Space Opera Cover (© Fischer TOR Verlag)

[Rezension] Space Opera von Catherynne M. Valente

Schon als ich von der Erscheinung der Originalversion von Space Opera* von Catherynne M. Valente erfuhr, wusste ich, dass ich dieses Buch lesen muss. Ein völlig abgedrehtes Weltraum-Szenario, in dem verschiedenste Spezies in einem metagalaktischen Gran-Prix um das Überleben ihres Planeten singen – dazu noch mit einem Cast, der kaum queerer sein könnte – das klang für mich nach einem Riesenspaß. Um ehrlich zu sein griff ich nicht danach, weil ich ein großer Fan des Eurovision Song Contests bin, denn das nimmt in dieser Geschichte eine größere Rolle ein als erwartet; aber immer der Reihe nach. Das Buch erschien im März 2019 im Fischer TOR Verlag, hat 352 Seiten und kostet 14,99 €.

Kurzbeschreibung Inhalt

Decibel Jones & the Absolute Zeros waren einmal ganz große Popstars, bis sie, wie die meisten Sternchen am Pop-Himmel irgendwann, wieder weg vom Fenster waren. Einige Jahre und gescheiterte Solo-Karrieren später steht ihnen die Alien-Invasion bevor – in Form eines blauen Fisch-Flamingo-Aliens, der mit einer seinem Gegenüber wohlvertrauten Stimme jedem Menschen auf der Erde gleichzeitig erklärt, was Sache ist. Nach einem Krieg, der die Galaxis fast ausgelöscht hatte, haben sich die Parteien darauf geeinigt, jährlich in einem metagalaktischen Grand-Prix gegeneinander anzutreten, ihre Empfindungsfähigkeit als Spezies unter Beweis zu stellen und die Zivilisation des Verlierer-Planeten anschließend auszulöschen. Alle großen Musik-Legenden, die das Fisch-Flamingo-Alien (auch Mrs. Raodrunner genannt) vorschlägt, sind allerdings leider schon tot. Und so müssen Decibel Jones und der übrig gebliebene Absolute Zero Oort St Ultraviolet die Erde beim Grand Prix vertreten und das Überleben ihrer Art sichern…

Meine Meinung

Die ersten Seiten lasen sich wahnsinnig unterhaltsam und fühlten sich gleichzeitig wie ein einziger Haufen Nonsens an. Ich bin mir nach wie vor nicht sicher, wie viele der Wortkombinationen eigentlich wohl durchdacht sind und wie viele tatsächlich nur zusammenfanden, weil es sich irgendwie witzig angehört hat. Die Sätze ziehen sich nicht selten über eine halbe Seite oder mehr, womit man hin und wieder am Ende eines Satzes schon wieder vergessen hat, wie er eigentlich angefangen hat. Man brauch also eine Wahnsinnskonzentration, um der Handlung zu folgen, woraufhin ich mir das Hörbuch parallel zum Lesen selbst anhörte – und landete damit einen Volltreffer. (Das also so als Geheimtipp.)

Space Opera* ist eine große Schüssel voll Verrücktheit. Wenn man auf der Suche nach irgendeiner Logik ist, so wird man diese nicht finden. Vielmehr steigern sich Unlogik und Abgedrehtheit mit Verlauf der Handlung immer weiter, um im großen Finale schließlich zu implodieren. Die Geschichte ist allein da, um zu unterhalten und weist damit viele Parallelen zum Eurovision Song Contest auf. Nicht nur das fast willkürlich festgelegte Punktesystem, sondern auch die Prioritäten von Aufmerksamkeit, Glamour, Queerness und Emotionalität vor Qualität zeichnen den ESC aus und werden in dieser Geschichte nochmal in extremer Form auf die Spitze getrieben. Zahlreiche Anspielungen auf vergangene Künstler und Vorfälle finden sich darin wieder. Catherynne M. Valente zeichnet eine tiefe Liebe zum Unterhaltungswert des ESCs und hat sich dieser durch das Verfassen von Space Opera* hingegeben.

Der Queerness-Faktor ist nahezu in allen Figuren zu finden. Decibel Jones und Oort St Ultraviolet bezeichneten sich beide als bisexuell, später dann als omnisexuell und führten früher eine polyamoröse Beziehung mit ihrer Bandkollegin Mira Wonderful Star. Sämtliche weitere Spezies, die man im Laufe der Geschichte kennenlernt, nehmen es entweder mit dem Geschlecht (oder gar der Art) des (Sex-)Partners nicht so eng, oder sind nicht wie die Menschen nur in zwei Geschlechter aufgeteilt. In Space Opera ist das zwar sehr überspitzt dargestellt, erinnert jedoch an die Darstellung in Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten, die mich sehr gerührt hat.

Fazit

Space Opera* hat mich sehr unterhalten. Durch die sehr langen Sätze und dem ausführlichen Nonsens-Sprachstil fiel es mir manchmal nicht leicht, der eigentlichen Handlung zu folgen – wenn man jedoch beim Lesen das Hörbuch hört, entfällt nicht nur dieses Problem, sondern man hat auch noch einen extremen Zugewinn an skurrilem Humor, der durch die verschiedenen Stimmen viel stärker durchschlägt. Trotzdem empfehle ich dieses Buch nicht uneingeschränkt weiter. Es erfordert gleichzeitig die volle Konzentration des Lesenden (oder Hörenden) und verlangt zudem die völlige Kapitulation für die Suche nach irgendeiner Logik. Auf der anderen Seite ist es wahrscheinlich für eingefleischte ESC-Fans, die die Veranstaltung gerade wegen ihrer Sinnlosigkeit und bunten, queeren, schillernden nicht-Qualität feiern und zufällig auch noch Science Fiction über alles lieben, genau das Richtige.

Humor: ●●●●●
Anspruch: ●●●●○
Spannung: ●●○○○
Liebe: ●●○○○
Erotik: ●●○○○
Originalität: ●●●●●

Weitere gern gelesene Eindrücke dazu:

Letterheart* • Rainbookworld* • Rike Random*

Eure Hannah 🙂

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