When Katie met Cassidy von Camille Perri

[Rezension] When Katie met Cassidy von Camille Perri

Was ich wirklich gerne mag, sind Anwaltsserien. Besonders gerne schaue ich »The Good Fight«, die Nachfolgeserie zu »The Good Wife« mit einer lesbischen Anwältin in einer der Hauptrollen. Und genau deshalb musste ich unbedingt zu When Katie met Cassidy* von Camille Perri greifen, denn es handelt sich dabei um eine Liebesgeschichte zwischen zwei jungen, gegnerischen Anwältinnen. Ein bisschen habe ich darauf gehofft, einen ähnlichen Witz und intelligente Wortgefechte vorzufinden wie bei den Serien, was anschließend bestenfalls in ein Happy End münden sollte. Für alle, die das gerne vorab wissen: Ein Happy End habe ich bekommen. 🙂 Das Buch ist im Mai 2020 im bold Verlag, ein Imprint des dtv Verlags, erschienen, hat 272 Seiten und kostet 12,90 €.

Kurzbeschreibung Inhalt

Katie Daniels schleppt sich nach einer alkoholreichen und schlaflosen Nacht in ihrem ungebügelten Gucci-Kostüm zu einer wichtigen Verhandlung, nachdem sie kurz zuvor von ihrem Verlobten für ihre beste Freundin verlassen worden ist. Als erfolgreiche New Yorker Anwältin dürfte ihr so etwas eigentlich gar nicht passieren. Das Chaos scheint perfekt, als Katie ihre Gegenspielerin Cassidy Price fälschlicherweise für einen Mann hält, ihr am selben Abend wieder über den Weg läuft und anschließend mit Cassidy und ihrer besten Freundin in einer Lesbenbar landet. Bisher hat sie sich doch nur zu Männern hingezogen gefühlt… oder?

Meine Meinung

Mit When Katie met Cassidy* habe ich etwas völlig anderes bekommen, als ich erwartet hatte. Kurz zusammengefasst würde ich die Geschichte wohl als lesbischen New-Adult-Liebesroman für Heteras beschreiben, die ihren Horizont erweitern wollen. Ich war wirklich überrascht, dass es sich hierbei um einen Own-Voices-Roman handelt. Da ich Schubladendenken aber eigentlich echt blöd finde, möchte ich es nicht bei dieser Beschreibung belassen und fange mal von vorne an.

Katie Daniels ist auf den ersten Blick eine naive Blondine, die weiß, wie sie die testosterongesteuerten Triebe der Männer zu ihrem Vorteil verwenden kann und es geschafft hat, in ihrem Beruf Erfolg zu haben. Sie versucht, sich in New York anzupassen und ihren Südstaaten-Akzent möglichst nicht durchscheinen zu lassen. Optisch entspricht sie jedem Klischee – lange blonde Haare, High Heels, Make-up, Gucci. Cassidy Price ist eine Butch aus dem Bilderbuch: kurze gegelte Haare, sportlich, Anzüge, Frauenheldin. Sie hat so viele Frauen abgeschleppt, dass sie längst an der Toilettenwand in der Lesbenbar verewigt ist als diejenige, die jede schon hatte. Sie weiß, dass sie für ihre Ziele hart arbeiten muss und scheut auch nicht davor zurück, Heteras zu verführen, um ihr Ego zu stärken. Und was passiert, als beide sich treffen? Genau: Die Hetera und die Butch verlieben sich ineinander.

Vielleicht klinge ich etwas distanziert, möglicherweise sogar amüsiert, was einfach daran liegt, dass ich amüsiert bin. Ich war mir manchmal nicht sicher, ob die ganze Geschichte einfach aus purem Sarkasmus besteht, ob sie vielleicht wirklich nur dazu da ist, den Horizont von Menschen, die mit Queerness bisher absolut keine Berührungspunkte hatten, zu erweitern. Der Prozess des inneren Coming Outs bei Katie ging wahnsinnig schnell und reibungslos, etwas, das bei mir und vielen anderen, die ich kenne, Jahre gedauert hat und nicht wenige Tage. Abgesehen davon ist für mich bis jetzt nicht klar, ob Katie wirklich lesbisch sein soll oder sich trotz ihrer Anziehung zu Männern in Cassidy verliebt.

Cassidy hat diesen unnahbaren, mysteriösen, dunklen Charakter, dem nur Katie es schafft, sich anzunähern. Bis zu diesem Punkt geht es jedoch viel um »Sollten wir, oder sollten wir nicht?« und wenig um ihr Anwaltsdasein. Die Berufe scheinen die beiden eher willkürlich zugeteilt bekommen haben, um ihr Kennenlernen und ihre finanziellen Stellungen zu begründen. Auch wenn es in dieser Geschichte viel um Sex geht, gibt es keine expliziten Sexszenen – hier wird sanft ausgeblendet. 

