LGBT-Kinderbücher

[Buchtipp] LGBT-Kinderbücher

Bücher waren in meinem Leben irgendwie schon immer da. Jeden Abend haben meine Eltern mir vorgelesen, bis ich schließlich selbst lesen konnte. Dann habe ich den Spieß umgedreht und meine Eltern und kleine Schwester in den Schlaf gelesen. Auch Kinder wollen sich repräsentiert fühlen – egal ob sie nun selbst queer sind oder vielleicht gleichgeschlechtliche Eltern haben. Außerdem kann man Kindern durch Bücher sehr früh ein Gefühl für Akzeptanz und Normalität verschiedener Lebensformen vermitteln. Deshalb eignen sich Bücher, die queere Themen beinhalten, auch besonders für Kitas, Kindergärten und heteronormative Familien, um ihren Kindern einen Blick über den Tellerrand zu ermöglichen. In den letzten Jahren sind immer mehr LGBT+-Kinderbücher erschienen, von denen ich einige ausgewählt habe, die ich nachfolgend vorstelle. 🙂

Zwei Papas für Tango

Zwei Papas für Tango Cover (© Thienemann-Esslinger Verlag)
Zwei Papas für Tango Cover (© Thienemann-Esslinger Verlag)

Zwei Papas für Tango* von Edith Schreiber-Wicke und Carola Holland erzählt die wahre Geschichte der beiden männlichen Pinguine Roy und Silo, die im New Yorker Zoo gemeinsam ein Ei ausgebrütet und dadurch den kleinen Tango in die Welt gesetzt haben. Die beiden waren schon immer nur zu zweit unterwegs, und als die Tierpfleger sie kurzzeitig trennten, damit sie sich mit Pinguindamen paaren, haben sie es kaum ausgehalten und verweigerten sogar ihr Essen. Die Geschichte eignet sich auch besonders für Kinder, die selbst nicht Teil einer Regenbogenfamilie sind, weil dem Argument »Aber zwei Männchen, das geht doch nicht! Die können kein Kind zusammen bekommen!« deutlich entgegnet wird, dass es eben doch geht und sie sich genauso liebevoll um ihr Baby kümmern wie heterosexuelle Paare. Dazu sind die Seiten wahnsinnig liebevoll illustiert und man fühlt sich beim Lesen einfach nur wohl. Das Buch ist im Januar 2017 im Thienemann-Esslinger Verlag erschienen, hat 32 Seiten, kostet 13,00 € und eignet sich für Kinder ab 4 Jahren.

Zwei Mamas für Oscar

Zwei Mamas für Oscar Cover (© Ellermann Verlag)
Zwei Mamas für Oscar Cover (© Ellermann Verlag)

In Zwei Mamas für Oscar* von Susanne Scheerer und Annabelle von Sperber erfahren wir, wie der kleine Oscar eigentlich zu seinen beiden Mamas kam. Hier liegt der Fokus besonders auf der Liebe, die die beiden Mütter füreinander empfinden und ihrem großen Wunsch, ein Baby zu bekommen. Da es durch Hüpfen, Kuscheln und in die Wolken schauen nicht klappt, kommt ein befreundetes heterosexuelles Ehepaar ins Spiel, das ihnen ihren Samen spendet. Es wird ebenfalls erklärt, dass zwei Fauen eben doch gemeinsam ein Kind zeugen können, indem die eine der anderen dem Samen einführt. Im Vergleich zu Zwei Papas für Tango* wird in diesem Buch die Zeugung und Entstehung eines Kindes sehr explizit, allerdings wunderbar kindgerecht dargestellt. Nach der eigentlichen Geschichte folgt ein Teil, in dem genau dieser medizinische Hintergrund zur Schwangerschaft erklärt wird. Daher eignet sich das Buch besonders für Familien mit Kindern, die ganz genau wissen wollen, wie zwei Frauen zusammen ein Kind bekommen können und wo sie vielleicht sogar selbst herkommen. Das Buch ist im August 2018 im Ellermann Verlag erschienen, hat 32 Seiten, kostet 15,00 € und eignet sich für Kinder ab 4 Jahren.

PS: Es gibt Lieblingseis

PS: Es gibt Lieblingseis Cover (© Marta Press)
PS: Es gibt Lieblingseis Cover (© Marta Press)

PS: Es gibt Lieblingseis* von Luzie Loda ist ein Kinderbuch, das sich mit Intergeschlechtlichkeit beschäftigt. Bella wird eingeschult, doch die plötzliche Geschlechtertrennung der Toiletten oder im Sport macht den Anfang gar nicht so leicht. Mit einfachen Vergleichen wird klar, dass nicht alles so einfach in zwei Gruppen aufgeteilt werden kann, sondern dass man sich manchmal zwei Gruppen gleichermaßen zugehörig fühlen kann oder auch gar keiner. Dass Bella sowohl etwas von einem Jungen als auch etwas von einem Mädchen hat, nehmen die Klassenkameraden jedoch schnell auf. Im Buch befindet sich sowohl ein Vorwort von Lucie Veith (Intersexuelle Menschen e.V.) als auch Fragen und Anregungen, wie man mit Kindern über Intergeschlechtlichkeit und im Speziellen über dieses Buch sprechen kann. Empfehlen würde ich das Buch sowohl Kindern, die selbst inter sind, um Wege zu finden anderen ihr Geschlecht zu erklären, als auch Lehrern oder Kindergärten, die ein intergschlechtliches Kind betreuen. Ich freue mich, dass mit diesem Buch die Akzeptanz dafür geschaffen wird, dass sich intergeschlechtliche Menschen nicht zwangsläufig für ein Geschlecht entscheiden müssen, sondern sich in ihrem Körper auch so pudelwohl fühlen können. Das Buch ist im Mai 2018 bei Marta Press erschienen, hat 44 Seiten, kostet 16,00 € und eignet sich für Kinder ab 4 Jahren.

