst ins Aus katapultieren.

Im Nachbarsjungen Sohrab findet Darius das erste Mal so etwas wie Freundschaft. Er begegnet ihm vollkommen unvoreingenommen und führt ihn wieder an Fußball heran, ein Sport, den Darius in den USA aufgegeben hat, nachdem er seine ersten Antidepressiva bekommen hat. Darius hat immer wieder mit seinen Dämonen zu kämpfen, doch findet er durch Sohrab nicht nur mehr zu sich selbst, sondern kommt auch seinem Vater nach Jahren des Rückzugs wieder ein Stück näher. Er lernt, wie man sich in andere hineinversetzt und vor allem, was echte Freundschaft bedeutet.

Dass Darius homosexuell ist, wird in dieser Geschichte nicht thematisiert, jedoch lassen viele kleine Hinweise seine sexuelle Orientierung vermuten, nicht zuletzt dadurch, wie er den männlichen Körper wahrnimmt. Da gerade die Fortsetzung Darius the Great Deserves Better* in Originalsprache erschienen ist, in der Darius in seiner ersten Beziehung mit einem Jungen steckt, wurde diese Vermutung nun bestätigt.

Fazit

Darius der Große fühlt sich klein* ist ein Buch für die Seele. Durch seine Depressionen und das Mobbing, das Darius tagtäglich erfährt, steckt er in keiner guten Ausgangslage, um mehr zu sich selbst zu finden. Doch der kleine Neuanfang im Iran bietet Darius alles, was es dazu braucht. Eine herzliche Familie, die ihm seine unendliche Liebe zeigt, Sohrabs Unvoreingenommenheit, aus der die größte Freundschaft wächst, die Darius je kennengelernt hat und die Kultur seiner Wurzeln, mit der er sich nie intensiv beschäftigt hatte. Die Geschichte ist wahnsinnig warmherzig und es ist so schön, mal ein Jugendbuch mit queerem Protagonisten zu lesen, in dem es mal nicht ums Coming-out oder die erste Liebe geht, sondern einfach nur um das Leben selbst und die Erfahrung echter Freundschaft.

Humor: ●●○○○
Anspruch: ●●●○○
Spannung: ●●●○○
Liebe: ●●○○○
Erotik: ●○○○○
Originalität: ●●●○○

Weitere gern gelesene Eindrücke dazu:

BuchAviso* • Regaloffensive*

Eure Hannah 🙂

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6 Gedanken zu “[Rezension] Darius der Große fühlt sich klein von Adib Khorram

  1. Hallo Hannah,
    ich kann dir nur zustimmen. Das ist ein wirklich tolles Buch! Ich habe es mir aufgrund deiner Buchempfehlungen gekauft und hoffe sehr, dass auch die Fortsetzung ins Deutsche übersetzt wird.
    Liebe Grüße
    Claudia

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Claudia,

      ohja, das wäre so schön, wenn sie auch die Fortsetzung übersetzen würden! 🙂 Da es ein eher kleiner Verlag ist, habe ich da noch Hoffnung… Freut mich, dass es dir auch so gefallen hat!

      Liebe Grüße, Hannah

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  2. Hui, das klingt nach einem Jugendbuch, in das ich tatsächlich mal reingucken werde. Und dann auch gern auf Englisch. Ansonsten interessiert mich YA schon seit Jahren nicht mehr besonders, obwohl es da die meisten queeren Figuren gäbe.

    Gefällt 1 Person

    • Ich glaube auch, dass sich dieses Buch besonders gut auf Englisch lesen lässt. Und dann hast du damit natürlich den Vorteil, dass du gleich Teil 2 hinterherschieben kannst, wenn dir Teil 1 gefallen hat – weil es auf Englisch ja schon erschienen ist. 😀 Falls du das Buch liest, wünsche ich dir viel Spaß! 🙂

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  3. […] Darius der Große fühlt sich klein hat mich aus einer mittelschweren Leseflaute gezogen und mich warm eingehüllt, es ist einfach ein Buch für die Seele! Es geht darin um Darius, der durch seine Depressionen und das Mobbing, das er tagtäglich erfährt, in keiner guten Ausgangslage steckt, um mehr zu sich selbst zu finden. Doch ein kleiner Neuanfang im Iran, bietet Darius alles, was es dazu braucht. Eine herzliche Familie, die ihm seine unendliche Liebe zeigt, Sohrabs Unvoreingenommenheit, aus der die größte Freundschaft wächst, die Darius je kennengelernt hat und die Kultur seiner Wurzeln, mit der er sich nie intensiv beschäftigt hatte. Die Geschichte ist wahnsinnig warmherzig und es ist so schön, mal ein Jugendbuch mit queerem Protagonisten zu lesen, in dem es mal nicht ums Coming-out oder die erste Liebe geht, sondern einfach nur um das Leben selbst und die Erfahrung echter Freundschaft. […]

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