Der Schreibstil ist sehr einfach und wahnsinnig unterhaltsam. Ich habe das Buch gerne gelesen und mich zu keiner Zeit gelangweilt – es war nur einfach nicht das, was ich erwartet habe. Ich habe nie damit gerechnet, dass ich einmal eine lesbische Liebesgeschichte lesen würde, bei der ich mir sicher bin, dass sie auch die letzte heterosexuelle Person abholt, doch genau das ist hier der Fall. Auch wenn die Annäherung zwischen den beiden Frauen plötzlich sehr schnell geht, verliebt man sich mit den beiden mit und wird für ein paar Stunden aus dem Alltag gezogen.

Fazit

When Katie met Cassidy* ist eine unterhaltsame New-Adult-Geschichte über die Liebe der beiden Anwältinnen Katie und Cassidy, deren Beruf für die Handlung jedoch kaum eine Rolle spielt. Der Fokus liegt klar auf der körperlichen Anziehung zwischen den Frauen, explizite Sexszenen gibt es allerdings keine. Insgesamt bleibt die Geschichte eher an der Oberfläche. Eine Charakterentwicklung wird zwar deutlich, jedoch verlief das innere Coming Out von Katie so schnell und reibungslos, dass ich kaum glauben konnte, es hier mit einem Own-Voices-Roman zu tun zu haben. Vielmehr ist der Eindruck geblieben, dass mit diesem Buch die perfekte lesbische Liebesgeschichte für Heteras entstanden ist. Besonders aufgrund des sarkastischen Humors habe ich die Geschichte gerne gelesen und kann sie für eine kurze Flucht aus dem Alltag mit einem amüsierten Schmunzeln auf den Lippen empfehlen.

Humor: ●●●○○
Anspruch: ●●○○○
Spannung: ●●○○○
Liebe: ●●●●○
Erotik: ●○○○○
Originalität: ●●○○○

Weitere gern gelesene Eindrücke dazu:

Bücherhummel* • It Is IrIs* • Piglet and her Books*

Eure Hannah 🙂

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4 Gedanken zu “[Rezension] When Katie met Cassidy von Camille Perri

  1. Hey!
    Ich hab das Buch schon vor etwa einem Monat gelesen und ähnliche Gedanken dazu gehabt wie du.
    Ich hab mir viel mehr erwartet aber es war trotzdem nett zu lesen. Katies Coming Out Prozess fand ich ebenfalls etwas unrealistisch. Aber kann schon sein, dass manche Leute nur ein paar Tage dafür brauchen. Ein längerer Prozess hätte das Buch vermutlich nur in die Länge gezogen…
    Ich hab das Buch innerhalb weniger Stunden gelesen. Es hat mich einen Sonntag-Nachmittag lang amüsiert und dafür war es ja doch ganz schön.
    Ich hab mir aber bisschen etwas anderes erwartet, mehr Tiefgang, weniger Humor. Aber grade der Humor macht es doch zu etwas besonderem und man behält es in Erinnerung.
    LG Betty

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    • Liebe Betty,
      spannend, dass es dir da ähnlich ging! Ich sehe das auch so: Wenn ein Buch es schafft, mich zu unterhalten, bin ich zufrieden. Es muss nicht immer anspruchsvolle, lebensverändernde Literatur sein. 🙂
      Liebe Grüße, Hannah

      Gefällt mir

  2. Auch wenn es nicht immer anspruchsvoll sein muss, klingt deine Rezension als wäre mit dem Buch eine Chance vergeben worden. Die Autorin wird ihre Gründe haben, aber dass es dann ausgerechnet in einem NA-Buch, das sich eher an Heteras richtet, keine expliziten Sexszenen gibt, hinterlässt bei mir schon einen Nachgeschmack. Einfach weil es die in so gut wie jedem Heterotitel gibt und in genug Büchern mit schwulen Paaren. „Aber lesbischer Sex? Nein, das geht ja nicht!“ Es ist in einem Mainstream-Verlag erschienen und hätte einfach bessere Repräsentation sein können. Sowas finde ich immer schade. 🤷‍♀️ Wäre der Buchmarkt bereits diverser, wäre es nicht so tragisch, aber im Moment sollte jede Chance für lesbische Sichtbarkeit genutzt werden. 🌈

    Gefällt 1 Person

    • So habe ich das noch gar nicht betrachtet. Aber ich gebe dir Recht. So ganz verstanden habe ich es nicht, warum die Autorin so vorgegangen ist. Was ihre Absicht war. Wenn sie Heteras an Queerness heranführen wollte, hätte sie den Sex schon auch ausformulieren können, um ein vollständigeres Bild zu liefern… hat sie aber nicht. Schade.

      Gefällt 1 Person

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