Die besten queeren Bücher 2020

[Highlights] Die besten queeren Bücher 2020

Heute ist der letzte Tag des Jahres und ich hoffe, ihr habt Lust, mit mir das Lesejahr 2020 Revue passieren zu lassen! In diesem Beitrag werfen wir einen Blick auf diejenigen queeren Bücher, die ich im Jahr 2020 am besten fand und die mir am meisten im Gedächtnis geblieben sind. Die ausgesuchten Bücher in diesem Beitrag zählen zu meinen absoluten Jahreshighlights. Zur Auswahl standen alle LGBT+-Bücher, die ich im Jahr 2020 gelesen habe und die auch (bis auf eine kleine Ausnahme) im selben Jahr erschienen sind. Es war gar nicht so einfach mich festzulegen, denn auch in diesem Jahr sind wieder viele tolle Bücher erschienen. Die Reihenfolge ist alphabetisch und nicht nach einer Rangliste festgelegt und die Links führen euch zu den jeweiligen Rezension.

Darius der Große fühlt sich klein von Adib Khorram

Darius der Große fühlt sich klein von Adib Khorram
Darius der Große fühlt sich klein Cover (© Lago Verlag)

Darius der Große fühlt sich klein hat mich aus einer mittelschweren Leseflaute gezogen und mich warm eingehüllt, es ist einfach ein Buch für die Seele! Es geht darin um Darius, der durch seine Depressionen und das Mobbing, das er tagtäglich erfährt, in keiner guten Ausgangslage steckt, um mehr zu sich selbst zu finden. Doch ein kleiner Neuanfang im Iran, bietet Darius alles, was es dazu braucht. Eine herzliche Familie, die ihm seine unendliche Liebe zeigt, Sohrabs Unvoreingenommenheit, aus der die größte Freundschaft wächst, die Darius je kennengelernt hat und die Kultur seiner Wurzeln, mit der er sich nie intensiv beschäftigt hatte. Die Geschichte ist wahnsinnig warmherzig und es ist so schön, mal ein Jugendbuch mit queerem Protagonisten zu lesen, in dem es mal nicht ums Coming-out oder die erste Liebe geht, sondern einfach nur um das Leben selbst und die Erfahrung echter Freundschaft.

Das Konsortium oder: Die ungenaue Zeit von Martin Gries

Das Konsortium oder: Die ungenaue Zeit Cover (© Ueberreuter)
Das Konsortium oder: Die ungenaue Zeit Cover (© Ueberreuter Verlag)

Das Konsortium oder: Die ungenaue Zeit hat mich total überrascht. Es ist ein anspruchsvolles Jugendbuch, bei dem man viel zwischen den Zeilen lesen, es lädt zum Mit- und Weiterdenken ein und wird deshalb allen, die sich sonst gerne von Geschichten berieseln lassen, nicht gefallen. Das Ende ist erst der Anfang, den wir anschließend ausführlich in unseren Köpfen weiterspinnen müssen. Die Geschichte liest sich für mich wie eine Dystopie – und das ist sie auch gewissermaßen – nur betrachtet aus der Vergangenheit. Denn Mechanik, Zahnräder und Dampfantrieb, spielen hier die Hauptrolle, es handelt sich also um Steampunk. Es geht um Charles und Marietta, die beide etwas Verbotenes besitzen und deshalb untertauchen und sich bedeckt halten müssen. Beide haben ihre eigenen Geschichten, doch diese Geschichten verbinden sich irgendwann zu einer gemeinsamen. Dass Marietta mehr an Frauen als an Männern interessiert ist, wird nach und nach deutlich, jedoch spielt es für die Handlung eine eher untergeordnete Rolle (so, wie es meiner Meinung nach häufiger sein sollte). Ebenso wird die Wahrnehmung der Geschlechterrollen thematisiert. Für mich ist dieses Buch ein wahres Highlight deutschsprachiger (queerer) Jugendliteratur!

