How to Be Gay Cover (© Fischer Verlag)

[Rezension] How to Be Gay von Juno Dawson

Eine kleine Weile war ich untergetaucht… Dafür teile ich heute mit euch ein ganz frisches Leseerlebnis: How to Be Gay* von Juno Dawson (Originaltitel: This Book Is Gay*). Ich wollte das Buch schon SO lange lesen, aber nun ja, da hat mein für kurze Zeit auferlegtes Bücher-Kauf-Verbot zumindest ein kleines bisschen seinen Beitrag geleistet. Und wenn du dann voll bepackt am Bahnhof »mal kurz« in den Buchladen reinschaust und es dort ZUFÄLLIG Mängelexemplare gibt und dich daraus ZUFÄLLIG ein Buch anstarrt, das du schon ganz lange im Blick hast – wie willst du da nein sagen? Genau. Gar nicht. 😀 So hat es aber auch etwas Gutes, denn ich kann euch jetzt, nachdem ich es natürlich direkt danach verschlungen habe, eine Einblick in dieses schrille und in meinen Augen ziemlich coole Buch geben. Noch kurz vorneweg: How to Be Gay* ist ein Ratgeber. Das Buch ist im Juli 2015 im Fischer Taschenbuchverlag erschienen, hat 302 Seiten und kostet egal in welcher Version 9,99 €.

Kurzbeschreibung Inhalt

Wie schon oben kurz angerissen handelt es sich um einen Ratgeber oder ein sogenanntes „Coming-Out-Buch“. Nach und nach werden in den Kapiteln die Fragestellungen behandelt, die man sich in der Phase des inneren und äußeren Coming Outs so stellen könnte. Angefangen bei der »Gay-Community«, Begriffserklärungen zu den Themen LGBT* (was bedeutet das alles überhaupt?), dazu auch das Thema Labels und inwieweit man sich selbst kategorisieren muss/kann, biologische Hintergründe der Homo- und Transsexualität, Stereotype und Klischees, Angst und Homophobie, Hilfestellungen zum Coming-Out selbst, wo und wie man Gleichgesinnte treffen kann, wie schwuler und lesbischer Sex funktioniert, Partnerschaften, Regenbogenfamilien, eine Liste von Schwulen- und Lesbenikonen, ein Kapitel nur für die Eltern, deren Kinder sich möglicherweise als LGBT* identifizieren und eine Reihe an nützlichen Organisationen und Websites.

