Sadie Cover (© Verlag Beltz & Gelberg)

[Rezension] Sadie von Courtney Summers

Sadie* habe ich kennengelernt, als mir mehr und mehr englischsprachige Lesermeinungen dazu über den Weg gelaufen sind. Sadie sollte außergewöhnlich sein, intensiv und die Charaktere weit entfernt von heteronormativ. Beltz & Gelberg hat der deutschen Sadie eine Stimme gegeben, einen (wie ich finde) sehr stimmungsintensiven Buchtrailer entstehen lassen, den ihr am Ende des Beitrags findet, und durch die Seite findsadie.de* eine fast schon zu realistische Wirkung der Geschichte erzeugt. Man bekommt dadurch das Gefühl, West sei tatsächlich und genau in diesem Moment auf der Suche nach Sadie. Das Buch ist im Februar 2019 erschienen, hat 368 Seiten und kostet 16,95 €.

Kurzbeschreibung Inhalt

Nachdem ihre 13-jährige kleine Schwester Mattie ermordet aufgefunden wird, hat Sadie nur ein Ziel: Den Mann zu töten, der ihrer Schwester das angetan hat. Wo die Polizei nicht weiterkommt und aufgibt, weiß Sadie ganz genau, wer der Täter ist, denn sie kennt ihn besser, als ihr lieb ist. So macht sie sich auf ihn zu finden, um es zu Ende zu bringen, denn nach Matties Tod ist ihr nichts geblieben.

Einige Monate nach Sadies Verschwinden bittet ihre Ersatzgroßmutter May Beth den Radiomoderator West McCray Sadies Spuren zu folgen, denn sie hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass Sadie noch am Leben ist. In seinem Podcast »The Girls« berichtet er von seiner Suche nach Sadie, wie er ihr von Ort zu Ort folgt und mit den Menschen spricht, denen sie begegnet ist. Wird er sie letztendlich finden?

Meine Meinung

Sadie* ist für mich vor allem eines: erschreckend realistisch. Die Kapitel sind abwechselnd aus Sadies Sicht und in Form des Podcasts geschrieben. So erleben wir alles aus nächster Nähe mit Sadie mit und erfahren einige Dinge, die Sadie dem Leser verschwiegen hat, nachgelagert durch den Podcast. Alle Podcast-Folgen sind auf Englisch z.B. auf Spotify* zu finden; wer sich also diese Kapitel lieber anhören möchte, kann das kostenlos tun. Ich kann nicht mal sagen, dass ich beim Lesen besonders traurig gewesen wäre; es war eher so, als läge ein schweres Gewicht auf meiner Brust. Es war beklemmend und ich fühlte mich gleichzeitig so distanziert, als wäre dieser Fall real. Denn wenn wir wieder einmal von einem verschwundenen Mädchen in den Nachrichten hören, dann distanzieren wir uns. Wir wollen es nicht wahrhaben oder uns näher damit beschäftigen, denn das wäre zu gewaltig.

Sadie ist ein gebrochener Charakter, seit sie geboren wurde. Ungewollt, das Baby einer zu jungen, drogenabhängigen Frau, ungeliebt. Bis im Alter von sechs Jahren Mattie in ihr Leben tritt, die Sadies Leben einen Sinn gibt. Sie ist vom ersten Augenblick in ihre kleine Schwester vernarrt und wird ihr alles geben, was sie zu geben hat. Sadie ist eine Powerfrau. Sie stottert, entspricht nicht dem gängigen Schönheitsideal und weiß ganz genau was sie tun muss, um ihre Ziele zu erreichen. Auch wenn sie sich Reizen von außen nachzugeben normalerweise verbietet, schaffen es sowohl weibliche als auch männliche Begegnungen zumindest für einen Augenblick, ihre Mauer zu durchbrechen und in ihr so etwas wie Verlangen nach Liebe und Nähe auszulösen. Weiter Bezug nimmt sie selbst auf ihre Sexualität nicht. Auch die Sexualität des Radiomoderators West schimmert nur für einen kurzen Satz hindurch, in der deutlich wird, dass er mit einem Mann verheiratet ist und mit ihm eine gemeinsame kleine Tochter hat. Das ist die Normalität queerer Figuren, die ich mir in der Literatur wünsche.