Ach, so ist das!

Ach, so ist das! Cover (© Ellermann Verlag)
Ach, so ist das! Cover (© Ellermann Verlag)

Ach, so ist das!* von Henriette Wich und Anja Grote schließt alle möglichen queeren Themen mit ein. Das Besondere daran ist, dass es kein explizit queeres Kinderbuch ist, sondern einfach ein Aufklärungsbuch, das Kindern erklärt, was sie wissen wollen. Ob es die erste Verliebtheit ist, verschiedene Arten von Liebe, Scham, Verantwortung oder Neugier – diese Geschichten bringen Kindern näher, wie sie mit ihren Gefühlen umgehen lernen und wie sie für sich selbst und für andere einstehen. Sie lernen, dass es unterschiedliche Familienformen gibt und dass manche Kinder weder Junge noch Mädchen sind – oder beides. Dabei ist der Unterton immer darauf bedacht, nicht zu werten, sondern Vielseitigkeit, auch in Bezug auf Geschlechterrollen, zuzulassen. Ich wünsche mir, dass dieses Buch bei allen Familien ein Zuhause findet, in allen Kindergärten und Kitas zu finden ist. Ich hätte mir als Kind genau dieses Buch gewünscht, um zu verstehen, dass viele Realitäten existieren und in Ordnung sind. Es unterstützt Kinder in einer offenen Weltanschauung und Akzeptanz gegenüber anderen. Das Buch ist im Januar 2019 im Ellermann Verlag erschienen, hat 128 Seiten, kostet 15,00 € und eignet sich für Kinder ab 4 Jahren.

Zusatz: Das große Regenbogen Märchenbuch

Das große Regenbogen Märchenbuch © Jule Markwald und Lisa Mareike Hees
Das große Regenbogen Märchenbuch © Jule Markwald und Lisa Mareike Hees

Da es in meinen Augen nie genug queere Bücher und insbesondere queere Kinderbücher gibt, möchte ich euch noch auf das Kickstarterprojekt* von Jule Markwald hinweisen, in dem sie ein queeres, feministisches Märchenbuch für Kinder ab 4 Jahren präsentiert. Für einen Unterstützungsbeitrag kann man sich jetzt schon ein oder zwei Exemplare des Märchenbuchs sichern, das Geschichten fern von traditionellen Geschlechterrollen erzählt und in denen Homosexualität oder trans Charaktere ganz normal sind. Das Projekt läuft noch bis zum 17. April 2019.

Ist etwas für euch dabei? Kennt ihr noch weitere queere Kinderbücher, die ihr empfehlen könnt? Ich freue mich auf eure Empfehlungen!

Eure Hannah 🙂

*DIESE LINKS FÜHREN ZU EXTERNEN SEITEN, AUF DENEN IHR MEHR INFORMATIONEN ZUM JEWEILIGEN SCHLAGWORT FINDET. DAS KÖNNEN Z.B. VERLAGSSEITEN SEIN, NACHRICHTENSEITEN ODER HOMEPAGES DER AUTOREN. DIE VERLINKUNGEN ERFOLGEN FREIWILLIG UND WERDEN NICHT VERGÜTET.
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8 Gedanken zu “[Buchtipp] LGBT-Kinderbücher

  1. Moin, ich hab derletzt zu einem sechsten Geburtstag „Ein Zebra unterm Bett“ verschenkt, der Beschenkte lebt in einer Hetero-Familie (mit asexy Patentante, also mir). Die Hauptfigur ist neu auf einer Schule (sie besucht die 2. Klasse) und deswegen ein bisschen unsicher. Dass sie zwei Papas hat, wird thematisiert, aber nicht dramatisiert. (Der Beschenkte nahm das dann auch ohne Rückfragen hin.) Sie findet ein sprechendes Zebra unter ihrem Hochbett und nimmt es mit in die Schule, bis Zoowärter es einfangen (Lösung wird nicht verraten). Insgesamt geht es darum, ein bisschen zu hinterfragen, was man „normal“ findet und wechen Sinn Vorschriften haben, und um Kiddies mit etwas ungewöhnlichen Familienkonstellationen Mut zu machen. Eigentlich für Erstleser (eben 2. Klasse) gedacht, aber der Beschenkte fand das auch zum Vorlesen nett und das Artwork ist wirklich sehr sympathisch.

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    • Das klingt wirklich spannend und das Buch kannte ich davor noch nicht! Schön, dass „andere“ Familienformen dadurch auch auf unkomplizierte und humorvolle Weise vermittelt werden. Die Idee mit dem Zebra ist ja wirklich etwas skurril und vielleicht genau das, womit man Kinder begeistern kann. 😀 Danke für den Tipp.

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