Ich bin Gideon von Tamsyn Muir

Ich bin Gideon von Tamsyn Muir
Ich bin Gideon Cover (© Heyne Verlag)

Wenn ihr spannende, weiblich-queere Literatur abseits der Norm sucht – dann bitte lest Ich bin Gideon! Der Schreibstil trieft vor schwarzhumorigem Sarkasmus und sticht damit aus der Masse der romantischen, queeren Literatur hervor. Gideon ist ein Badass-Girl, eine Antiheldin, definitiv polarisierend. Dass sie auf Frauen steht, lebt sie selbstverständlich in jedem Atemzug, thematisiert wird ihre Homosexualität jedoch nie. Die Welt, in der die Geschichte spielt, könnte ziemlich düster wirken, so voll von Skeletten, lebenden Toten und brutalen Morden. Doch der unvergleichliche Humor lässt das alles in einem lockerleichten Licht erstrahlen, in das man nur sich zu gern hineinziehen lässt. Eine besondere Geschichte, bei der ihr sicher nicht vorausahnt, was als nächstes passiert. Großartige, queere Unterhaltung!

Ich bin Linus von Linus Giese

Ich bin Linus von Linus Giese
Ich bin Linus Cover (© Rowohlt Verlag)

Linus Giese hat mich mit seinem sehr persönlichen Buch Ich bin Linus sehr beeindruckt und zum Nachdenken angeregt. Er zeigt, dass das Verständnis von Männlichkeit und wann man denn nun als Mann gilt, alleine von einem selbst abhängen. Fühlst du dich gut und wohl in deinem Körper? Dann ist er richtig so. Linus ist trans, hat sich als Blogger einen Namen gemacht und ist Buchhändler aus Leidenschaft. Er gibt uns Einblicke in sein ganz persönliches Leben, wir erleben Digitale Gewalt, die er durch seine Medienpräsenz erfährt. Er zeigt uns jedoch auch, wie wir besonders Sprache als Mittel nutzen können, um bestehende Grenzen aufzubrechen und besser miteinander umzugehen.

Und dieses verdammte Leben geht einfach weiter von Hansjörg Nessensohn

Und dieses verdammte Leben geht einfach weiter Cover (© Ueberreuter Verlag)
Und dieses verdammte Leben geht einfach weiter Cover (© Ueberreuter Verlag)

Und dieses verdammte Leben geht einfach weiter ist in dieser Liste eine kleine Ausnahme – denn das Buch ist schon im Jahr 2019 erscheinen. Allerdings fand ich es so gut, dass ich es unbedingt mitaufnehmen musste, denn hätte ich es letztes Jahr gelesen, wäre es definitiv in dem Highlights 2019 gelandet! Es ist ein mitreißendes und tiefgehendes Debüt von Hansjörg Nessensohn, das ich besonders denjenigen Lesern empfehlen möchte, die gerne intensive, schwere Geschichten lesen. Das Buch zerstört einen ein bisschen, baut einen zum Ende hin allerdings auch wieder sehr auf. Es geht um die besten Freunde Timon und Sunny die ihr Abitur mit einen Roadtrip nach Mallorca feiern und dort einige Wochen im Ferienhaus von Sunnys Eltern verbringen wollen. Allerdings ist Timon heimlich in Sunny verliebt. Sunny ist schwanger – von ihrem Ex-Freund – und hat sich Timon noch nicht anvertraut. Auf dem Weg sammeln sie den trampenden Jonas auf, der zurück an den Ort will, wo vor zwei Jahren seine vierjährige Schwester spurlos verschwunden ist, weil er sie alleingelassen hat. Einer der drei Protagonisten ist schwul und ich bin begeistert davon, wie selbstverständlich und offen hier mit Sexualität umgegangen wird. Davon können sich viele Autoren noch eine Scheibe abschneiden. Dicke Empfehlung!

Was Preema nicht weiß von Sameena Jehanzeb

Was Preema nicht weiß Cover (© Sameena Jehanzeb)
Was Preema nicht weiß Cover (© Sameena Jehanzeb)

Sameena Jehanzeb ist nicht nur eine meiner liebsten deutschsprachigen Own-Voices-Autorinnen, sondern hat mit ihrem ersten selbstverlegten Buch Was Preema nicht weiß auch noch den diesjährigen Selfpublishing-Buchpreis gewonnen. Ihre Geschichten sind immer ein bisschen düster und schwer, was auch hier nicht zu kurz kommt. Doch in dieser sehr persönlichen schafft sie es gleichzeitig, uns mit einem versöhnlichen und lebensbejahenden Gefühl zurückzulassen. Es geht um Preema, die nach dem Weltuntergang in einem weißen Nichts erwacht und ihr Gedächtnis verloren hat. Auf einer scheinbar makellosen Lichtung trifft sie auf weitere Überlebende, doch bald tauchen dunkle Schemen, die die Überlebenden beobachten. Und ein gigantischer Strudel, der mit schönen Erinnerungen lockt und alle, die ihm zu nah kommen, in die Tiefe reißt. Science Fiction, Fantasy, Thriller, Drama, Romantik – so ganz will sich dieses Buch nirgendwo einfügen und sticht damit aus der Masse hervor. Gleichzeitig ist es topaktuell – denn der Umgang mit Krisen und die Bedeutung des Klimaschutzes sind selbstverständlich Teil unserer nahen Zukunft. Wer auf der Suche nach einem authentischen, aufwühlenden, doch auch herzlichen Own-Voices-Roman mit bisexueller PoC ist, greife bitte zu!