Die Geschichte ist intensiv, unbarmherzig und abscheulich. Das Thema Kindesmissbrauch nimmt einen größeren Platz ein, als ich am Anfang gedacht hätte. Wie viele Kinder schweigen, weil sie Angst vor den Auswirkungen haben? Angst davor, dass sie etwas falsch gemacht haben und ihre Liebsten schützen wollen? Viel zu viele. Auch wenn wir es hier nicht mit einem klassischen Happy End zu tun haben und das Ende mehr oder weniger offen bleibt, so gibt es wenigstens für das Wohl der Kinder ein kleines bisschen Genugtuung, wobei sich dieses Wort in diesem Zusammenhang einfach nur falsch anfühlt.

Fazit

Was ist nun eigentlich die Grundaussage von Sadie*? Es passieren schreckliche Dinge. Ganz egal, ob dieser vorliegende Fall nun wahr ist oder nicht, Tatsache ist: Er könnte es sein. Sadie schafft es, einen von der ersten Seite an zu vereinnahmen und zieht einen mit sich in die Tiefe, wie man es sonst eher von Netflix-Serien gewöhnt ist. Die Einbindung eines echten Podcasts verstärkt das Gefühl, mittendrin in einem realen Thriller zu stecken. Beide Protagonisten sind queer, was jedoch in der Geschichte nie ein großes Thema ist. Es wird so beiläufig erwähnt, dass man es fast übersehen könnte und setzt gerade deshalb in meinen Augen neue Standards in der queeren Literatur. Empfehlenswert ist das Buch besonders für Fans von »Tote Mädchen lügen nicht« und HYDE, sowohl für Erwachsene als auch Teenager, die mit harten Themen umgehen können.

Humor: ○○○○○
Anspruch: ●●●●○
Spannung: ●●●●○
Liebe: ●●○○○
Erotik: ●●○○○
Originalität: ●●●●○

Weitere gern gelesene Eindrücke dazu:

Katherineverdeen* • Stürmische Seiten* • Tagesspiegel*

Buchtrailer

Eure Hannah 🙂

*DIESE LINKS FÜHREN ZU EXTERNEN SEITEN, AUF DENEN IHR MEHR INFORMATIONEN ZUM JEWEILIGEN SCHLAGWORT FINDET. DAS KÖNNEN Z.B. VERLAGSSEITEN SEIN, NACHRICHTENSEITEN ODER HOMEPAGES DER AUTOREN. DIE VERLINKUNGEN ERFOLGEN FREIWILLIG UND WERDEN NICHT VERGÜTET.

2 Gedanken zu “[Rezension] Sadie von Courtney Summers

  1. […] Sadie* von Courtney Summers wurde bereits im englischsprachigen Raum in höchsten Tönen gelobt, weshalb ich sehr froh bin, dass es jetzt auf Deutsch erscheint. Es handelt sich um einen Jugendthriller, in dem Sadie den Mörder ihrer kleinen Schwester sucht, die ihr alles bedeutet hat. Währenddessen nimmt der Journalist West McCray ebenfalls die Spurensuche auf, indem er Sadies Jagd auf den Mörder zum Programm seines »True-Crime-Podcasts« macht. Als er herausfindet, dass Sadie den Mörder gekannt haben könnte, muss er selbst eingreifen, bevor es zu spät ist… Sadie ist eine selbstverständlich queere Protagonistin und beschreibt ihre Sexualität auf eine Weise, die als pansexuell gedeutet werden kann, was jedoch nicht aus dem Klappentext ersichtlich ist. Ich bin jedenfalls schon wahnsinnig gespannt, denn die Beschreibung klingt für mich, als könnte das mal wieder eine richtig gute, ungemütliche und emotionale Geschichte werden. Das Buch erscheint am 13. Februar im Beltz & Gelberg Verlag, hat 359 Seiten und kostet 16,95 €. (Inzwischen gelesen und rezensiert!) […]

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