Frag mich, wie es für mich war Cover (© Beltz & Gelberg)

[Rezension] Frag mich, wie es für mich war von Christine Heppermann

Frag mich, wie es für mich war* von Christine Heppermann ist kein Buch das »Schau mich an, ich bin queer!« schreit und ich bin froh, dass der Verlag mich auf dieses besondere Stück der Literatur aufmerksam gemacht hat. Die komplette Geschichte ist in Gedichtform geschrieben; Gedichte, die die Protagonistin über ihre erste Liebe, ihre Erfahrung mit einer Abtreibung und den nachträglichen Verlustgefühlen schreibt. Und darüber, wie sie langsam ihren Weg findet, damit umzugehen. Klingt immer noch nicht queer? Dann lies weiter! 😉 Das Buch ist im Februar 2018 bei Beltz & Gelberg erschienen, hat 232 Seiten und kostet 13,95 €.

Kurzbeschreibung Inhalt

Die 15-jährige Addie ist das erste Mal verliebt und kann ihr Glück kaum fassen, das sie in ihrem Freund gefunden hat. Sie ist begeisterte Leistungssportlerin im Laufteam ihrer Mädchenschule und hält die Bestzeit. Als sie schwanger wird, muss sie sich entscheiden und wählt den Weg der Abtreibung. Eigentlich nur ein kleiner Eingriff, der in ihr viel mehr auszulösen scheint, als anfangs gedacht. Sie lässt ihr Training sausen, vertraut sich ihrem Freund und ihren Eltern nicht mehr an. In einem Café trifft sie zufällig auf Julianna, ehemalige Läuferin in ihrem Team, für die sie früher schon geschwärmt hat. Und irgendwie scheint es ganz leicht, sich ihr anzuvertrauen…

Meine Meinung

Ein Buch, das komplett in Gedichtform geschrieben ist, hatte ich vor diesem noch nicht gelesen. Diese Darstellung ist auf jeden Fall mal etwas anderes im Vergleich zum restlichen Jugendbuchangebot. Anfangs dachte ich, ich müsste nur so durch die Seiten fliegen, allerdings verleitet wenig Text mit Tiefgang häufig zum Interpretieren. Wie viel steckt in diesen Zeilen, die komplett aus Addies Sicht geschrieben sind? Es macht die Geschichte in meinen Augen besonders lebensecht, da das die Gedichte sind, die Addie zur Bewältigung ihres Verlusts und ihrer Veränderung, oft sehr humorvoll, selbst schreibt.

Da die Zeilen so viel Raum für Interpretation lassen, wird jeder aus der Geschichte vermutlich etwas anderes herauslesen, sie wird andere Aussagen für jeden Leser bereithalten. War Addies Freund nicht der Richtige für sie, trotz Vorzeigeverhaltens und Unterstützung in jeder Lebenslage? Kann überhaupt jemand Außenstehendes verstehen, wie sich eine Abtreibung anfühlt und was das in einem auslöst? Wie viel kann man zusammen durchmachen und wie viel braucht es für einen Neuanfang? Schlummerten die Gefühle des Ausbrechens schon immer in Addie und sind durch die Abtreibung erst zum Vorschein gekommen? Fühlte sie sich vielleicht schon immer mehr zu Frauen hingezogen oder könnte Julianna einfach unabhängig ihres Geschlechts diejenige sein, die Addie braucht?

Sexualität wird hier zu keiner Zeit beim Namen genannt oder problematisiert. Addie ist mit einem Jungen zusammen, den sie liebt; durch den Neuanfang, der sich langsam aber sicher abzeichnet, fühlt sie sich (wieder) zu Julianna hingezogen. That’s it. Ob man sie nun als »lesbisch«, »bi«, »pan« oder »queer« sieht, bleibt jedem selbst überlassen. Vielleicht ist sie ja einfach »Mensch«.

Das ist genau die Art selbstverständliche Repräsentation queerer Charaktere in der Literatur, wie ich sie mir immer wünsche. Auch die schwierige Thematik »Schwangerschaftsabbruch« wird nicht gewertet, sodass diese Wertung jeder für sich selbst festlegen kann. Durch die Gedichtform ist das Buch jedoch nicht ganz so einfach zu lesen und verlangt dem Leser viel Einfühlungsvermögen und Wachsamkeit ab, denn jedes Detail ist wichtig für die Deutung und das Gefühl, das die Geschichte hinterlässt. Solltet ihr also eher einfache Texte mögen, bei denen ihr nicht viel mitdenken müsst, wird euch das Buch wahrscheinlich nicht gefallen; wenn ihr euch dagegen gern eure eigene Meinung bildet und sehr aufmerksam lest, trifft der Schreibstil genau euren Geschmack.

Fazit

Frag mich, wie es für mich war* ist ein Buch, das durch die reduzierten Worte viel Interpretationsspielraum lässt und dazu anregt, sich selbst eine Meinung zu bilden. Sexualität wird hier nicht thematisiert, sie existiert einfach und jeder wird sie vermutlich als eine andere verstehen. Die Gedichtform, in der die Geschichte aus Addies Sicht geschrieben ist, verleiht ihr zusätzliche Tiefe und eine Besonderheit, die aus dem weiten Meer der Jugendbücher heraussticht. Eine Empfehlung an alle, die sich gern ihre eigene Meinung bilden und nicht vom Autor bevormundet werden wollen.

Humor: ●●●○○
Anspruch: ●●●●○
Spannung: ●●○○○
Liebe: ●●●○○
Erotik: ●●○○○
Originalität: ●●●○○

Weitere gern gelesene Eindrücke dazu:

BücherherzTales and More

Eure Hannah 🙂

*DIESE LINKS FÜHREN ZU DEN JEWEILIGEN VERLAGEN, FALLS IHR MEHR INFORMATIONEN ÜBER DAS BUCH SUCHT. DIESE VERLINKUNG ERFOLGT FREIWILLIG UND WIRD NICHT VERGÜTET.

Ein Gedanke zu “[Rezension] Frag mich, wie es für mich war von Christine Heppermann

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s