Meine Meinung

Das klingt jetzt natürlich erstmal nach klassischem Coming-Out-Ratgeber für LGBT*s in der Selbstfindung. FALSCH. Also schon auch richtig, aber es war für mich ein unglaublicher Genuss, dieses Buch zu lesen. Juno Dawson hat ja sonst auch schon einige Jugendromane veröffentlicht und damit bewiesen, dass sie Schreibtalent besitzt, was Geschichten erzählen angeht. Das Buch ist durchweg (bis auf die ganz ernsten Stellen) unglaublich humorvoll geschrieben. Zusätzlich zieren alle paar Seiten comicartige Strichzeichnungen das Papier, die teilweise zum schießen sind, teilweise aber auch inhaltlichen Mehrwert zum Geschriebenen bieten. Es ist natürlich als Ratgeber zu verstehen, wenn man noch nicht so genau weiß, wie das nun alles ist mit dem LGBT*-sein. Wenn man dabei ist, seine (Homo-/Trans-)Sexualität zu entdecken, steht man ja für gewöhnlich erstmal vor einem Riesenberg von »was erwartet mich da bloß alles?«. Hier kann das Buch aus meiner Sicht wirklich unterstützen, weil es Mut macht und Unterstützung gibt, sich selbst als richtig und positiv zu sehen. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich fand Ratgeber und Aufklärungsbücher als Kind/Jugendliche (und auch heute noch!) irgendwie doof. Es wird so ein riesen Wind um Veränderung und das Erwachsenwerden gemacht, und irgendwie habe ich auch noch kein Buch dazu in der Hand gehabt, in dem ich mir nicht irgendwie komisch vorkam, denn: 1. sind die Cover der Aufklärungsbücher meistens ziemlich schlecht gestaltet oder ziemlich eindeutig und 2. kam ich mir vom Erzählstil meistens ein bisschen verarscht vor. Genauer: Wie wenn ein Erwachsener auf »coolen Onkel / coole Tante« macht und vorgibt, ganz genau zu wissen, wie man sich fühlt, aber selbst rein sprachlich meistens mit dem gewollt Jugendlichen ziemlich daneben liegt. Hier ist das etwas anders. Das Cover lässt zwar unmissverständlich auf homosexuellen Inhalt schließen, sieht aber ansonsten ziemlich cool aus. Bunt und selbstbewusst und richtig. Es ist zwar im engsten Sinne ein Ratgeber, aber es ist gleichzeitig unglaublich unterhaltsam und lässt sich fast wie ein Roman lesen. Deshalb empfehle ich das Buch nicht nur an noch unsichere / nicht festgelegte Jugendliche im Coming-Out-Prozess, sondern an jeden, den das Thema interessiert und der sich näher damit befassen will oder einfach nur lustige Klischees über LGBT*s lesen will, an denen zwar manchmal etwas dran ist, die meistens aber einfach nur urkomisch sind. Zusätzlich lässt die Autorin zu den meisten Kapiteln echte Geschichten bzw. Statements von LGBT*s einfließen, die das Ganze auflockern und ganz verschiedene Erfahrungen aus dem echten Leben zeigen.

Eins der wenigen Dinge, und nun kommen wir zum kritischen Teil, das mich manchmal gestört hat, war ab und zu das Wording von Juno Dawson. Ja, die Erscheinung des britischen Originals* ist schon drei Jahre her, und auch in diesen drei Jahren kann einiges passieren. Vielleicht erinnere ich mich falsch, aber war nicht der Begriff »Homo-Ehe« auch schon 2014 irgendwie verpönt? Dieses altbekannte »Es heißt einfach nur Ehe, wir gehen ja auch nicht Homo-Einkaufen oder machen keinen Homo-Sport«. Dei Autorin spricht hier konsequent von der »Homo-Ehe«. Was ich auch nicht ganz so passend finde ist, dass sich ein sehr großer Teil der Sätze mit dem Thema Sex befassen. Erst ziemlich spät erwähnt sie noch, dass es ja nicht nur um Sex geht, sondern auch um Liebe, denn nur Sex allein macht nicht glücklich. Vielleicht ist das aber auch darin zu begründen, dass die selbst transgender Autorin eben nur aus eigener Sicht beschreiben konnte, für den Rest musste auch sie recherchieren. Und Achtung – Klischee: Wie die Autorin im Buch selbst sagt, haben schwule Männer tendenziell deutlich mehr Sexualpartner als der Rest. Sie befasst sich auch viel mit der lesbischen Frauenseite, aber ein größerer Teil ist hier den Schwulen gewidmet. Aus meiner Sicht hätte sie noch mehr auf den Teil Partnerschaft und Familie eingehen können, aber da sich How to Be Gay* doch verstärkt an die junge Generation richtet, wäre das Buch wohl sonst zu dick geworden.

Fazit

Ein unglaublich unterhaltsames Buch über »Coming Out, Sex, Gender und Liebe«, das sich unter der Kategorie als Ratgeber tarnt, aus meiner Sicht aber fast wie ein Roman zu lesen ist. Etwas für sich finden kann darin jeder, egal ob man sich gerade findet, sein Kind sich gerade findet, man einfach nur interessiert ist oder schon ganz lange im Team LGBT* spielt.

Weil es sich um einen Ratgeber handelt,
gibt es an dieser Stelle keine Punkteverteilung.

Eure Hannah 🙂

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