Habt ihr eines oder sogar mehrere der Bücher gelesen? Was waren eure queeren Buchhighlights in 2020?

Eure Hannah 🙂

*DIESE LINKS FÜHREN ZU EXTERNEN SEITEN, AUF DENEN IHR MEHR INFORMATIONEN ZUM JEWEILIGEN SCHLAGWORT FINDET. DAS KÖNNEN Z.B. VERLAGSSEITEN SEIN, NACHRICHTENSEITEN ODER HOMEPAGES DER AUTOREN. DIE VERLINKUNGEN ERFOLGEN FREIWILLIG UND WERDEN NICHT VERGÜTET.

4 Gedanken zu “[Highlights] Die besten queeren Bücher 2020

  1. Hey Hannah =)

    Mein queeres Buchhighlight 2020 war ebenfalls „Ich bin Gideon“. Gerade habe ich den Nachfolger „Harrow the Ninth“ auf Englisch gelesen, der aber wohl erst September 2021 auf Deutsch erscheinen soll. Der war um ein Vielfaches verwirrender, aber auch ähnlich gut, besonders in queerer Hinsicht. Sehr gerne mochte ich auch „Wasteland“ von Judith und Christian Vogt, das konnte auch viel. Sagt dir das was?

    Aktuell warte ich auf „Alle Vögel unter dem Himmel“ von Charlie Jane Anders, das mir empfohlen wurde und hoffentlich demnächst in meinem Briefkasten liegt. Mal sehen, wie das wird.

    Ansonsten hoffe ich, du bist gut und gesund in das neue Jahr gestartet.

    Liebe Grüße,
    Nico
    Mein Jahresrückblick 2020

    Gefällt 1 Person

    • Hallo Nico,

      wow, ich bin begeistert von deinem Jahresrückblick – du hast ja wirklich einen Blick auf alles geworfen, auch die Statistiken finde ich cool! Freut mich, dass „Ich bin Gideon“ auch eines deiner Highlights war. Auf die Fortsetzung bin ich auch gespannt und werde nach deiner Beschreibung aber erst recht auf die Übersetzung warten, weil ich den ersten Band schon etwas verwirrend fand 😀 „Wasteland“ habe ich vor allem im Zusammenhang mit nicht-binären Charakteren gehört und dass die Darstellung dort besonders gut war. Sonst weiß ich allerdings nicht so viel darüber. 🙂 Und „Alle Vögel unter dem Himmel“ klingt richtig gut! Ich wünsche dir auf jeden Fall ganz viel Spaß beim Lesen!

      Liebe Grüße und auch dir einen guten Start ins neue Jahr,
      Hannah

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      • Hey Hannah,

        vielen lieben Dank =) Ja, ich werde die Fortsetzung noch einmal auf Deutsch lesen. Die zeitlich verschobenen Abläufe und das teilweise sehr spezielle Vokabular haben für mich im englischen doch einige Lücken hinterlassen. Wobei das Buch sicher auch von einem zweiten Lesedurchgang profitiert, weil es der Leser*in das Verständnis nicht immer leicht macht =) Ich habe mir auch zwischendurch die ein oder andere Zusammenfassung durchgelesen, weil ich so verwirrt war. Das soll aber nicht heißen, dass das Buch nicht trotzdem echt gut und spannend ist!

        Ich wünsche dir ein tolles Lesejahr 2021 und bin schon gespannt, welche queeren Schätze du ausgraben wirst =)

        Liebe Grüße,
        Nico

        Gefällt 1 Person

      • Dankeschön 🙂 und deine Beschreibung hat mich keinesfalls abgeschreckt – im Gegenteil. Das klingt einem spannenden und komplexen Buch!

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