Sie liebt mich. Sie liebt mich nicht. Cover (© Knaur Verlag)

[Rezension] Sie liebt mich. Sie liebt mich nicht. von Sarah Stovell

Als ich kürzlich durch Zufall wieder mit einer Jugendfreundin in Kontakt kam, erzählte sie mir von ihrer Dissertation, wofür sie aktuell Literatur des Genres »Domestic Noir« untersucht. Ich als Laie hatte davon noch nie gehört, aber schnell war klar, dass sich dieses Genre in den letzten Jahren größter Beliebtheit erfreut hat – von »Gone Girl« über »Big Little Lies« hin zu »Girl on the Train«. Charakteristisch für Domestic Noir Fiction ist die Umkehrung des sicheren Zuhauses in eine Bedrohung. Wenn sich also z.B. der eigene Partner als Psychopath herausstellt oder ihm einfach nicht mehr zu trauen ist. Doch gibt es solche Bücher auch über gleichgeschlechtliche Beziehungen? Das habe ich in meiner Instagram-Story gefragt und viele hilfreiche Tipps bekommen. Das Buch, das am nahesten herankam, war Sie liebt mich. Sie liebt mich nicht.* (Originaltitel: Exquisite) von Sarah Stovell. Und die Geschichte klang so vielvesprechend, dass ich sie direkt lesen musste. Das Buch ist im Juni 2019 erschienen, hat 352 Seiten und kostet 14,99 €.

Kurzbeschreibung Inhalt

Im Mittelpunkt steht Bo, erfolgreiche Schriftstellerin, die zurückgezogen mit ihren beiden Töchtern und ihrem Mann in den Bergen lebt und die in einem Schreibkurs die jüngere, schöne und faszinierende Alice kennenlernt. Mit der Zeit entspinnt sich zwischen ihnen eine kaum aufzuhaltende Liebe, doch wer ist bereit wie viel zu opfern? Und wem kann man eigentlich glauben? Zwischen den Kapiteln werden Szenen aus dem Frauengefängnis beschrieben, ohne einen Hinweis darauf, welche der beiden Frauen am Ende dort landet.

Meine Meinung

Sie liebt mich. Sie liebt mich nicht.* von Sarah Stovell habe ich einfach nur genossen. Es steht zwar Thriller drauf, und es ist auch durchaus spannend und psychologisch vertrackt. Allerdings muss man dazusagen, dass es nicht um Leben und Tod geht, sondern eher um Manipulation und die Wahrung des Scheins nach außen, um das soziale Leben zu sichern. Die obsessive Liebesgeschichte entwickelt sich schnell zum Pageturner. Und immer mehr versucht man Anzeichen dafür zu finden, welche der beiden Frauen die Verrückte ist und am Ende im Gefängnis landet.

Alles beginnt ganz harmlos, als Bo und Alice sich beim Schreibworkshop begegnen, eine gewisse Anziehung empfinden, aus der eine Freundschaft und mit der Zeit eine Liebe entsteht. Die erste Hälfte des Romans liest sich tatsächlich wie eine Liebesgeschichte – mit dem Unterschied, dass die Stimmung irgendwann kippt. Bis es kein Halten mehr gibt.

Ich mochte es, wie selbstverständnlich die Queerness der Charaktere behandelt wird. Beiden Protagonistinnen fällt es zwar auf, dass die jeweils andere eine Frau ist und dass sie sich davor noch nicht in eine Frau verliebt hatten, allerdings akzeptieren sie diesen Umstand sehr schnell hinterfragen ihn nicht zu intensiv. Das könnte dem ein oder anderen zu einfach sein; ich mag jedoch die Message dahinter: Sexualität ist nicht in Stein gemeißelt und jede Ausprägung ist gesellschaftlich akzeptiert. Warum sich also unnötig einen Kopf machen?

Der Knaller ist allerdings der Twist am Ende. Irgendwann scheint dem Leser klar zu sein, auf wessen Seite er sich schlagen kann, wer Täter und wer Opfer ist. Doch am Schluss… Sarah Stovell schafft es mit nur einem einzigen Satz alles, was man glaubte zu wissen, infrage zu stellen. Man überdenkt jede Szene erneut und möchte am Liebsten nochmal von vorne beginnen, um mit dieser neuen Erkenntnis auf die richtigen Zeichen zu achten.

Fazit

Sie liebt mich. Sie liebt mich nicht.* ist eine spannende und unterhaltsame Mischung aus Liebesroman und Psychothriller, die ich sehr genossen habe. Sie zeigt, dass durchaus auch gleichgeschlechtliche Beziehungen im Genre Domestic Noir vertreten sind und ist besonders empfehlenswert für Leser, die keine Nerven aus Stahl haben – denn der Horror hält sich in Grenzen. Gleichzeitig ist besonders der Twist am Ende einfach der Knaller – man stellt plötzlich alles in Frage und möchte direkt wieder von vorne beginnen!

Humor: ●○○○○
Anspruch: ●●●○○
Spannung: ●●●●○
Liebe: ●●●●○
Erotik: ●○○○○
Originalität: ●●●○○

Weitere gern gelesene Eindrücke dazu:

Krimicouch* • Krimines Bücherblog* • Papierflügel*

Eure Hannah 🙂

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