WILD von Ella Blix

[Rezension] Wild – sie hören dich denken von Ella Blix

Original deutschsprachige Literatur hat es auf unserem Buchmarkt nach wie vor schwer, und ganz besonders die von queeren AutorInnen. Doch Ella Blix zeigt, dass es auch anders geht! Hinter dem Autorinnenduo stecken die beiden erfolgreichen queeren Autorinnen Antje Wagner und Tania Witte, die auch jede für sich schon einige Bücher veröffentlicht haben. Mit Der Schein ist 2018 ihr erstes gemeinsames Jugendbuch erschienen, das mir viel Freude bereitet hat. Da kam ich nicht umhin, auch ihre neueste Veröffentlichung unter die Lupe zu nehmen. Das Buch ist im Mai 2020 im Arena Verlag erschienen, hat 376 Seiten und kostet 18,00 €.

Kurzbeschreibung Inhalt

Noomi, Flix, Olympe und Ryan – vier jugendliche Straftäter, die ins Resozialisierungscamp »Feel Nature« mitten in der Sächsischen Schweiz gesteckt werden. Doch Noomi ist aus einem ganz besonderen Grund hier: Sie will herausfinden, was vor einem Jahr mit ihr passiert ist, als sie einen stundenlangen Blackout hatte. Denn seitdem gehen merkwürdige Veränderungen an ihr vor. Als ob das noch nicht reicht, scheint irgendetwas die Vier zu beobachten und auch die drei Betreuer machen ihnen das Leben nicht gerade einfach…

Meine Meinung

Als allererster Tipp: Bitte lest nicht den offiziellen Klappentext! Der verrät nämlich schon so viel, dass man am Rätselraten nur halb so viel Spaß hat. Wenn ihr euch dagegen von einem Science-Fiction-artigen, mysteriösen, ja vielleicht sogar paranormalen Jugendthriller mit einer großen Portion Diversity überraschen lassen wollt, wird WILD – sie hören dich denken* von Ella Blix euch bestimmt gefallen.

WILD ist spannend

Ganz, ganz langsam wird den Lesenden bewusst, was in dieser Geschichte eigentlich vor sich geht. Der Schreibstil spielt mit Andeutungen, mit einem unheimlichen Gefühl, dass da ein Beobachter ist. Dass Dinge plötzlich verschwinden, dass kleine Veränderungen zutage treten, die erst in der Summe bedenklich sind. Wer aufmerksam liest, wird einige Dinge vorausahnen können. Wer eher überfliegt, wird von einem dunklen, unheilvollen Gefühl begleitet, bis sich alles entwirrt. Dadurch kann man kaum aufhören weiterzulesen, selbst dann, wenn man das Geheimnis schon vor den ProtagonistInnen gelüftet zu haben glaubt.

WILD ist skurril

Was den Charakteren passiert, ist unglaublich, merkwürdig, abgefahren. Am Ende ist alles durchdacht, doch man kann es kaum glauben. Immer wieder werden Hinweise gestreut, merkwürdiges Verhalten als Eigenheit abgetan, doch was bleibt, ist dieses Gefühl: Hier stimmt was nicht. Die Auflösung ist etwas, das man selten in Jugendbüchern zu lesen bekommt, und macht damit umso mehr Spaß. 

WILD ist divers

Dieses Buch ist nicht explizit queer. Queerness fließt jedoch selbstverständlich mit ein, was einfach mit der Lebensrealität der beiden Autorinnen zu tun hat. Eine queere Liebe spielt hier eine Rolle, trägt jedoch nicht die Geschichte. Die Sexualität der Jugendlichen wird auch nicht genauer definiert, was auch daran liegt, dass einige sie vielleicht noch gar nicht gefunden haben. Ebenso setzen die beiden Autorinnen auf kulturelle Vielfalt, ohne diese zu problematisieren. Besonders auffällig spielen sie jedoch mit Vorurteilen und Erwartungen der Lesenden:  Diese schütteln sie einmal ordentlich durch und erweitern dadurch den Horizont. Warum beispielsweise erwarten wir in bestimmten Positionen einen Mann, während andere typisch für eine Frau sind? Warum sollten bestimmte Eigenschaften nur einem stereotypen Geschlecht zugeordnet sein? Durch ihren Umgang mit Vielfalt und Verständnis von Geschlechterrollen setzt Ella Blix in meine Augen neue Standards in der (Jugend-)Literatur.

Fazit

WILD – sie hören dich denken* von Ella Blix ist ein spannender, mysteriöser Jugendthriller, der besonders durch die selbstverständliche Diversität der Charaktere überzeugt. Dass das Autorinnenduo Antje Wagner und Tania Witte ein eingespieltes Team ist, spiegelt sich im bildhaften Schreib- und Erzählstil, der besonders gerne mit Erwartungen der Lesenden an bestimmte Geschlechterrollen oder Namen spielt und ordentlich mit Vorurteilen aufräumt. Das Allerwichtigste: Vermeidet es unbedingt, den offiziellen Klappentext zu lesen, der viel zu viel verrät und damit das Rätselraten etwas eindämmt. Besonders gut wird dieses Buch der Zielgruppe ab 12 Jahren gefallen. Auch Erwachsene werden ihren Spaß daran haben, jedoch wahrscheinlich schon deutlich früher aus des Rätsels Lösung stoßen als die Charaktere. Mich hat es trotzdem bestens unterhalten!

Humor: ●●●○○
Anspruch: ●●●○○
Spannung: ●●●●○
Liebe: ●●○○○
Erotik: ●○○○○
Originalität: ●●●●○

Weitere gern gelesene Eindrücke dazu:

Buchstabenträumerei* • CorniHolmes* • Tintenhain*

Eure Hannah 🙂

*DIESE LINKS FÜHREN ZU EXTERNEN SEITEN, AUF DENEN IHR MEHR INFORMATIONEN ZUM JEWEILIGEN SCHLAGWORT FINDET. DAS KÖNNEN Z.B. VERLAGSSEITEN SEIN, NACHRICHTENSEITEN ODER HOMEPAGES DER AUTOREN. DIE VERLINKUNGEN ERFOLGEN FREIWILLIG UND WERDEN NICHT VERGÜTET.

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